Ein Mietmodell könnte den Einstieg in die Elektromobilität leichter machen.
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BerlinKlimafreundliche Mobilität gibt es für 385,90 Euro im Monat. So viel muss der Nutzer zahlen, wenn er das E-Auto Renault Zoe abonnieren will – beim Stuttgarter Start-up Vivelacar. Autoabo? Das ist die jüngste Variante der neuen Mobilitätsdienste. Sie liegt irgendwo zwischen Miete und Leasing.

Für Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen ist klar: „Das ist die Zukunft der Branche“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Vor allem seien solche Nutzungsmodelle ideal, um die Elektromobilität voranzubringen. Ein Auto abonnieren bedeutet: Nicht kaufen oder finanzieren, sondern einen monatlichen Fixbetrag zahlen, der eine All-inclusive-Lösung sein soll. Steuer, Versicherung, Reparaturen, Wartung, Winterreifen – alles in einer Rate.

Das Abo kann mit einer Frist gekündigt werden. Bei Vivelacar sind es drei Monate. Der Kunde kann das Auto dann einfach zurückgeben oder gegen ein anderes Modell tauschen. Neben dem Abopreis muss der Nutzer nur den Sprit für den Tank oder den Strom für die Batterie bezahlen. Vivelacar steht nicht allein. Mehrere junge Unternehmen versuchen, in der bisher sehr überschaubaren Nische Kunden zu finden. Sie heißen Cluno, Like2drive oder Finn.

E-Autos im Kauf sehr teuer

Auch der Autovermieter Sixt mischt mit einer Flatrate für eine Langzeitmiete mit. Der schwedischchinesische Autobauer Volvo gilt als Pionier. Er hat schon 2018 damit begonnen, Abos für vollausgestattete Neuwagen zu vermarkten. Vivelacar ist seit dem Frühjahr aktiv. Der Name sei Programm, sagt Gründer und Vorstandschef Mathias Albert. „Wir stehen zum Auto.“ Mindestens einmal im Leben könne jeder ein Autoabo gut gebrauchen, bei einem Jobwechsel beispielsweise oder nach einer Trennung. Rund 500 Fahrzeuge verschiedener Marken hat das Start-up im Angebot. Die Zahl der Abonnenten steige jeden Monat um 60 Prozent. Absolute Zahlen nennt der Gründer nicht.

Bei den Abodiensten, die wie Makler agieren, geschieht fast alles per Internet: Auto aussuchen und persönliche Daten eingeben – das sind die wichtigsten Schritte. Das Kündigen nach drei Monaten oder wie bei Cluno nach mindestens sechs Monaten soll für die Kunden Schwellen senken. Genau deshalb könnten die Abos der Elektromobilität auf die Sprünge helfen, meinte Dudenhöffer. Mehrere Studien hätten ergeben, dass die Neugier auf die Stromer groß ist. Doch viele potenzielle E-Auto-Fahrer trauen sich nicht so recht, weil sie von Reichweitenangst geplagt werden und verunsichert sind, wie das mit dem Laden funktioniert. Hinzu kommt, dass die Elektrischen sehr teuer sind. Die Listenpreise der aktuell angebotenen Modelle liegen in der Regel noch immer etwa doppelt so hoch wie bei Verbrennern.

Das ist die Zukunft der Branche.

Ferdinand Dudenhöffer, Automarktexperte

Ein Abo mit Ausstiegsmöglichkeit ist da eine kundenfreundliche Variante. Eine Umfrage der Marktforschungsfirma Puls hat ergeben, dass ein Umstieg auf einen Stromer mit geschränktem Risiko besonders für Jüngere bis 30 Jahre sehr attraktiv ist. Mehr als jeder Zweite würde gern in einem mindestens sechsmonatigen Test buchstäblich erfahren, ob die Elektromobilität zu den eigenen Mobilitätsbedürfnissen passt.

Bei Vivelacar sind derzeit etwa 10 Prozent der angebotenen Autos elektrifiziert. Doch die Tendenz sei steigend, sagt Albert. Das hat einen einfachen Grund: Im nächsten Jahr werden die Autobauer ihre E-Flotten deutlich ausbauen, weil die EU verschärfte Abgaswerte verlangt.

Ob die Abos nun teuer oder preiswert sind, kommt immer auf die jeweilige Konstellation an. Zumal die Höhe der Zahlungen stark schwankt. Über den Daumen reichen sie von 200 Euro pro Monat für einen Kleinwagen mit Minilaufleistung bis hin zu 1500 Euro für ein Luxus-SUV mit großem Kilometerpaket.

Harter Wettbewerb im Autohandel

Berechnungen von Dudenhöffers Institut haben anhand eines konventionell angetriebenen Opel Corsa ergeben, dass bei Cluno ein Abo für einen Fahranfänger preiswerter sein kann als der Barkauf. Bei einem älteren Fahrer mit 30 Schadenfreiheitsjahren sei das Abo nur unwesentlich teurer als der Kauf per Cash. Der Aufpreis falle erstaunlich gering aus – gemessen an dem hohen Maß an Planbarkeit und Flexibilität für den Nutzer. Schon wird an Erweiterungen des Geschäftsmodells gebastelt.

Vivelacar etwa will das Abo im nächsten Jahr mit Carsharing verknüpfen. Mehrere Nutzer, die beispielsweise gemeinsam in einem Mietshaus wohnen, sollen sich dann ein Auto teilen können. Albert traut dem Abo-Konzept einen Marktanteil bis zu 20 Prozent zu.

Vieles spricht indes dafür, dass die neue Nutzungsform den ohnehin harten Wettbewerb im Autohandel noch verstärken wird. Dudenhöffer sieht vor allem die klassischen Autohäuser in der Defensive. Vivelacar kooperiert just mit ihnen. Die Startup- Firma bietet ausschließlich Fahrzeuge an, die Autohäuser auf dem Hof stehen haben. Das sind die sogenannten Eigenzulassungen – die mit wenig Kilometer auf dem Tacho als junge Gebrauchte angeboten werden.