Feinsinnige Motor-Journalisten haben das Modell 968 als den Porsche mit den „traurigen Augen“ beschrieben. 1991 kam er auf den Markt. Zu einer Zeit, als der Sportwagenbauer ein Pleitekandidat war. Ein Jahr später übernahm Wendelin Wiedeking den Chefposten. Der krempelte das Unternehmen mit einer Konsequenz um, die als lehrbuchartig in die Wirtschaftsgeschichte einging. Was er dann in den Jahren 2008 und 2009 durchzog, geht ebenfalls in die Geschichte ein: als Deal, der auf die bislang krasseste Art und Weise die Regeln die Finanzmarktes aushebeln sollte.

Wiedeking und sein früherer Finanzchef Holger Härter müssen sich dafür womöglich vor Gericht verantworten: Am Mittwoch erhob die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Anklage wegen Aktienkursmanipulation. Über die Zulassung der Anklage entscheidet das Landgericht Stuttgart, der Prozess könnte 2013 starten.

Porsche hortete VW-Aktien

Zwischen 1992 und 2009 hat Wiedeking Porsche zum profitabelsten Autobauer der Welt gemacht. Der Manager stoppte die Produktion von Autos wie dem 968, der leicht mit einem sportlichen Pkw aus Japan verwechselt werden konnte. Wiedeking sorgte dafür, dass sich das Design aller Porsches an der Silhouette des 911 orientiert. Eine weitere Komponente des Erfolges: Der gelernte Maschinenbauer schaffte es, den Produktionsprozess stark zu optimieren, was die Kosten erheblich drückte.

Trotz enormer Erfolge wurde Wiedeking aber irgendwann klar, dass Porsche langfristig zu klein ist, um zu überleben. Er heckte einen Plan zur Übernahme des um ein Vielfaches größeren Autobauers Volkswagen aus, der den gerissensten Hedgefonds-Managern Ehre machen würde. Porsche schaffte es, über Optionsgeschäfte immer mehr VW-Aktien zu horten. Eine zentrale Rolle bei diesen Wetten am Finanzmarkt spielte eine Informationspolitik, mit der laut Staatsanwaltschaft Anleger getäuscht wurden, da Porsche seine wahren Absichten verschleiert habe. Wiedeking ließ nämlich mehrfach erklären, es sei nicht geplant, die Kontrolle bei Volkswagen zu übernehmen. Dies war Voraussetzung dafür, dass die Options-Geschäfte funktionieren konnten.

Letztlich scheiterte die Übernahme, weil im Zuge der Finanzkrise die Banken nicht mehr mitspielten. Wiedeking trat im Sommer 2009 zurück.

Seit kurzem versucht sich der 60-Jährige an einem geschäftlichen Neustart. Er will eine Kette mit italienischen Restaurants aufbauen. Mit bekanntem Konzept: Optimierte Prozesse (Bestellen, Pizzabacken, Servieren) sollen die Kosten niedrig halten.