Wer jetzt überlegt, eine Buchung vorzunehmen, sollte dies gut abwägen.
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In Quarantänezeiten wandern die Gedanken unweigerlich zum vorigen oder auch zum nächsten Urlaub. Doch sind Buchungen zurzeit überhaupt sinnvoll? Oder was, wenn schon im vergangenen Winter der nächste Frühlings- oder Sommerurlaub gebucht wurde? Die Corona-Pandemie erlaubt in diesen Tagen keine Reisen und es ist momentan absolut unsicher, wann diese wieder möglich sind. Wer jetzt gerne planen möchte, sollte einiges beachten.

Bereits gebuchte Reisen im April: Reisen im Monat April wurden generell storniert, weil das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung für nicht notwendige oder touristische Reisen bis Ende April ausgesprochen hat. Wer in diesem Zeitraum verreisen wollte, kann mit Erstattung durch den Veranstalter oder mit einem Gutschein rechnen. Die Bundesregierung hat die Gutschein-Regelung erlaubt, sie wird jedoch auf EU-Ebene noch überprüft.

Damit nicht alle Reisenden um Erstattung bitten, verschenkt TUI an alle Kunden 150 Euro, deren Buchung in eine Gutschrift umgewandelt wird. „Wir möchten alle Urlauber von abgesagten Buchungen belohnen, wenn sie sich mit ihrem Reiseguthaben für einen neuen Termin entscheiden“, sagt dazu Hubert Kluske, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing TUI Deutschland. Konkurrent DERTour gewährt Reisenden bei einer Umbuchung pro Person 50 Euro Rabatt auf die nächste Reise.

Reisen im Mai: Urlauber, die bis Ende Mai verreisen wollten, müssen eventuell in diesen Tagen eine Restzahlung vornehmen. Wer nichts riskieren will, sollte umbuchen und kann dafür bei den Veranstaltern mit Kulanz rechnen. „Reisen bis Ende Mai können kostenfrei auf einen späteren Zeitpunkt umgebucht werden“, sagt zum Beispiel TUI-Sprecherin Susanne Stünckel. DERTour setzt alle Restzahlungen aus und bietet ebenfalls an, dass die Kunden umbuchen können. Der  Reiseveranstalter weist aber darauf hin, dass die Umbuchung zehn Tage vor Antritt der Reise vorgenommen werden muss.

Bereits gebuchte Reisen ab Juni: Für diese Reisebuchungen gibt es aktuell noch keine Vorkehrungen der Veranstalter. Im Prinzip gilt: Sollte die allgemeine Reisewarnung des Auswärtigen Amts nach Ende April aufgehoben werden und die Zielländer eine Einreise ermöglichen, kann der Kunde seine Reise antreten. Eine kostenlose Stornierung wird nicht mehr möglich sein. Allerdings ist eine Aufhebung der kompletten Reisebeschränkungen derzeit eher unwahrscheinlich.

Stornierungen bei Individualreisen sind schwierig

Wer auf Nummer sicher gehen und seine Reise stornieren möchte, sollte in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen seines Anbieters nachgucken, was die Voraussetzungen sind. Bei Stornierungen gilt der Paragraph 651h des BGB: „Vor Reisebeginn kann der Reisende jederzeit vom Vertrag zurücktreten.“ Gleich im nächsten Satz garantiert der Gesetzgeber aber dem Reiseveranstalter „eine angemessene Entschädigung“. Die Veranstalter verlangen beispielsweise für stornierte Flugreisen bis etwa einen Monat vor Reiseantritt 35 bis 40 Prozent Rücktrittsgebühren. Diese variieren zwischen den Anbietern und hängen von der Länge des Zeitraums zwischen Stornierung und Reiseantritt ab.

Aktuell buchen für den Sommerurlaub: Wer jetzt überlegt, eine Buchung vorzunehmen, sollte dies gut abwägen. „Wir können die Entwicklung gerade nicht einschätzen. Deshalb sagen wir: Wartet ab“, sagt zum Beispiel Robert Bartel, Rechtsreferent der Verbraucherzentrale Brandenburg. Ähnliches empfahl kürzlich auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Interview. „Für Juli und August kann derzeit niemand verlässliche Vorhersagen machen“, erklärte von der Leyen.

Für den Fall, dass jemand dennoch gern eine Reise buchen möchte, empfiehlt Bartel, eine Pauschalreise zu buchen. „Bei Individualreisen ist es im Stornofall schwieriger, seine Ansprüche gegenüber dem Anbieter durchzusetzen“, sagt er. Er gibt zu bedenken, dass davon auszugehen ist, dass bei einer Buchung die üblichen Zahlungsregelungen gelten. Danach sind bei Pauschalreisen Anzahlungen sofort fällig. Hotels sind sofort in voller Höhe zu zahlen.

Reiseveranstalter locken mit Angeboten

Dennoch locken einige Veranstalter Kunden mit Boni. Urlauber, die bis Ende Juni ihre nächste Reise buchen, erhalten zum Beispiel von TUI einen Treuebonus von bis zu 100 Euro pro Person. Andere Anbieter locken mit günstigen Angeboten.

Reiserücktrittsversicherungen gelten nicht: Eine Reise zu buchen und gegebenenfalls auf die Reiserücktrittsversicherung zu setzen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vergeblich. Reisewarnungen des Auswärtigen Amts sind keine versicherten Rücktrittsgründe, teilt die Ergo Reiseversicherung auf ihrer Website mit. Auch die Angst, an Corona zu erkranken, kann nicht als Grund geltend gemacht werden. Selbst eine akute Corona-Infektion ist kein versicherter Rücktrittsgrund, weil die Weltgesundheitsorganisation die Krankheit am 11. März als Pandemie klassifiziert hat. Kurzarbeit kann hingegen als Rücktrittsgrund geltend gemacht werden. Der Versicherte muss drei Monate von ihr betroffen sein und das Gehalt muss um mindestens 35 Prozent sinken.

Reisekrankenversicherungen hingegen gehen unterschiedlich mit Pandemien um. Während einige eine akute Erkrankung nach Corona-Infektion mitversichern, schließen andere Pandemien aus oder greifen nicht, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat.

Kosten von Rückholaktionen

Abhängig von Reiseart: Wenn die Bundesregierung, wie in diesem Frühjahr, zu  Rückholaktionen ausrückt, fallen Kosten an. Bei einer Pauschalreise hat der Reiseveranstalter diese zu übernehmen, erklärt die Verbraucherzentrale Brandenburg. Individualreisende müssen diese  zum Großteil selbst übernehmen.
235 Sonderflüge: Außenminister Heiko Maas hatte die „Luftbrücke“ für deutsche Touristen Mitte März gestartet, um Reisende aus den Ländern zurückzuholen, aus denen es keine regulären Flüge mehr gibt. Das Auswärtige Amt hat mit 235 Sonderflügen 60 000 Passagiere transportiert.