Wenn Flüchtlinge nach Deutschland kommen, haben sie oft alles verloren und sind dringend auf Hilfe angewiesen. Dabei kann eigentlich jeder irgendetwas tun:

Unterkunft

Um Flüchtlinge bei sich aufzunehmen oder eine Wohnung zur Verfügung zu stellen, gibt es zwei Wege: Zum einen kann er bei der zuständigen Behörde - meist das örtliche Sozialamt - den Wohnraum anbieten. Dann schließen Vermieter und Behörde einen Mietvertrag ab. Die Behörde entscheidet, welche Flüchtlinge einziehen und übernimmt die Kosten.

Der zweite Weg: Wer beispielsweise eine Flüchtlingsfamilie kennt, die er aufnehmen möchte, kann direkt mit ihr einen Mietvertrag abschließen. Dafür muss sich der Flüchtling selbst bei der Behörde melden und einen Antrag für den Umzug stellen. Diese muss zustimmen, dass derjenige am gewünschten Ort und in einer privaten Unterkunft wohnen darf. Der Verein Pro Asyl listet dazu weitere Informationen auf.

Ist der Status des Flüchtlings noch nicht geklärt, sind nur Mietverträge mit der zuständigen Kommune möglich. Bei dieser Art der Vermietung könne es häufiger zu Bewohnerwechseln in der Wohnung kommen, erklärt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Wer Flüchtlinge kostenfrei oder günstig bei sich wohnen lässt, sollte mit der Kommune zumindest geeignete Kostenübernahmeregelungen für Heizung oder Erstausstattung treffen, rät Pro Asyl.

Ist der künftige Mieter schon als asylberechtigt anerkannt, wird ein ganz normaler Mietvertrag abgeschlossen, erklärt Happ. Doch Achtung: Wer in einer Mietwohnungen lebt, muss seinen Vermieter vorab informieren. Dieser muss dem Untermietvertrag zuerst zustimmen. Die Tatsache, dass es sich dabei um Flüchtlinge handelt, sollte diese Entscheidung nicht beeinflussen, erklärt Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg. Flüchtlinge seien Untermieter wie jeder andere auch.

Arbeit

Nach dreimonatigem Arbeitsverbot steht Flüchtlingen der Weg zur Arbeit prinzipiell offen, erläutert Pro Asyl. Dann brauchen sie allerdings noch eine Genehmigung der Ausländerbehörde. Ausnahme: Bestimmte Tätigkeiten wie Praktika und eine Berufsausbildung sind für Asylbewerber und Geduldete zustimmungsfrei, erklärt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Wer einen Flüchtling bei sich einstellen möchte, muss allerdings beachten, dass dieser in der Regel einen „nachrangigen“ Zugang zum Arbeitsmarkt hat. Das Arbeitsamt prüft, ob für die Stelle ein passender Bewerber aus Deutschland oder der EU infrage kommt. Über den Flüchtlingsrat kann aber jeder, der eine Stelle anbieten möchte, nach Ansprechpartnern fragen. Die Online-Plattform workeer.de hilft bei der Arbeitsvermittlung von Flüchtlingen.

Sprache

In etlichen Städten haben sich Initiativen gegründet, über die Ehrenamtliche Flüchtlingen Deutsch beibringen. Oft sind das laut Pro Asyl beispielsweise pensionierte Lehrer. Die Lehrer müssen nicht unbedingt die Muttersprache der Flüchtlinge können - ideal ist aber, wenn andere Flüchtlinge dabei sind, die schon etwas Deutsch sprechen und die bei der Verständigung helfen. Im Internet oder über den Flüchtlingsrat lässt sich herausfinden, ob es bereits solche Initiativen im eigenen Umfeld gibt.

Falls nicht, raten die Experten von Pro Asyl dazu, Kontakt zu einer Initiative in der Region herzustellen. Sie kann beim Aufbau eines eigenen Projekts helfen.

Behördengänge

Der Weg zu Behörden ist für Flüchtlinge oft ein großes Hindernis - auch dabei können Ehrenamtliche helfen. Diese sollten zwar Erfahrung im Umgang mit Behörden mitbringen, brauchen aber selbst kaum Kenntnisse in Asyl- und Aufenthaltsrecht, sagt Bernd Mesovic von Pro Asyl. Vielmehr sind die Ehrenamtlichen oft eine wichtige Schnittstelle zwischen professionellen Beratern und Flüchtlingen. Gibt es beispielsweise aufenthaltsrechtliche Probleme, sollten die Helfer den Flüchtling zu einer Beratungsstelle begleiten.

Geld

Wer Spenden möchte, sollte sich nicht unter Druck setzen lassen, empfiehlt das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Denn Spenden sind freiwillige Leistungen, zu denen niemand überredet, genötigt oder gar gezwungen werden sollte. Gefühlsbetonte Werbung sei ein Kennzeichen unseriöser Organisationen. Drei wichtige Tipps für Spender:

• Gezielt spenden: Verbraucher sollten ihre Spenden auf wenige Organisationen konzentrieren. Das erleichtert den Spendern die Seriositätsprüfung und mindert zugleich den Werbe- und Verwaltungsaufwand der Organisationen. Wer vielen Hilfswerken spendet, wird von all diesen Organisationen als „aktiver Spender“ registriert und umso mehr Werbung erhalten, erklärt das DZI.

• Nicht impulsiv geben: Spendenorganisationen gibt es viele, und sie werben kräftig um milde Gaben. Welchen Zweck und welche Organisationen sie unterstützen, sollten Spender daher genau prüfen. Informieren über die Organisationen können sie sich zum Beispiel im Internet. Dort können oft auch Jahresberichte oder Projektbeschreibungen eingesehen werden. Diese sollten verständlich, sachlich und informativ sein, so das DZI.

• Auf das Spendensiegel achten: Das DZI vergibt ein Siegel an Organisationen, die sich freiwillig einer strengen Prüfung nach wirtschaftlichen, rechtlichen und ethischen Kriterien unterwirft. Trägt ein Spendenaufruf das DZI-Siegel, können Spender sicher sein, dass die Organisation sachlich wirbt, sparsam wirtschaftet und nachprüfbar ausweist, wofür die Spendengelder verwendet werden, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Sachspenden

Ob Kleidung und Spielzeug gebraucht werden, ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Während beispielsweise Kleidung und Spielsachen schon reichlich gespendet wurden, ist anderes oft noch gefragt. Dazu gehören beispielsweise Hygieneartikel wie Zahnbürsten, Zahnpasta und Windeln.

Aber auch Lehrmaterial für den Deutschunterricht, Wörterbücher, Bustickets und Gutscheine für Bekleidungsläden- oder Drogeriemärkte werden oft gebraucht. In jedem Fall sollte man sich vor Ort informieren, wo Bedarf besteht. Oft nehmen beispielsweise Caritas, Diakonie oder andere Wohlfahrtsverbände die Spenden an und vermitteln sie weiter.

Freizeit und Sport

„Freizeitangebote sind besonders für Kinder wichtig, damit sie aus den oft tristen Unterkünften herauskommen“, sagt Bernd Mesovic. Aber auch Erwachsenen hilft es, aktiv zu sein und dabei andere Menschen zu treffen. So gibt es in verschiedenen Sportvereinen bereits Angebote - wer helfen möchte, kann sich bei örtlichen Vereinen melden, ob es schon Projekte für Flüchtlinge gibt. Wer beispielsweise als Fußballtrainer aktiv ist und Flüchtlingen das Mitspielen ermöglichen will, kann sich beispielsweise an die Ansprechpartner des Bundesprogramms Integration durch Sport wenden.

Medizinische Versorgung

Ärzte, Zahnärzte und Pflegepersonal können mit ihrem Wissen helfen. Die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge ist kompliziert, daher können kostenlose Sprechstunden in Flüchtlingsunterkünften sehr hilfreich sein. Ärzte, die so etwas anbieten möchten, sollten das vorher mit den zuständigen kommunalen Behörden abklären.

Vormundschaft

Kommt ein Kind ohne seine Eltern nach Deutschland, braucht es einen Vormund. Oft sind das Amtsvormünder, da sich viel zu wenige passende Privatpersonen finden. Ein Vormund trägt eine riesige Verantwortung - für ein möglicherweise traumatisiertes Kind: Der junge Flüchtling braucht eine Unterkunft, eine Schule, und der Vormund sollte ihn während seines Asylverfahrens begleiten.

Zugleich sei man als Vormund Anlaufstelle bei allen persönlichen Sorgen und Problemen, erklärt der Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge auf seiner Website. Beispielsweise das Projekt „Do it!“ der Diakonie Wuppertal will ehrenamtliche Vormünder gewinnen und schulen. (dpa)