Barcelona - Der Terroranschlag von Barcelona verursacht unermessliches menschliches Leid – aber er hat auch eine ökonomische Dimension. Die Attacke fand in einer Stadt und in einem Land statt, die wie wenige andere in Europa vom Tourismus leben. Spanien war besonders von der Wirtschafts- und Währungskrise der vergangenen Jahre betroffen, stabilisiert sich seit einiger Zeit aber wieder. Das ist insbesondere auf den neuerlichen Tourismus-Boom zurückzuführen. Wenn man so will, ist das Land ein Profiteur der politischen Großwetterlage: In der Türkei und in Nordafrika (Ägypten, Tunesien) steckt die Reisebranche auch aufgrund wiederholter Terror-Anschläge in der Krise.

Die sonnenhungrigen Touristen steuern deshalb verstärkt andere Ziele rund ums Mittelmeer an – bevorzugt solche, in denen das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, und die auch Offenheit, politische Stabilität und Sicherheit versprechen.

Fast 76 Millionen Touristen im Jahr 2016

Für all das steht das EU-Mitglied Spanien  – weshalb ein Terroranschlag in einer Fremdenverkehrs-Hochburg auch eine Attacke auf die Volkswirtschaft ist. Wenn sich unter Touristen nun Terror-Angst breit machte, könnten einige ihre Reisen stornieren oder in Zukunft ganz davon absehen, welche nach Spanien zu buchen.

Barcelona ist in Europa die Nummer 5 im Markt der Städtereisen. Fast 20 Millionen Hotelübernachtungen gab es dort im vergangenen Jahr. Nur in London, Paris, Berlin und Rom waren es mehr, berichtet die Organisation „European Cities Marketing“. So wie andernorts ist der Touristen-Boom allerdings auch in Kataloniens Hauptstadt hochgradig umstritten. Es geht um Verdrängung, steigende Mieten und einen Verlust an Authentizität. Billigflieger und Online-Unterkunftsvermittler wie Airbnb bringen immer mehr Reisende in die Stadt, die sich schlecht benehmen.

Spanien insgesamt gehört mit Frankreich und den USA zu den drei wichtigsten Tourismus-Zielen der Welt. Allein im vergangenen Jahr kamen fast 76 Millionen internationale Gäste ins Land, gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus von mehr als zehn Prozent. Nach Berechnungen der Branchenvereinigung „World Travel & Tourism Council“ trägt der Tourismus in Spanien etwa ein Siebtel zur gesamten Wirtschaftsleistung bei. Damit wäre seine Bedeutung für das Land vergleichbar mit der der Automobilindustrie für  Deutschland.

Spanien ist das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen

Berücksichtigt bei dieser Rechnung ist allerdings nicht nur die Wertschöpfung in der Branche selbst, also etwa in Hotels, Restaurants, bei Mietwagenfirmen oder Fluggesellschaften. In die Rechnung fließen auch die Aktivitäten von Zulieferern und Dienstleistern ein, zum Beispiel Nahrungsmittelproduzenten, Reinigungsfirmen oder Energie-Anbietern. All das schafft Jobs und löst Nachfrage sowie Investitionen aus – etwa in Infrastruktur und Immobilien.

Spanien ist seit Jahren das beliebteste Reiseziel der Bundesbürger im Ausland. Besonders begehrt sind die Balearen und die Kanarischen Inseln.  Im vorigen Jahr besuchten 11,2 Millionen Urlauber und Geschäftsreisende aus Deutschland Spanien  – so viele wie nie zuvor.   
In diesem Jahr zeigen sich die Deutschen bei Spanien-Trips etwas zurückhaltender. Die Buchungen in den Reisebüros lägen minimal unter dem Rekordjahr 2016, sagte ein Sprecher des Deutschen Reiseverbands DRV. Das Land sei teurer geworden, hieß es zur Begründung. Er ergänzte: „Spanien ist aber weiterhin das Ziel Nummer eins.“ (mit dpa)