BerlinDie Auftragsvolumen für die Berliner Bauwirtschaft sind von Januar bis September 2020 um knapp 19 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 zurückgegangen. Von Mai bis August waren es jeweils über 40 Prozent, im September über 25 Prozent weniger gegenüber den Vorjahresmonaten. Das ermittelte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Die Fachgemeinschaft Bau als Interessenvertretung der rund 900 mittelständischen Bauunternehmen in der Region sieht in den Zahlen den Beleg, dass ihr Wirtschaftszweig ins Stottern gekommen ist.

Die Gründe seien vielfältig: Fachkräftemangel, immer mehr Bürokratie und eine lahmende Verwaltung. Bei einer Umfrage der Fachgemeinschaft, an der sich 100 Unternehmen beteiligten, hätte ein Viertel der Firmen Corona und den Mietendeckel in Berlin gleichfalls als negative Faktoren genannt.

Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft, verlangte eine Ausgleichsleistung des Bundes wegen Corona: Weil die Kommunen als wichtigster Auftraggeber weniger Steuern einnehmen, müssten sie finanziell in die Lage versetzt werden, weiter Investitionsprojekte in Auftrag zu geben.

Im Bezug auf den Mietendeckel gaben gut 45 Prozent der Firmen an, dass sie bei Gebäudesanierung und -modernisierung einen Auftragsrückgang wegen des Mietendeckels festgestellt hätten. Beim Neubau waren es allerdings nur 15 Prozent.

Der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als gut ansehen, sank von über 70 auf unter 60 Prozent, gleichzeitig wuchs der Anteil derjenigen, die sie befriedigend oder schlecht einschätzen.

Den scheinbaren Widerspruch, dass trotz sinkender Auftragsumfänge die Umsätze des Berliner Bauhauptgewerbes 2020 um 8,8 Prozent auf 2,62 Milliarden Euro gestiegen waren, erklärt die Fachgemeinschaft so: Es seien Nachläufer eines Auftragsbooms Ende 2019, der 2020 abgearbeitet wurde.

So gingen im Dezember vergangenen Jahres allein beim Wohnungsbau in Berlin Aufträge im Umfang von 300 Millionen Euro ein. Das fiel dann stark ab und schwankt seit Beginn der Corona-Pandemie zwischen etwas über 50 bis unter 100 Millionen pro Monat.