Die Arbeitslosigkeit nimmt in der Hauptstadt weiter schneller zu als im Bundesdurchschnitt.
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BerlinMan könnte es als Absturz bezeichnen, und wahrscheinlich ist es das auch. Nachdem die Berliner Wirtschaft lange Zeit Jahr für Jahr schneller wuchs als die der Bundesrepublik und hier jährlich 50.000 neue Jobs entstanden, ist es nun die Arbeitslosigkeit, die hier schneller wächst als im bundesrepublikanischen Durchschnitt. Boomtown ist gefallen.

Tatsächlich erweist sich Berlin in diesem Punkt als wenig robust, und es darf als sicher gelten, dass die Auswirkungen der Corona-Krise auf den hauptstädtischen Arbeitsmarkt noch dramatischer werden. Wenn derzeit 400.000 Berliner in 39.000 Betrieben kurzarbeiten, dann muss bei einem Teil auch mit latenter Arbeitslosigkeit gerechnet werden.

Längst haben Volkswirte unter durch Kurzarbeit geschützten Arbeitsstellen sogenannte Zombie-Jobs ausgemacht, deren Bestand sie für fraglich halten. Insbesondere in der Industrie, der Hotellerie, dem Einzelhandel und der Unterhaltungsbranche könnte demnach jeder fünfte derzeitige Kurzarbeiter seinen Arbeitsplatz schon im nächsten Jahr nicht mehr haben.

Für Berlin ist das kein undenkbares Szenario. Bei der hiesigen Industrie- und Handelskammer weiß man jedenfalls, dass 22 Prozent der Unternehmen befürchten, in den nächsten Monaten in die Insolvenz abzurutschen – vor allem im Gastgewerbe und Tourismus. Laut IHK plane jedes dritte Berliner Unternehmen Entlassungen.

Im besten Fall sind es jene Firmen, die sich bislang nur am Leben halten konnten, weil sie ihre Mitarbeiter lausig bezahlten und Azubis anstellten, die nichts lernen konnten. Berlins Wirtschaft mag derzeit wenig widerstandsfähig erscheinen. Allerdings bleibt Berlin die Gründer- und Kreativhauptstadt, die sicher das Potenzial für eine Neuerfindung hat. Berlin mag abstürzen, wird aber sicher wieder aufstehen.