Das erste Dementi klang noch entschieden. „Überhaupt nichts dran“ sei an Gerüchten, der mächtige US-Konzern Apple wolle den kleinen Kronacher TV-Hersteller Loewe kaufen, wiegelte ein Sprecher der Oberfranken ab. Doch wenige Stunden später äußert sich das deutsche Krisenunternehmen sehr viel vorsichtiger. „Unserem Management liegen aktuell keine Informationen vor, dass sich Apple finanziell an Loewe beteiligen will“, heißt es jetzt.

An der Börse, wo der Kurs der Loewe-Aktie innerhalb der vergangenen fünf Jahre auf ein Zehntel seines einstigen Werts geschmolzen war, legte das Papier am Montag um gut ein Drittel auf sechs Euro zu, während es an den Börsen allgemein stark abwärts ging.

Es spricht einiges dafür, dass das Apple-Interesse an Loewe mehr als ein Gerücht ist. Aufgebracht hat es der Internetblog „Apple-Insider“, dem gute Kontakte in die Zentrale des US-Konzerns nachgesagt werden. Demnach plant der Computerriese, die Oberfranken für gut 87 Millionen Euro zu übernehmen, was angesichts einer Apple-Kriegskasse von rund 77 Milliarden Euro ein Leichtes wäre.

Bevor das Gerücht bekanntwurde, lag der Loewe-Marktwert bei knapp 60 Millionen Euro. Nicht nur die Börse springt aber auf die Idee an. „Das würde perfekt passen, Loewe ist für einen TV-Einsteiger wie Apple interessant“, urteilt ein Branchenkenner. Die Franken seien vor allem für anspruchsvolles Design und ihre hochpreisige Premiumstrategie bekannt. Zudem heben sich Loewe-Fernseher durch ein eigenes Bedienkonzept von der Konkurrenz ab, was alles Apple zu passe.

Loewe-Geräte sind schon Apple-tauglich

Technologisch haben die Kronacher ihre TV-Geräte zuletzt internettauglich gemacht und sie auch auf Apple-Produkte abgestimmt. So können iPod & Co. mit Loewe-Geräten verbunden werden und deren Menüsteuerung übernehmen. Zudem beliefern die Oberfranken den US-Computerriesen mit drahtlosen Lautsprechern für deren mobile Kommunikationsprodukte.

Was Loewe für Apple aber vor allem interessant macht, sind die Pläne des US-Konzerns, in den TV-Markt einzusteigen und künftig selbst Fernsehgeräte zu verkaufen. Offiziell bestätigt hat Apple das zwar noch nicht. Über Zulieferer, mit denen der Konzern deshalb in Kontakt steht, ist aber einiges durchgesickert. So soll der Apple-Fernseher sprachgesteuert sein. Zuvor hatte der inzwischen verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs in seiner Biografie die TV-Pläne verraten.

Als Neuling auf dem Markt der TV-Hersteller sucht Apple entsprechendes Know-how dem Vernehmen nach primär beim japanischen Elektronikkonzern Sharp. Der ist mit einem Anteil von knapp 29 Prozent zugleich größter Loewe-Aktionär. Wenn Apple die Kronacher kaufen will, wäre damit auch Sharp erster Ansprechpartner und nicht Loewe selbst, sagen Branchenkenner. Bis Ende der Woche soll eine Entscheidung über einen Apple-Einstieg bei Loewe fallen.

Loewe gilt als Designschmiede

Die Hauptversammlung der Franken an diesem Dienstag in München dürfte das Thema schon jetzt elektrisieren. Loewe schreibt seit zwei Jahren wieder Verluste. Produziert wird mit einer rund 1000 Mann starken Belegschaft noch hierzulande. Ob der neben Metz letzte verbliebene deutsche TV-Hersteller 2012 wieder schwarze Zahlen schafft, ist noch unklar.

Die Fußball-EM in Polen und der Ukraine sowie die olympischen Spiele in London geben zwar wichtige Impulse. Experten sind aber skeptisch, ob Loewe in seiner jetzigen Aufstellung auf Dauer neben schier übermächtigen Konkurrenten aus Fernost wie Samsung, LG oder Panasonic bestehen kann. Die Oberfranken gelten als Technologie- und Designschmiede, die aber zu klein ist, um selbst Trends setzen zu können. Im Schlepptau von Apple würde sich das radikal ändern, aber auch zum mutmaßlichen Verlust der Eigenständigkeit führen.