Das Logo von Continental.
Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die deutsche Autoindustrie kann ihre Erfolgsgeschichten wegen der Corona-Krise nicht fortschreiben. Die Krise trifft auch bisher sehr solide und profitabel arbeitende Unternehmen. So ist der Autozulieferer Grammer im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde voraussichtlich rund minus 50 Millionen Euro betragen, teilte das Unternehmen aus Amberg am Montag mit. Im Vorjahresquartal hatte die Grammer AG noch rund 26 Millionen Euro im Plus verbucht. Der Umsatz hat sich nach den vorläufigen Zahlen nahezu halbiert auf 281 Millionen Euro (Vorjahr: 517 Millionen).

Der Konzern führte die Einbußen erwartungsgemäß auf den Produktionsstopp aufgrund der Pandemie zurück. Zudem belasteten Sondereffekte in Höhe von 24 Millionen Euro das Ergebnis. Dabei geht es unter anderem um die ebenfalls wegen der Coronakrise geplante Optimierung von Lagerflächen und daraus folgende Abschreibungen auf Vermögen. Die Zahlen für das erste Halbjahr will Grammer am 13. August veröffentlichen.

Der Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise zwingt den Autozulieferer Continental zur Verschärfung seines schon laufenden Sparkurses. Unabhängig von der strukturellen Umwälzung der Branche zu E-Mobilität und Digitalisierung müsse der Konzern kurzfristig stärker reagieren, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart am Dienstag bei der Hauptversammlung in Hannover. „Das Virus verschärft vor allem den konjunkturellen Rückschlag. Wir justieren unsere Finanzstruktur neu. Wir bauen uns eine Corona-Brücke über die kommenden Jahre.“

Nötig sei eine Verringerung von Überkapazitäten. „Wir reduzieren Investitionen, wir verringern Arbeits- und Sachkosten. Im Klartext: Wir sparen jetzt zusätzlich Geld ein.“ Es gehe um mehrere Hundert Millionen Euro. „Auswirken wird sich das bis 2022. Dazu stehen wir bereits im engen Austausch mit den Vertretern unserer Belegschaft.“ Das Programm „Transformation 2019-2029“ laufe weiter. „Die Krise ändert nichts daran“, meinte Degenhart vor den online zugeschalteten Aktionären. „Im Gegenteil: Wir strengen uns jetzt noch mehr an.“

Conti steckte auch vor der Pandemie bereits in einem großen Umbau, bei dem weltweit Tausende Stellen wegfallen könnten. So läuft etwa in Westeuropa über mehrere Jahre die Produktion von Hochdruckpumpen und Injektoren für Verbrenner aus. Auch Anzeigeelemente sind betroffen. Gleichzeitig werden Mitarbeiter weiterqualifiziert und Stellen etwa im Software-Bereich geschaffen. Bisher wurden 3000 Jobs „verändert“.

Degenhart betonte, es werde noch dauern, bis die Branche die Folgen der Krise weggesteckt habe: „Weder in Europa noch in Amerika wird sich die Wirtschaft schnell erholen. Frühestens nach 2025 erreichen wir wieder das Niveau von 2017. Zahlungsfähig bleiben, das ist das oberste Gebot – und dafür passen sich jetzt alle an.“

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