Trotz erheblicher Sparanstrengungen schreibt Air Berlin weiter tiefrote Zahlen. Für das zweite Quartal meldet Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft einen Netto-Verlust von 66,2 Millionen Euro, nach minus 43,9 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das Eigenkapital halbierte sich gegenüber dem ersten Vierteljahr 2012 auf 101,3 Millionen Euro. Die Zahl der Passagiere sank im Hauptreisemonat Juli verglichen mit 2011 um fast sechs Prozent auf 3,58 Millionen.

Den düsteren Daten zum Trotz wähnt Hartmut Mehdorn, seit knapp einem Jahr Vorstandschef von Air Berlin, das Unternehmen auf dem richtigen Weg. Der langjährige Bahnchef verweist auf den Umsatz, der gegenüber dem zweiten Vorjahresquartal um 1,7 Prozent auf 1,135 Milliarden Euro zulegte – und das trotz eines um 5,8 Prozent reduzierten Flugangebots. Zudem habe man im zweiten Quartal 45 Millionen Euro einsparen können, die Auslastung der Flieger sei gestiegen. Mit einer gezielten Flottenreduzierung – im Winterflugplan werden allein 4 000 Flüge von und nach Hamburg-Fuhlsbüttel entfallen – und dem Ausbau des Langstreckennetzes werde es gelingen, „im nächsten Jahr in die Gewinnzone zu fliegen.“ Soweit Mehrdorn.

Nach Ansicht von Experten ist das Ziel allerdings kaum erreichbar. „Der Weg zu schwarzen Zahlen ist für Air Berlin noch sehr weit“, sagt Branchenkenner Jürgen Pieper vom Frankfurter Bankhaus Metzler. Zum einen leide die Linie unter einer Vielzahl ungünstiger Rahmenbedingungen. Hierzu zählt Pieper die um zehn Prozent gestiegenen Kerosinpreise, den geplatzten Start des Flughafens Berlin-Brandenburg, das Wegbrechen des Nordafrika-Geschäfts, die schwache Konjunktur und die neue Luftverkehrssteuer.

Erst billig dann teuer dann Touristik

Schwerer aber wiegen nach Ansicht des Experten Fehler unter Mehdorns Vorgänger Joachim Hunold: Der habe mit einer diffusen Strategie zunächst auf Billigangebote gesetzt, dann auf Linienflüge, um mit dem überteuerten Kauf von LTU wieder auf Touristik umzuschwenken.

Zudem fehle es dem Unternehmen an einem leistungsfähigen IT- und Buchungssystem. Ein solches aber sei Voraussetzung, um mit unterschiedlichen Preisangeboten nennenswerte Durchschnittserlöse für den einzelnen Flug zu erzielen. Der Lufthansa sei dies gelungen.

Mittlerweile hat Mehdorn die Installation einer professionellen Buchungssoftware in Auftrag gegeben, auf die Schnelle ist Besserung aber nicht zu erwarten. Pieper rechnet anstelle des vom Unternehmen angekündigten operativen Jahresverlusts von 80 Millionen Euro mit einem Minus von 150 Millionen.

Noch gibt es einen Rettungsanker: Die arabische Fluglinie Etihad, mit 30 Prozent an Air Berlin beteiligt, stellte Ende Juni ein Darlehen über 162,9 Millionen Euro bereit. Bereits im Dezember 2011 hatte sie einen Kredit über 200 Millionen Euro gegeben. Irgendwann aber wird auch die Geduld des Partners zu Ende gehen.