Das superschnelle Internet wird kommen, das ist sicher. Und sicher ist auch, dass das sogenannte Vectoring dabei eine entscheidende Rolle spielen wird. Dies ist eine Technologie, die in eng nebeneinander verlegten Kabeln gegenseitige elektrische Störungen reduzieren soll. Denn solche Störungen können Staus verursachen. Die Bundesnetzagentur hat im April ein Regelwerk für den Ausbau mit der neuen Technik vorgelegt.

An diesem Freitag endet die Frist, um Stellungnahmen zu den geplanten Bestimmungen abzugeben. Telekom-Konkurrenten kritisieren eine massive Bevorzugung des Ex-Monopolisten. Stephan Albers, Geschäftsführer des Breitbandverbandes Breko, verlangt zudem Strafen für Firmen, die den Ausbau zwar ankündigen, aber nicht umsetzen.

Herr Albers, alle reden über die neuen Tarife der Telekom mit Datendrosselung. Planen die Stadtnetzbetreiber auch solche Tarife?

Nein, die mehr als 80 Carrier des Bundesverbandes Breitbandkommunikation planen derzeit keine Datendrosselung. Sie haben sich vielmehr zum Ziel gesetzt, Glasfasernetze für das Internet mit Hochgeschwindigkeit zu bauen – in Ballungsgebieten und auch da, wo es wehtut, in ländlichen Regionen.

Die sogenannte Vectoring-Technik ist das entscheidende Werkzeug?

Ja, richtig eingesetzt, kann diese Technologie einen wichtigen Beitrag leisten. Sie kommt an den grauen Kästen an den Straßenecken, den Kabelverzweigern, zum Einsatz: Mit relativ geringen Kosten kann man die Übertragungsgeschwindigkeit im Vergleich zu einer normalen DSL-Leitung deutlich erhöhen.

Die Bundesnetzagentur hat Vorschläge gemacht. Sie haben dagegen protestiert. Was passt Ihnen nicht?

Es muss nachgebessert werden, da die Telekom privilegiert wird. Denn sie müsste in ihren Planungen ganze Regionen einfach nur zu Ausbaugebieten für Vectoring erklären. Bereits dadurch bekäme die Telekom das exklusive Vorrecht auf Vectoring an den Kabelverzweigern. Diese sind dann für die Konkurrenten gesperrt. Denn Vectoring funktioniert derzeit nur, wenn nur ein Anbieter seine Glasfaserleitung bis zum Kabelverzweiger zieht und dort seine Technik installiert.

Was würde das Umsetzen des Netzagentur-Konzepts für den Wettbewerb in der Branche bedeuten?

Wettbewerbsintensität wird zugunsten der Telekom nachlassen. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein intensiver Wettbewerb für Privat- und Geschäftskunden zu innovativen Produkten und vernünftigen Preisen geführt hat.

Wie liefe das, ganz konkret?

Nehmen wir ein neues Breit-bandausbaugebiet in einer kleinen Kommune. Die Telekom könnte sich dieses Gebiet in ihrer strategischen Planung für den Vectoring-Ausbau reservieren, ohne sich an irgendwelche Fristen für den tatsächlichen Ausbau halten zu müssen. So würde der von der Bundesregierung geforderte Breitbandausbau massiv behindert!

Aber ein Stadtnetzbetreiber wie Netcologne kann sich dieses Ausbaugebiet doch genauso gut reservieren?

Klar, im Prinzip schon. Aber hier geht es um ein Windhundrennen. Und ein Konzern wie die Telekom tut sich allein wegen seiner Größe und seiner Management-Kapazitäten in der strategischen Planung viel leichter als ein kleiner Stadtnetzbetreiber. Wenn ich Telekom-Stratege wäre, würde ich einfach alle potenziell interessanten Kommunen bundesweit und flächendeckend in meine Planung einstellen.

Auch die großen Städte?

In den großen Städten wäre es für die Telekom noch einfacher. Dort soll das Windhundrennen entfallen. Der bisherige Entwurf der Netzagentur gewährt dem Ex-Monopolisten in den Ballungsgebieten für den Vectoring-Einsatz von vornherein den exklusiven Zugang zu den Kabelverzweigern. Voraussetzung ist, dass es eine zweite Infrastruktur gibt, das sind in der Regel die Kabelnetze. Für die Telekom würde eine Komfortzone geschaffen, die ihr im Kampf gegen die Kabelnetzbetreiber helfen soll. Die Stadtnetzbetreiber wären dann in den Großstädten komplett raus aus dem Geschäft mit dem Vectoring-Ausbau.

Die Stadtnetzbetreiber könnten aber doch einfach die Kabelverzweiger links liegen lassen und die Glasfasernetze bis direkt zu den Kunden legen.

Es gibt erfreulicherweise immer mehr solcher Projekte, die hoch interessant sind, etwa im hessischen Rüsselsheim. Aber die Stadtnetzbetreiber können es oft nicht schaffen, flächendeckend und überall den großen Schritt mit superschnellen Glasfaserleitungen direkt zu den Wohngebäuden zu machen. Deshalb ist die Verlängerung der Glasfaserleitungen nur bis zu den grauen Kästen an der Straßenecke ein wichtiger Zwischenschritt. Damit können die Firmen das Geld verdienen, mit dem sie in ein paar Jahren den Ausbau weiter vorantreiben.

Was fordern Sie, um dies zu erreichen?

Es muss eine neutrale Stelle geben, wo die Netzbetreiber ihre Vectoring-Pläne anmelden müssen – etwa die Bundesnetzagentur. Noch wichtiger ist: Baut ein Unternehmen trotz Ankündigung und Planung innerhalb eines bestimmten Zeitraums – beispielsweise eines Jahres – das Netz nicht aus, muss das sanktioniert werden. Zum Beispiel muss in einem solchen Fall dem Unternehmen in der jeweiligen Kommune quasi die Lizenz für Vectoring entzogen werden. Die Konkurrenten kommen dann zum Zug. Wir fordern, dass die Netzagentur den vorgelegten Entwurf in diese Richtung anpasst.

Für wann erwarten Sie eine endgültige Entscheidung?

Wir gehen davon aus, dass der Regulierer den Entwurf anpasst, so dass er noch vor der Sommerpause in Brüssel zur Notifizierung vorlegt werden kann. Richtig ist, dass wir eine rasche Entscheidung brauchen, denn die Debatte über Vectoring, die seit dem Herbst 2012 intensiv geführt wird, verunsichert zusehends viele Stadtnetzbetreiber, die investieren wollen.

Das Gespräch führte Frank-Thomas Wenzel