BerlinDie Idee kam Emile Weisner (31) natürlich in einem Auto. Weil der „Lockdown light“ das Geschäft für Gastronomen erschwert und Pkw aktuell keine gefragten Mietwagen sind, kombinierte der Geschäftsführer der Allround Autovermietung in Berlin scharf: Weisner stellt Berliner Gastronomen für den gesamten November 30 Mietwagen zur Essensauslieferung zur Verfügung – kostenlos.

Den Gedanken zu dieser Aktion hatte Weisner während einer Fahrt von Augsburg nach Berlin in der vergangenen Woche. „Ich habe mich gefragt, wie wir unsere Fahrzeuge auf die Straße bekommen. Die Autos ungenutzt auf unseren Höfen stehen zu haben, fühlt sich falsch an“, sagt er. Da er bereits während der ersten Corona-Welle im Frühjahr viele Anfragen für seine Mietwagen von Gastronomen erhielt, wolle er diese Branche nun erneut unterstützen. „Es ist nicht nur wichtig, dass der Staat in der Krise hilft, sondern auch Unternehmen untereinander.“

Knapp 900 Fahrzeuge umfasst der Fuhrpark von Allround. Sie teilen sich auf fünf Berliner Filialen in Charlottenburg, Tempelhof, Marzahn, Reinickendorf und Spandau sowie zwei weitere Niederlassungen in Leipzig und Augsburg auf. In Berlin können sich interessierte Wirte bei der Autovermietung melden. Um das Angebot zu nutzen, benötigen sie Führerschein, Ausweis und Gewerbeanmeldung. Bislang haben rund 20 Gastronomen bei Weisner angefragt. Darunter seien unter anderem das 21 Gramm in Neukölln, das Magic John’s in Mitte oder auch das Nobelhart & Schmutzig in Kreuzberg.

In einem grauen Opel Corsa liefern nun auch Paulo Hagn (32) und sein Team aus. Der Chef des Charlottenburger Restaurants Stella Alpina wollte „sofort dabei sein“, als er von der Aktion hörte. „Für uns ist das sehr hilfreich. Wir wollen während dieser Zeit weiter präsent sein und unsere Gäste mit Essen versorgen“, sagt er. Hagn hat bereits beim letzten Lockdown ausgeliefert. Allerdings habe sich das Modell nicht gerechnet. „Man muss die Miete des Wagens bezahlen, Benzinkosten, das Personal zum Ausliefern und in der Küche, Verpackungsmaterial, Strom und einiges mehr. Da bleibt am Ende nicht viel übrig“, sagt er.

Nun kann Hagn seine Linguine Vongole mit Calamaretti, gegrillte Dorade mit Kartoffeln und Salat oder andere Gerichte der italienisch geprägten Karte ohne Preiserhöhung zu Kunden ins Liefergebiet nach Charlottenburg, Wilmersdorf und einen Teil von Zehlendorf fahren. „Mein Wunschtraum wären 40 bis 50 Bestellungen pro Tag“, sagt er. „Wenn es so gut läuft, bräuchten wir in jedem Fall zwei bis drei Fahrer – und dementsprechend auch mehr Autos.“ Bei einem solchen Ansturm wäre Emile Weisner durchaus bereit, den Gastronomen noch mehr als die bisherigen 30 Fahrzeuge zu leihen.

Der Essenslieferdienst Wolt beteiligt sich ebenfalls mit einem Hilfspaket für seine Restaurantpartner. In einer Pressemitteilung des finnischen Unternehmens, das seinen Lieferbetrieb erst im August in Berlin startete, heißt es, dass die Restaurants bei jeder Bestellung über Wolt 1,50 Euro zurückerhalten. Aktuell liefere das Unternehmen für rund 300 Restaurants in der Hauptstadt aus. Zusätzlich entfällt die Vermittlungsgebühr für Restaurants, falls Kunden ihre Speisen und Getränke selbst abholen. Außerdem will man den Lokalen die Erträge bis zu sechs mal pro Monat auszahlen, um die Liquidität zu sichern. 

Auch die Lieferservice-Plattform Lieferando reagiert auf den „Lockdown light“. Als erste Maßnahme reduziert das Unternehmen die Kommission der Bestellungen für alle Bestandskunden um 25 Prozent, wenn Restaurants auf einen Fahrer von Lieferando zurückgreifen. Zudem erlässt die Firma neu registrierten und unabhängigen Restaurants in den ersten vier Wochen ab Online-Bestellung die Kommissionsgebühr. Sollten Kunden über Lieferando buchen und ihr Menü eigenständig beim Restaurant abholen, kann das Restaurant den zu zahlenden Betrag komplett einbehalten.