Arbeitsmarkt: Zahl der offenen Stellen sinkt

Nürnberg/Genf - Der Indikatorwert der Bundesagentur für Arbeit (BA) für die Arbeitskräftenachfrage verlor im April fünf Punkte und lag mit 171 auf dem niedrigsten Stand seit sieben Monaten. Experten sehen darin einen Hinweis auf ein Auslaufen des jahrelangen Jobaufschwungs. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur an diesem Mittwoch (2. Mai) bekanntgeben.

Die Bundesagentur betonte, trotz des deutlichen Rückgangs sei der Bedarf an Mitarbeitern in der Wirtschaft noch immer hoch. Zum aktuellen Minus könnte auch der Umstand beigetragen haben, dass die Nachfrage mitten in den Osterferien gemessen wurde. „Unabhängig davon scheint aber der Höhepunkt der Nachfrage überschritten zu sein“, räumt die Bundesagentur ein. Es bleibe nun abzuwarten, ob sie in den kommenden Monaten weiter sinke oder sich auf einem niedrigeren Plateau einpendele.

Den größten Bedarf meldet weiterhin die Zeitarbeit; etwa jede dritte ausgeschrieben Stelle sei ein Leiharbeitsplatz. Viele freie Stellen gebe es auch im Groß- und Einzelhandel, in der Bauinstallation und in der Gastronomie.

Lage weltweit angespannt

Die Lage auf den weltweiten Arbeitsmärkten bleibt angespannt, obwohl sich die Weltwirtschaft langsam von der Krise erholt. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem neuen Bericht «Welt der Arbeit», der am Montag erscheint.

Seit 2011 nimmt die Arbeitslosigkeit dem Bericht zufolge sogar wieder zu. Als weltweite Probleme sieht die ILO die Jugend- und die Langzeitarbeitslosigkeit. In den Industrieländern erwartet die UN-Organisation frühestens ab 2016 wieder Beschäftigungszahlen wie vor der Krise 2008. Die UN-Organisation sieht Deutschland auf dem richtigen Weg.

Dank starker Exporte vor allem außerhalb der Eurozone blieben dort sowohl das Wirtschafts- als auch das Beschäftigungswachstum stark, hält der Bericht fest. Außerdem deuteten die bisherigen Ergebnisse der diesjährigen Tarifverhandlungen darauf hin, dass die Löhne 2012 und 2013 real steigen könnten.

Als größte Herausforderungen in Deutschland nennt die ILO die Anpassung der Reallöhne an die Produktivitätsentwicklung sowie Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen für so genannte atypische Beschäftigungsverhältnisse. Damit werden befristete Verträge, Leiharbeit, Teilzeitstellen mit bis zu 20 Stunden pro Woche sowie gering bezahlte und kurzfristige Jobs bezeichnet. Besonders betroffen von solchen unsicheren Beschäftigungsverhältnissen sind Frauen.

Situation verschlechtert sich in Europa

In ihrer weltweiten Analyse unter dem Titel «Bessere Arbeit für eine bessere Wirtschaft» hält Studienautor Raymond Torres fest: «Die Beschäftigungssituation verschlechtert sich in Europa, und in vielen anderen Ländern verbessert sie sich nicht mehr. Das heißt, die weltweite Beschäftigungskrise hat eine neue, strukturelle Phase erreicht.»

Die sich verschlechternde Entwicklung weise auf die Wohlstandsfalle in hoch entwickelten Volkswirtschaften hin, vor allem in Europa. Diese greife auf andere Länder über. Als mögliche Lösung hält der Bericht fest, die Staaten müssten anerkennen, dass arbeitsplatzfördernde Politik einen positiven Effekt auf die Wirtschaft ausübe: «Die Stimme der Finanzwirtschaft sollte nicht den politischen Entscheidungsprozess bestimmen».

Für den Bericht untersuchte die ILO auch den Zusammenhang zwischen der Arbeitsmarktsituation und dem Risiko sozialer Unruhen. In 57 von 106 untersuchten Ländern stieg dieses Risiko an und war in Afrika und im Nahen Osten am höchsten. In Ländern, wo die Beschäftigung zunahm oder sich die Qualität der Arbeitsplätze verbesserte, ging das Risiko zurück. Das war in einigen Ländern Lateinamerikas und Asiens der Fall.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. 183 Staaten sind Mitglied der ILO. Dabei sind auch die jeweiligen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen mit Sitz und Stimme vertreten. (dpa)