Berlin - Die Einführung des Mindestlohns hat sich im Januar offenbar nicht oder nur geringfügig auf die Beschäftigung ausgewirkt. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen. Doch das hat „vor allem jahreszeitliche Gründe“, wie der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Ulrich Weise, erläuterte.

Dabei hatten einige Experten verheerende Wirkungen durch den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro, der seit Januar gilt, befürchtet. Das Ifo-Institut etwa sagte den Abbau vieler hunderttausend Arbeitsplätze voraus, das Gastgewerbe warnte vor Betriebsaufgaben, der Taxiverband vor dem Verlust eines Viertels der Fahrerjobs. Die Januar-Daten der BA liefern indes keinen Hinweis, dass es so schlimm kommen wird.

Zwar stieg die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozentpunkte auf sieben Prozent und die Zahl der Arbeitslosen nahm um 268.000 auf etwas über 3,03 Millionen zu. Bereinigt um saisonale Einflüsse sank die Zahl der Arbeitslosen aber um 9000.

Im Vergleich zum Januar 2014 wurden sogar 104.000 Arbeitslose weniger registriert. Auch die Unterbeschäftigung, die Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, ging zurück. Sie verringerte sich saisonbereinigt um 15.000.

In Berlin etwas stärkerer Anstieg

Auf Massenentlassungen in Folge des Mindestlohns deuten die Zahlen also nicht hin. Dessen ungeachtet besteht für eine Entwarnung auf breiter Front kein Anlass, betont DIW-Forscher Karl Brenke: „Die Januardaten sagen noch nichts darüber aus, welche Beschäftigungseffekte vom Mindestlohn ausgehen.“ Zunächst versuchten die Unternehmen erfahrungsgemäß, steigende Personalkosten über Preiserhöhungen zu kompensieren. Nur, wenn das nicht gelingt, wird man sich von Mitarbeitern trennen.“

Holger Schäfer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge werde die günstige Konjunkturentwicklung mögliche negative Effekte überlagern. „Wir rechnen durchaus mit dem Verlust von Arbeitsplätzen. Zugleich gehen wir aber davon aus, dass es 2015 einen Beschäftigungszuwachs geben wird, der ohne den Mindestlohn kräftiger ausgefallen wäre.“

In Berlin stieg die Zahl der Arbeitslosen von Dezember zu Januar um mehr als 15.000 auf 207.000. Dieser Anstieg ist deutlich höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Auch bei Herausrechnung der saisonüblichen Veränderungen gab es seit Dezember einen Anstieg der Erwerbslosigkeit. Das könnte darauf hindeuten, dass es in Berlin doch Entlassungen im Zusammenhang mit der Einführung des Mindestlohnes gegeben hat. Die Regionaldirektion betonte, die vorliegenden Daten seien noch nicht aussagekräftig. Sie verwies darauf, dass trotz der baufreundlichen Witterung die Zahl der arbeitslosen Bauleute deutlich höher liege. (mit ml.)