Berlin - Allenthalben sprechen die Manager der Autokonzerne von wachsenden Risiken. Nur Daimler-Chef Dieter Zetsche versprüht großen Optimismus. Wir erläutern warum der Stuttgarter Autobauer derzeit aus der Reihe tanzt und Erfolge feiert, mit denen auch Branchenkenner nicht gerechnet haben.

Woran lässt sich der Erfolg von Daimler ablesen?

Am besten an einer nüchternen Kennziffer, der sogenannten Ebit-Marge bei Mercedes-Benz, der mit Abstand wichtigsten Sparte des Konzerns. Es geht um das Verhältnis des Gewinns aus dem eigentlichen Geschäft zum Umsatz. Im zweiten Quartal ist es erstmals seit vier gut vier Jahren im Pkw-Geschäft gelungen, dass von 100 eingenommenen Euro 10,50 Euro als Gewinn vor Abzug von Steuern und Zinsen übrig geblieben sind.

Diese Kennziffer ist in der Autobranche so wichtig, weil die beiden Nobelrivalen BMW und Audi seit Jahren Renditen auf diesem Niveau einfahren. Mercedes fuhr immer mit teils deutlichem Abstand hinterher.

Was macht Mercedes heute besser als früher?

Viele Effekte kommen zusammen. Ein Punkt ist, dass die Stuttgarter früher bei weitem nicht so effizient produzierten wie die Konkurrenten. Inzwischen wurde viel Geld in die Hand genommen, um die Fertigung in den Werken zu optimieren. So wurden Kosten gedrückt, übrigens ohne größeren Jobabbau. Zugleich ist es aber gelungen, dass bei der Qualität keine Abstriche gemacht wurden. Die Autos sind heute sogar zuverlässiger als früher. Insider sprechen davon, dass Daimler es endlich geschafft hat, sein Potenzial auszuspielen.

Was hat sich bei den Einnahmen getan?

Der Umsatz des Gesamtkonzerns kletterte im zweiten Quartal (April bis Juni)  im Vergleich Vorjahr um 19 Prozent auf 37,5 Milliarden Euro.  Bei der Pkw-Sparte ging es im gleichen Maß auf rund 21 Milliarden Euro. Das hat viel mit der  sogenannten Modelloffensive zu tun. Mercedes ist heute der deutsche Autobauer mit der modernsten Fahrzeugflotte, und sie treffen den Geschmack des Publikums, sie sind kantiger und sportlicher geworden, orientieren sich stärker am internationalen Design, sie kommen in Schanghai und in Schwäbisch-Hall an.

Vor allem die neue  A-Klasse ist bei Jüngeren beliebt, auch die kompakten Pseudogeländewagen (SUV) haben schnell viele Freunde gefunden. All dies hat den Absatz massiv gesteigert. Daimler hat im ersten Halbjahr so viele Autos wie niemals zuvor verkauft. Von den 715000 Exemplaren kommen gut zwei Drittel aus der Pkw-Sparte. Bei Mercedes ging die Zahl der Verkäufe um 20 Prozent nach oben. Auch mehr Vans wurden losgeschlagen. Bei Bussen und Lkw gab es hingegen Rückgänge – Daimler ist auch der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller.

Wie ist eine derart starke Absatzsteigerung bei Mercedes möglich?

Mercedes hinkte in vielen Auslandsmärken seinen beiden deutschen Rivalen hinterher, insbesondere auf dem weltgrößten Automarkt in China. Der Konzern ist erst spät in das Geschäft in der Volksrepublik eingestiegen. Die Mercedes-Verkäufe lagen lange Zeit weit entfernt von Audi und BMW. Die beiden Marktführer im chinesischen Premiumsegment mussten zuletzt sogar Einbußen hinnehmen. Mercedes hat es nun geschafft, den Abstand zu verkürzen, obwohl der gesamte chinesische Markt derzeit rückläufig ist.

Erstaunlich ist aber auch, dass im zurückliegenden Quartal die Verkäufe in Großbritannien um 28 Prozent und  in Italien sogar um 37 Prozent gesteigert werden konnten. Hierbei spielt auch eine Rolle, dass Konsumenten in vielen europäischen Ländern den Autokauf in den vergangenen Jahren aufgeschoben haben und dies nun nachholen. Ein weiterer Faktor ist, dass Mercedes auf dem US-Markt stark vertreten ist und dort den Aufwärtstrend voll mitnehmen konnte – dort werden dieses Jahr etwa 17 Millionen Autos verkauft, so viele wie seit 2005 nicht mehr.    

Warum steigt der Gewinn so massiv?

Der operative Gewinn schnellte um mehr als 50 Prozent  auf 3,8 Milliarden Euro hoch, das sind Steigerungsraten die bei Autobauern eher selten sind.  Dies hat viel mit Größeneffekten zu tun. Mercedes-Pkw sind im Schnitt deutlich teurer als die Wagen von Audi und BMW. Ganz wichtig ist dabei die S-Klasse. Wenn dann der Absatz deutlich steigt, klettert der Gewinn überproportional. Als Sondereffekt kommt hinzu, dass Daimler vom schwachen Euro profitiert. Das macht sich bei der luxuriösen S-Klasse aber auch bei teuren Mittelklasse-Limousinen bemerkbar, die  in Deutschland gebaut werden. Dieser Export-Bonus wirkte wie ein Gewinn-Turbo.      

Wird die Erfolgsserie weitergehen?

Zetsche prognostiziert eine deutliche Steigerung des Absatzes bei Mercedes, um mindestens 300000 Stück. Der Gewinn soll um zehn Prozent oder mehr steigen. Das soll auch mit einer Reihe neuer und überarbeiteter Modelle geschehen, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen. Allerdings hat Daimler auch seine Prognose für die weltweite Pkw-Nachfrage nach unten korrigiert. Jetzt wird nur noch ein Plus von zwei Prozent und nicht mehr drei Prozent erwartet.