Arbeit: Frankreich erhöht den Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn in Frankreich steigt ab 1. Januar auf 9,53 Euro pro Stunde. Das monatliche Mindestsalär beträgt dann 1113 Euro. In Frankreich sind 3,1 Millionen Angestellte davon betroffen, 13 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung.

Die Anhebung um 1,1 Prozent liegt leicht über der Jahresteuerung und war von Gesetzes wegen vorgesehen. Die Gewerkschaften verlangten allerdings seit Wochen, dass die Regierung den Mindestlohn mit einem „coup de pouce“, einer Art konjunktureller Nachhilfe, bedeutend stärker erhöhe, um die Binnennachfrage anzukurbeln.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Force Ouvrière, Jean-Claude Mailly, erinnerte Präsident François Hollande an sein Versprechen, den Mindestlohn stärker als sein konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy zu erhöhen. Schon vor Wochen hatte eine Expertengruppe der Regierung vor einer stärkeren Erhöhung als 1,1 Prozent abgeraten, da dies die Firmen vor Neueinstellungen abhalte und ihre Wettbewerbsfähigkeit schmälern würde. Der Regierungsberater Francis Kramarz rechnetevor, eine Smic-Erhöhung um ein Prozent koste 15 000 bis 25 000 Arbeitsplätze. Leidtragende seien vor allem jugendliche Berufseinsteiger ohne Diplom und Erfahrung. In Frankreich wird seit Jahren diskutiert, ob für diese Kategorie ein „Smic jeune“, das heißt ein Mindestlohn für Jugendliche, geschaffen werden soll.

Die Einführung eines deutschen Mindestlohns auf niedrigerem Niveau dürfte der Forderung der französischen Gewerkschaften eher geschadet haben. Allerdings sagt Kramarz, der Mindestlohn habe kaum Einfluss auf die Nachbarländer. Denn er betreffe andere Branchen – in Frankreich etwa die Hotellerie, in Deutschland das Kleingewerbe.