In Berlin gibt es drei Arbeitsagenturen
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BerlinDie Zahl der Arbeitslosen hat in Berlin einen neuen Höchststand seit Jahren erreicht. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit waren im Mai insgesamt 200.641 Berliner als arbeitslos registriert. Das waren gut 18.000 Arbeitslose mehr als noch im April, als die Arbeitslosenzahlen bereits um fast 30.000 gestiegen waren. Gegenüber dem Mai des vergangenen Jahres wuchs die Zahl um 47.210 Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote kletterte damit in Berlin auf 10,0 Prozent.

Berliner Wirtschaft um Jahre zurückgeworfen

Das dokumentiert, wie stark die Berliner Wirtschaft durch die Corona-Krise zurück geworfen wird. Denn eine zweistellige Arbeitslosenquote gab es in Berlin zuletzt im April 2016. 200.000 Arbeitslose wurden im Frührjahr 2015 zuletzt registriert. Und es illustriert die Prognose der Industrie- und Handelskammer, nach der die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 15 Prozent schrumpfen wird. Damit wäre das überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum Berlins der vergangenen fünf, sechs Jahre bereits zum Jahresende aufgebraucht.

„Vor allem auf dem Berliner Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie schmerzlich spürbar“, sagte Bernd Becking, Chef der Arbeitsagenturen in der Region. Kurzarbeit, der um drei Monate verlängerte Bezug von Arbeitslosengeld und der vereinfachte Zugang zur Grundsicherung hätten bislang eine noch größere Zunahme der Arbeitslosigkeit verhindert. Dennoch will Becking will nicht ausschließen, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten weiter steigt. Eine Trendwende erwartet er frühestens im September. „Dann könnten die Arbeitslosenzahlen wieder etwas zurückgehen.“

Jugendarbeitslosigkeit drastisch gestiegen

Tatsächlich haben den Angaben der Regionaldirektion der Arbeitsagentur zufolge seit März 37.154 Berliner Unternehmen Kurzarbeit für insgesamt 388.288 Mitarbeiter angezeigt. In Brandenburg meldeten 24.025 Firmen Kurzarbeit für zusammen 238.637 Mitarbeiter an. Wie viele Menschen tatsächlich kurzgearbeitet haben, kann nach Auskunft der Arbeitsagentur erst nach den Abrechnungen der Unternehmen berechnet werden. Tatsache ist aber auch, dass einige Berliner Betriebe Kurzarbeit im Mai wieder zu einem großen Teil beendet hatten. So kehrten etwa im Spandauer BMW-Werk  die Beschäftigten Anfang Mai wieder aus der Kurzarbeit zurück.

Doch das sind Ausnahmen. Die Leute, die jetzt ihre Jobs verlieren, kommen laut Arbeitsagentur vor allem aus dem Gastgewerbe, dem Dienstleistungsbereich und dem sogenannten Non-Food-Sektor des Handels. Bemerkenswert dabei: Die Kündigungen trafen in erster Linie Mini-Jobber, Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverträgen und Auszubildende, die nicht übernommen wurden.

Tatsächlich hat in Berlin insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit deutlich zugenommen. Von den unter 25-Jährigen hatten im Mai 17.200 Menschen keine Arbeit. Das waren 5100 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 25-Jährigen liegt aktuell in Berlin bei 10,6 Prozent, während sie im Bundesdurchschnitt bei 5,8 Prozent liegt.

Eine Ursache dafür ist fehlende Berufsausbildung. Allerdings macht es die Corona-Krise nicht leichter, einen Ausbildungsplatz zu finden. Im Gegenteil. „Aktuell haben wir in Berlin 2000 Ausbildungsplätze weniger als im Mai vorigen Jahres“, sagt Becking. Zwar gebe es derzeit 7300 offene Ausbildungsstellen, aber auch über 9000 Bewerber und die Aussichten sind wenig hoffnungsvoll.

Eine aktuelle Umfrage der hiesigen Industrie- und Handelskammer ergab, dass beispielsweise Unternehmen im Tourismus und Gastgewerbe ihr Ausbildungsangebot um 58 Prozent kürzen wollen. Becking indes fordert dringend mehr Ausbildungsplätze: „10.000 sollten wir haben.“

Allerdings konnten in Berlin im Mai dennoch 7696 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und einen neuen Job finden. Die Unternehmen meldeten in Berlin 2800 neue offene Stellen. Das waren 500 mehr als im April. Nachfrage bestand vor allem im Einzelhandel und im Sicherheitsgewerbe.

BLZ/Hecher, Quelle: BA

Zahl der Arbeitslosen steigt von April bis Mai um 169.000

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai wegen der Folgen der Corona-Krise im Vergleich zum April noch einmal um 169.000 auf 2,813 Millionen Menschen gestiegen. Die Arbeitslosenquote kletterte um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mit. Im Vergleich zum Mai 2019 ging die Arbeitslosigkeit sogar um 577.000 Personen nach oben.