Die soziale Ungleichheit ist noch krasser als angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die Nichtregierungsorganisation Oxfam in ihrem neuen Bericht zu weltweiten Verteilung. Die Studie präsentiert sie bewusst, kurz bevor in dieser Woche Unternehmenslenker und Regierungschefs aus allen Kontinenten auf dem privat organisierten Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Nobelort Davos zusammentreffen.

Acht Männer vereinen laut der Studie so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Diese Superreichen von Microsoftgründer Bill Gates über den spanischen Textilunternehmer Amancio Ortega bis hin zu dem US-Medienmanager Michael Bloomberg besitzen zusammen 426 Milliarden Dollar. Die 3,6 Milliarden von der anderen Hälfte der Wohlstandspyramide bringen es gemeinsam auf etwas über 409 Milliarden Dollar.

Warnungen vor einer Welt, in der wachsende Gegensätze

Auch wenn man den Kreis erweitert, zeigen sich laut der Untersuchung gewaltige Unterschiede. So gehört dem reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung wie schon im Vorjahr mehr als die Hälfte des globalen Vermögens. Extrem ungleich verteilt sind auch die Einkommenszuwächse. Das Jahreseinkommen der ärmsten zehn Prozent ist den Angaben zufolge zwischen 1988 und 2011 um 65 Dollar pro Person gestiegen. Das obere Prozent verzeichnete dagegen ein Plus von 11 800 Dollar pro Kopf. In den vergangenen 25 Jahren habe das ein Prozent der absoluten Spitzenverdiener höhere Einkommenszuwächse erzielt als die gesamten unteren 50 Prozent.

Der Bericht fügt sich ein in eine lange Reihe von Warnungen vor einer Welt, in der wachsende Gegensätze zwischen Arm und Reich die politische Stabilität bedrohen und populistischen Bewegungen Auftrieb geben. Die Veranstalter des Weltwirtschaftsforums selbst hatten vor wenigen Tagen die Mächtigen gemahnt, sich mehr um Gerechtigkeit zu kümmern. Basierend auf einer Umfrage unter internationalen Führungskräften kamen sie zu dem Schluss, dass der zunehmende Widerstand gegen offenen Handel und freie Marktwirtschaft nur durch mehr soziale Fairness zu überwinden sei. Auch die Staats- und Regierungschefs der G 20, der 20 bedeutendsten Volkswirtschaften, räumen dies längst ein und haben sich auf mehreren Gipfeln zu einer Wirtschaftspolitik verpflichtet, die Gesellschaften stärker zusammenführt.