Ab Januar kommt es zu Änderungen beim Netto - auch wenn der Brutto-Betrag gleich bleibt.
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BerlinWer zu Beginn dieses Jahres seine erste Gehaltsabrechnung für 2020 bekommt, wird vermutlich erst einmal stutzen: Das Nettogehalt wird sich bei fast allen Arbeitnehmern ein wenig geändert haben – und zwar vermutlich zum Positiven. Auch dann, wenn kein allgemeiner Gehaltssprung vorgesehen ist. Die Gründe sind wie in fast jedem Jahr einige gesetzliche Änderungen.

So tragen höhere Steuerfreibeträge oder auch ein leicht gesunkener Beitrag zur Arbeitslosenversicherung dazu bei, dass sich die Höhe der Abgaben vom Bruttogehalt verändert. Doch auch wenn nach einer Beispiel-Berechnung von Datev, einer Firma für Steuerberatersoftware, durchweg alle Gehaltsklassen profitieren, gibt es dennoch Unterschiede, wie stark sich die Änderungen auswirken. Denn gleichzeitig steigen etwa auch die Beiträge bei vielen Krankenkassen – was sich wiederum negativ auf die Höhe des Nettolohns auswirken kann.

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Geringverdiener profitieren am wenigsten

Wer wie viel profitiert: In der Beispielberechnung von Datev steigt das Nettogehalt im Vergleich zum Vorjahr in den betrachteten Steuerklassen I (Singles), II (Alleinerziehende) und III (Verheiratete) mit den Gehaltsstufen bis zu einem Monatsbrutto von 4 500 Euro fast kontinuierlich an. Ab einem Bruttogehalt von 5 000 Euro fällt das Plus in allen Steuerklassen wieder etwas geringer aus, um dann wieder anzusteigen. So profitieren Singles und Alleinerziehende mit einem monatlichem Bruttogehalt von 6 500 Euro am meisten. Sie können laut Datev mit einem Plus von 267 beziehungsweise 274 Euro im Jahr rechnen. In der Steuerklasse III, also bei verheirateten Arbeitnehmern, sind Beschäftigte mit einem Bruttogehalt von 4 500 Euro die größten Gewinner. Sie bekommen demnach in diesem Jahr 235 Euro (keine Kinder), beziehungsweise 239 Euro (bei zwei Kindern) mehr Nettogehalt.

Am wenigsten - jedenfalls in absoluten Zahlen - machen sich die Änderungen bei Geringverdienern bemerkbar. Bei einem Bruttoeinkommen von 1 500 Euro belaufe sich die Steuerersparnis je nach Steuerklasse auf acht bis 84 Euro im Jahr. Auch in den hohen Gehaltsklassen von 7 000 Euro brutto ist die Entlastung nicht allzu groß, es gibt aber eine mit 67 bis 99 Euro im Jahr. Für diese Beispielberechnungen sind Werte für das Bundesland Bayern herangezogen worden, allerdings ohne die Kirchensteuer zu berücksichtigen, die in Bayern und Baden-Württemberg bei acht Prozent und in allen anderen Bundesländern bei neun Prozent liegt. Somit sind die Werte auch vergleichbar mit anderen Bundesländern. Außerdem wurde ein Arbeitnehmer zugrunde gelegt, der in der gesetzlichen Krankenversicherung angemeldet ist. Hier ist ein individueller Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent angenommen worden.

Steuererleichterung individuell berechnen

Mit dem Abgabenrechner des Bundesfinanzministeriums kann jeder seine eigene künftige Steuerlast berechnen und damit, wie groß der Betrag ist, der 2020 vom Brutto abgeht. Der Rechner erlaubt es außerdem Vergleiche zu vergangenen Jahren anzustellen.

Nötige Angaben dafür sind unter anderem die Steuerklasse, der Jahresbruttolohn, die Zahl der Kinderfreibeträge oder auch die Angabe, ob eine Rentenversicherung nach Ost- oder Westtarif besteht. Je mehr Angaben gemacht werden, desto genauer kann die Höhe der Abgaben ermittelt werden.

„Die große Mehrheit der Arbeitnehmer wird von den zahlreichen Steuerrechtsänderungen tatsächlich profitieren“, sagt auch Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Im Einzelfall könne es aber auch vorkommen, dass sich die verschiedenen Steuerrechtsänderungen ausgleichen und am Ende eine Abgabenlast von plus minus Null im Vergleich zum Vorjahr dastehe. Der individuelle Fall könne schließlich immer ein wenig anders gelagert sein als die Musterrechnung.

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Ein Überblick, was das Nettogehalt beeinflusst:

Höhere Freibeträge: Der steuerliche Grundfreibetrag ist zum Jahreswechsel um 240 Euro auf 9 408 Euro jährlich angestiegen. Das bedeutet, dass bis zu diesem Einkommensbetrag keine Steuern fällig werden. Bei Ehepaaren liegt die Grenze bei 18 816 Euro. Damit soll der Effekt der sogenannten kalten Progression gemindert werden. Ebenso wurde der Kinderfreibetrag angehoben – von 2 490 Euro je Elternteil auf 2 586 Euro.

Arbeitslosenversicherung: Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung ist von 2,5 Prozent auf 2,4 Prozent gesunken. Die Änderung zum Vorjahr ist damit zwar minimal, immerhin wirkt sie sich aber zugunsten der Versicherten aus.

Beitragsbemessungsgrenzen: Die Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Krankenversicherung sind angehoben worden. „Für Arbeitnehmer mit einem guten Einkommen kann es nun teurer werden“, sagt Klocke vom Bund der Steuerzahler. Außerdem haben Dutzende Krankenkassen ihre Beitragssätze erhöht. Wer davon betroffen ist, zahlt mehr. Die Beitragsbemessungsgrenzen in der Renten- und Arbeitslosenversicherung sind ebenso angehoben worden. Das führt dazu, dass insbesondere Arbeitnehmer ab einer Gehaltsstufe von 6 500 Euro brutto monatlich von den anderen Ersparnissen nicht allzu sehr profitieren.

Rentenversicherung: Nicht sofort, aber bei der Steuererklärung bemerkbar machen wird sich, dass die Beiträge zur Rentenversicherung besser abgesetzt werden können. So können für das Jahr 2020 bis zu 90 Prozent der Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden, bislang waren es maximal 88 Prozent. Allerdings wird bei Arbeitnehmern der steuerfreie Arbeitgeberanteil für die gesetzliche Rentenversicherung von den Vorsorgeaufwendungen abgezogen.

Fazit: Die Mehrheit der Arbeitnehmer wird profitieren, wenn auch nicht in großen Summen. „Auch wenn 2020 grundsätzlich alle Arbeitnehmer mehr Netto auf ihr Konto bekommen, fällt die Ersparnis im Vergleich mit den Entlastungen zum vorangegangenen Jahreswechsel deutlich geringer aus“, schränkt auch die Datev ein.