Die Post an das Finanzamt darf in diesem Jahr unter Umständen später abgeschickt werden.
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BerlinDie wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise werden schlimm. Für Unternehmen, aber genauso für viele Arbeitnehmer, die in Kurzarbeit geschickt werden oder gar ihren Job verlieren. Die Bundesregierung hat Maßnahmenpakete beschlossen, um die Folgen ein wenig einzudämmen. Darunter fallen etwa auch Steuererleichterungen.

Zu den Hauptmaßnahmen zählen hierbei Stundungen von Steuerzahlungen, die Anpassung von Vorauszahlungen und die Möglichkeit Vollstreckungsmaßnahmen auszusetzen. Ein Überblick, wie davon zum einen Unternehmen (Selbstständige eingeschlossen) und zum anderen Arbeitnehmer profitieren können.

Das bedeuten die Steuererleichterungen für Unternehmen: 

„Wenn Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in diesem Jahr fällige Steuerzahlungen nicht leisten können, sollen diese Zahlungen auf Antrag befristet und grundsätzlich zinsfrei gestundet werden“, heißt es aus dem Bundesfinanzministerium. Dabei berücksichtigt werden Einkommen- und Körperschaftssteuer sowie die Umsatzsteuer. Wer von dieser Möglichkeit Gebrauch machen möchte, muss einen schriftlichen Antrag beim zuständigen Finanzamt einreichen. „Inzwischen stellen viele Bundesländer die Anträge online zur Verfügung“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Es muss sich also an das vorgefertigte Schreiben im eigenen Bundesland gehalten werden. „Generell sind die Anträge sehr einfach gefasst“, sagt Klocke. Werden in einem solchen Fall normalerweise betriebswirtschaftliche Nachweise verlangt, warum eine Steuerstundung nötig ist, reicht in der derzeitigen Sondersituation als Begründung der Hinweis auf die Corona-Krise. „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Hotel, ein Gastronomiebetrieb oder eine Boutique im Zuge der derzeitigen Situation schließen musste oder wenn es sich um einen Messeveranstalter handelt, dem jetzt alle Aufträge weggebrochen sind“, macht Klocke deutlich.

Aber Achtung: Stundung heißt lediglich, dass die Frist der Zahlung aufgeschoben wird. „Es werden keine Steuern erlassen“, sagt Klocke. Das gilt ebenso für die Vorauszahlungen wie auch für die Möglichkeit, die Vollstreckungsmaßnahmen auszusetzen – auch das passiert nach Antragsbewilligung nur auf Zeit.

Unternehmen müssen die Fristaufschiebungen außerdem in jedem Fall selbst beantragen. Auch in Branchen, in denen es hoher Wahrscheinlichkeit nach zu flächendeckenden Umsatzeinbußen kommt, werden die Forderungen nicht automatisch für eine gewisse Zeit ausgesetzt.

Wie es sich mit der Verzinsung verhält, sei allerdings noch nicht abschließend geklärt, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine. Normalerweise beträgt der Zinssatz bei Stundung 0,5 Prozent pro Monat. „Das Bundesfinanzministerium weist zwar darauf hin, dass die Finanzämter darauf verzichten können, es gibt aber keine klare Anweisung, dass sie es müssen“, so Rauhöft.

Das ändert sich steuerlich für Arbeitnehmer:

Zwar sind Arbeitnehmer weniger häufig von Steuervorauszahlungen betroffen, aber wenn doch, gelten für sie die gleichen Regelungen wie für Unternehmen derzeit: „Sobald klar ist, dass die Einkünfte der Steuerpflichtigen im laufenden Jahr voraussichtlich geringer sein werden als vor der Corona-Pandemie erwartet, werden die Steuervorauszahlungen unkompliziert und schnell herabgesetzt“, so das Versprechen aus dem Bundesfinanzministerium. Voraussetzung ist auch hier ein eigens gestellter Antrag und eine nachvollziehbare Begründung, warum durch die Corona-Pandemie Einkommenseinbußen entstehen.

Aufschub beim Finanzamt beantragen

Das Formular zur coronabedingten Steuerstundung stellt das jeweils zuständige Finanzamt zur Verfügung. Berliner finden das Dokument unter https://www.berlin.de/sen/finanzen/steuern/informationen-fuer-steuerzahler-/artikel.910208.php. Der Vordruck umfasst zweieinhalb Seiten und soll die Beantragung vereinfachen.

Die Bearbeitungsdauer lässt sich derzeit noch nicht absehen. Jedoch teilt die Senatsverwaltung für Finanzen mit, dass die Anträge auf Stundung, Herabsetzung der Vorauszahlungen und Vollstreckungsaufschub angesichts der dringend benötigten Hilfen grundsätzlich vorrangig bearbeitet werden.

Die Auferlegung von Kurzarbeit kann beispielsweise als solche Begründung dienen. „Das Kurzarbeitergeld selbst ist außerdem steuerfrei“, sagt Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine. Beachten müssen Arbeitnehmer allerdings, dass bei Bezug von Kurzarbeitergeld eine Abgabe der Steuererklärung im kommenden Jahr verpflichtend ist.

Auch eine freiwillige Abgabe der Steuererklärung kann sich im kommenden Jahr für Arbeitnehmer lohnen, die aufgrund der derzeitigen Situation im Homeoffice arbeiten müssen. „Wer sein privates Telefon oder seine private Internetleitung jetzt auch beruflich nutzen muss, kann sich die Kosten anteilig dafür beim Arbeitgeber steuerfrei erstatten lassen oder in der Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen“, so Rauhöft. Ebenso können Aufwendungen für Arbeitsmittel, wie etwa der private Laptop, in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Maximal 1 250 Euro können außerdem für das private Arbeitszimmer geltend gemacht werden. Einen Anspruch auf Werbungskostenabzug haben Arbeitnehmer allerdings nur dann, wenn im Betrieb kein Arbeitsplatz mehr zur Verfügung steht. „Außerdem muss es sich um einen Raum handeln, der ausschließlich als Arbeitszimmer genutzt wird“, sagt Rauhöft. Der umfunktionierte Arbeitsplatz am Küchentisch reiche nicht aus, um Geld vom Finanzamt erstattet zu bekommen.

Die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten haben ohnehin nicht alle Arbeitnehmer. Einigen Beschäftigten in systemrelevanten Berufen, wie beispielsweise dem Einzelhandel, werden nun Boni in Aussicht gestellt. Laut Finanzminister Olaf Scholz sollen diese nun steuerfrei gestellt werden.