Für die Freunde seichter Fernsehunterhaltung war es eine böse Überraschung: Im vergangenen Oktober meldete ihre als ZDF-Traumschiff bekannte MS „Deutschland“ Insolvenz an. Die TV-Fans werden das verschmerzen können; Ersatz ist bereits gefunden: Künftig dreht das ZDF auf der MS „Amadea“.

Für zahlreiche Kleinanleger indes ist das kein Trost. Sie haben die MS „Deutschland“ nämlich mitfinanziert und Anleihen auf das Schiff gekauft – und damit eine Menge Geld verloren: Ob und wie viel sie davon wiedersehen werden, ist noch völlig offen. Auf dem Schiff lastet inzwischen ein Schuldenberg von 60 Millionen Euro. An der Börse wird die MS-„Deutschland“-Anleihe aktuell nur noch mit gut 20 Prozent ihres ursprünglichen Wertes gehandelt.

So wie den Gläubigern der MS „Deutschland“ erging es zuletzt auch den Inhabern vieler anderer deutscher Mittelstandsanleihen – Anleihen also, die von mittelständischen Unternehmen unters Anlegervolk gebracht werden. Im günstigen Fall wollen die Firmen damit ihr Wachstum finanzieren, im ungünstigen wollen sie damit nur frische Gelder reinholen, um die Pleite abzuwenden – so wie in den vergangenen Jahren des Öfteren geschehen. Doch auch die Gelder der Kleinanleger halfen meist nicht mehr: Reihenweise meldeten solche Unternehmen Insolvenz an. Die Kurse der Anleihen der betroffenen Firmen brachen daraufhin drastisch ein.

Gelockt wurden die Anleger stets durch außergewöhnlich hohe Zinsen. Sechs, sieben oder gar acht Prozent jährliche Rendite wurde ihnen in Aussicht gestellt. Gerade in Zeiten, in denen es auf dem Sparbuch oder mit Festgeld kaum mehr etwas zu holen gibt, sind solche Versprechen für viele extrem verlockend. Sie griffen zu, ohne sich der tatsächlichen Risiken bewusst zu sein. Dabei müssten bei solchen Renditeversprechen bei jedem Anleger sofort die Alarmglocken läuten.

Fonds als Alternative

Doch was tun, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und man die Anleihe einer Firma im Depot hat, die entweder Pleite ist oder kurz davor steht? „Grundsätzlich müssen diese Papiere jetzt nicht sofort verkauft werden, es besteht kein unbedingter Handlungsdruck“, empfiehlt Tobias Spies, Leiter Fixed Income bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München. Jeder Emittent müsse separat betrachtet werden, denn es gebe ja nicht nur Pleitekandidaten unter den Mittelstandsanleihen.

Lohnt sich also eventuell sogar noch der Neueinstieg? „Es gibt durchaus seriöse und sehr gut wirtschaftende Unternehmen, die ihr Geld auch wieder zurückzahlen werden“, sagt Spies. Er macht aber noch auf ein anderes Problem aufmerksam. „Wenn man eine attraktive Anleihe findet, sollte man damit rechnen, dass sie bis zur Endfälligkeit gehalten werden muss, da es phasenweise keinen Markt für das entsprechende Papier gibt.“

Um Anleger künftig besser vor Verlustrisiken bei Mittelstandsanleihen – im Fachjargon auch Minibonds genannt – zu schützen, fordert Spies aber Regeländerungen: „Wenn diese Anlageform eine Zukunft haben sollte, muss sich grundsätzlich einiges ändern: Die Transparenz der Gesellschaften muss sich verbessern und die Liquidität des Marktes muss sich erhöhen.“

Ähnlich beurteilt die Lage Frank Wieser, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Packenius, Mademann & Partner in Düsseldorf: Im Kurs abgestürzten Mittelstandsanleihen jetzt zu verkaufen, lohne kaum noch, sagt er. Die Spannen zwischen An- und Verkaufspreis seien hoch, daran verdiene nur die Bank. Für die Anleger aber seien die Verkaufskurse deshalb ungünstig.

Grundsätzlich sei die Idee der Mittelstandsanleihe richtig und für den Mittelstand als Finanzierungsquelle wichtig. „Trotzdem ist der Markt erst einmal kaputt“, so Wieser. Zur besseren Orientierung für Anleger regt Wieser an, die Firmen zu einem „Rating Light“ zu verpflichten, also ihre Bonität von einer Ratingagentur in Grundzügen bewerten zu lassen. Ein gutes Ergebnis könne beim Anleger hier Vertrauen schaffen.

Jan-Patrick Weuthen, Portfoliomanager der B&K Vermögen aus Köln rät Anlegern, ihre Minibonds immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, um in der Lage zu sein, Pleitekandidaten rechtzeitig abzustoßen. Auch Wackelkandidaten sollten zeitnah veräußert werden, empfiehlt Weuthen. Die Anleihen von Unternehmen mit vergleichsweise solider Finanzstruktur könnten dagegen weiter gehalten werden.

Und wie sollen die Anleger die Spreu vom Weizen trennen? „Über die Zahlungsfähigkeit eines Emittenten entscheidet die Liquidität“, sagt Weuthen. „Wenn ein Unternehmen dauerhaft Eigenkapital verbrennt, wird auch die Rückzahlung der bestehenden Anleihe zum Problem.“

Ralf Wiedmann, Vorstand der AdVertum Vermögensmanagement in Stuttgart vertritt die Ansicht, dass sich ein Kauf von Mittelstandsanleihen von ausgewählten Emittenten trotz der jüngsten Pleiteserie weiterhin lohnt. „Das ist allerdings immer eine Frage der individuellen Anlageziele, der Risikobereitschaft und der Marktkenntnisse des jeweiligen Investors“, schränkt er ein. „Oft sind die Anleihen relativ markteng und diese Märkte unterliegen ganz besonderen Marktgegebenheiten.

Doch auch für Anleger, die keine Lust haben, eine intensive Tiefenrecherche zu unternehmen, gibt es einen Ausweg: „Am besten kauft der Anleger nur noch Fonds, die auf solche Anleihen spezialisiert sind“, empfiehlt Wieser. Der Vorteil solcher Fonds liegt auf der Hand: Geht eine Firma Pleite, verliert der Anleger nicht gleich sein ganzes oder einen Großteil des investierten Geldes. Denn jede einzelne Anleihe macht im Fonds nur einen kleinen Anteil aus. Damit wird das Risiko für den Anleger breitgestreut und er hat trotzdem die Chance auf eine ordentliche Rendite für sein eingesetztes Kapital.