Atommüll : Zwischenlager dringend gesucht

Besonders auf Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein wächst der Druck, künftig Castor-Behälter mit Atommüll aus den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und Großbritannien in Zwischenlagern aufzunehmen, um den bisher dafür genutzten Standort im niedersächsischen Gorleben zu entlasten. Beide Länder, grün-rot beziehungsweise rot-grün regiert, prüfen derzeit die Rechtslage bezüglich einer Lagerung an den eigenen AKW-Standorten.

Keine Endlager erwünscht

Der Kieler Energiewende-Minister Robert Habeck (Grüne) sagte der Berliner Zeitung: „Wir werden uns Gesprächen zur Zwischenlagerung der Behälter mit Atommüll aus der Wiederaufarbeitung an anderen Standorten als Gorleben nicht verschließen.“ Eine politische Akzeptanz werde es aber nur geben können, „wenn es dabei zu einer gerechten Lastenverteilung unter den Ländern kommt“. Es müsse zudem ausgeschlossen werden, dass Zwischenlager schleichend zu Endlagern werden. Im Umweltministerium in Stuttgart hieß es, man erhoffe genaue Informationen zu den Castor-Plänen bei einem Bund-Länder-Treffen am 7. April.

Über Alternativen zum Zwischenlager in Gorleben wird seit Sonntag diskutiert.

Die rot-grüne niedersächsische Landesregierung und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatten sich in ihrem Kompromiss zur neuen Atomendlager-Suche auch darauf geeinigt, zumindest vorerst keine weiteren Castor-Transporte ins Wendland zu schicken.

Die beiden Bundesländer sind am Mittwoch verstärkt ins Spiel gekommen. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, hatte empfohlen, die Castoren in grenznahen oder gut zu erreichenden Standorten unterzubringen. Es gehe auch darum, unnötige Transportstrecken zu vermeiden, sagte König.

Deutschland muss in den nächsten Jahren noch 26 Castor-Behälter mit stark strahlenden Reststoffen aus der Wiederaufarbeitung zurücknehmen – fünf aus der Anlage im französischen La Hague und 21 aus dem britischen Sellafield. Der kürzeste Weg führt im Fall La Hague per Bahn über die Grenze bei Straßburg nach Baden-Württemberg, wo es Zwischenlager an den AKW Philippsburg und Neckarwestheim gibt. Castoren aus Sellafield könnten per Schiff über die Elbe in die schleswig-holsteinischen AKW Brokdorf oder Brunsbüttel gebracht werden. In den dortigen Zwischenlagern wäre noch ausreichend Platz. Allerdings müssten neue Genehmigungen für die Lager beantragt und erteilt werden, was aber zeitlich durchaus möglich wäre.

Theoretisch könnten die Castoren auch in den zentralen Zwischenlagern in Ahaus (NRW) und Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) untergebracht werden. Auch hier müssten neue Genehmigungen erfolgen. Allerdings wären die Transportwege deutlich länger.