Ausbildung: Knappe Lehrstellen – knappe Fachkräfte

Trotz aller Klagen über Fachkräftemangel bieten die Betriebe in Deutschland immer noch relativ wenige Lehrstellen an. In Berlin ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze sogar zurückgegangen. Das geht aus der vorläufigen Bilanz hervor, die die Arbeitsagenturen für das im September gestartete neue Ausbildungsjahr gezogen haben.

In Berlin haben die Unternehmen demnach bis September den Arbeitsagenturen genau 12.070 offene Lehrstellen gemeldet. Das waren rund ein Prozent weniger als im Vorjahr. Dem standen rund 21.000 junge Menschen gegenüber, die sich zu eine Fachkraft ausbilden lassen wollten. Ende September waren noch rund 1500 junge Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle. Die anderen haben eine betriebliche oder öffentliche geförderte Ausbildung gefunden, die Suche aufgegeben oder sich anders orientiert.

Die Arbeitsagenturen versuchen derzeit, noch Bewerber unterzubringen. Denn es gibt auch noch gut 600 offene Lehrstellen, etwa in Restaurants, in der Reinigungsbranche, im Handel und in der Elektro- und Energietechnik.

Betriebe sollten auch Bewerbern eine Chance geben, die nicht so gute Schulnoten haben, forderte Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. Wobei alle Bewerber, die die Behörde erfasst, von den Arbeitsagenturen als „ausbildungsreif“ bewertet werden. Die Vermittler prüfen die Zeugnisse und schicken die jungen Leuten auch zu psychologischen Tests, wenn das für nötig erachtet wird. Dabei soll zum Beispiel herausgefunden werden, ob die Jugendlichen das nötige Durchhaltevermögen haben.

Die regionale Arbeitsbehörde appelliert an die jungen Berliner, auch eine Ausbildung in Brandenburg in Erwägung zu ziehen. Dort gibt es noch 1300 offene Lehrstellen und deutlich weniger unversorgte Bewerber.

Kritik an Pflegebranche

Deutschlandweit ist die Zahl der betrieblichen Lehrstellen immerhin um ein Prozent gestiegen. Wobei es auch bundesweit mehr Bewerber als offene Stellen gab. Und so galten Ende September noch rund 21.000 junge Leute als „unversorgt“, wie die Arbeitsagenturen zu sagen pflegen. Gleichzeitig gab es noch zahlreiche unbesetzte Stellen. Das Ergebnis: Insgesamt wurden weniger Verträge abgeschlossen als im Vorjahr.

Es sei schwieriger geworden, Bewerber und Ausbildungsstellen zusammenzubringen, erklärte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt. Nach Ansicht von Forschern hat die bessere Schulausbildung der Jugendlichen dieses Problem eher verschärft: So gibt es heute mehr Abiturienten als früher. Viele wollen einen Beruf im kaufmännischen Bereich, in der IT- oder Medienbranche lernen – und beispielsweise nicht im Gaststättengewerbe oder in der Reinigungsbranche. Zudem ist es für junge Leute nicht so einfach, fern der Heimat eine Ausbildung zu absolvieren.

Unzufrieden ist die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit der Situation in der Pflege. Das Ausbildungsangebot sei auf 11.000 Stellen zurückgegangen. „Ich bin enttäuscht“, sagte Alt. Die Bundesagentur habe in diesem Jahr zusätzlich dazu mit der Ausbildung von 7000 Menschen zur Pflegefachkraft begonnen.

Seine Erwartung an die Länder und die Institutionen der Altenpflege sei, dass sie mehr Ausbildungsstellen anböten und auch etwas für das Marketing täten. Die BA könne nur ergänzend ausbilden. (rt./mit Reuters)