Bei allem berechtigten Ärger über die Pandemiebewältigung der Bundesregierung: Zumindest der Arbeitsmarkt hat der Corona-Krise bislang getrotzt. Dafür hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine Menge Geld in die Hand genommen: Rund 52 Milliarden Euro – etwa für Kurzarbeitergeld oder pandemiebedingtes Arbeitslosengeld – wurden allein in den letzten beiden Jahren investiert, um den Absturz der Volkswirtschaft zu verhindern. Diese Mission ist geglückt, im Oktober waren gerade mal 2,38 Millionen Menschen arbeitslos. Das deutsche Jobwunder hält an, und das ist auch ein Verdienst der Politik.

Ausbildung: Vor allem kleinere Betriebe haben Probleme

Es lohnt allerdings, genauer auf den Arbeitsmarkt zu schauen. Abseits aller Jubelmeldungen droht dort schon länger Ungemach – und es kommt nicht von ungefähr. Die neuesten Zahlen, die das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag veröffentlicht hat, sind ein Weckruf. Fast 40 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze sind im laufenden Ausbildungsjahr bis September nicht vergeben worden. Bei kleineren Betrieben ist es die Hälfte. Und auf dem Bau sogar über 60 Prozent.

Die Gründe sind schnell gefunden. Es gibt zu wenige Bewerber. Und die, die wollen, passen oftmals nicht. Ein klassischer Fall von „Mismatch“ also, Angebot und Nachfrage sind nicht kompatibel. Dieses Phänomen ist nicht neu. Passiert ist nur: viel zu wenig. Bei jungen Menschen fehlt mitunter das Bewusstsein, dass auch die duale Ausbildung vielfältige Karrierewege eröffnet. Und nicht nur ein Studium. Doch auch die Unternehmen sind gefordert. Sie sollten auch Bewerbern eine Chance geben, die auf den ersten Blick nicht passen. Schon aus eigenem Interesse. Deutschland steuert auf einen massiven Fachkräftemangel zu, die Babyboomer gehen bald in Rente. Das Land kann es sich nicht leisten, junge Menschen zurückzulassen.