Solidität mit einem Schuss Betulichkeit: Das ist ein Image, mit dem die Brandenburger gern kokettieren. „Ein Schritt nach dem anderen, immer schön der Reihe nach“, bekräftigte Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider am Dienstag, als es um Personalfragen der Flughafengesellschaft FBB ging. Die Landesregierung tat an diesem Tag erst einmal nur einen Schritt und benannte zwei neue Mitglieder für den Aufsichtsrat: Finanz-Staatssekretärin Daniela Trochowski (Linke) und Axel J. Arendt, 32 Jahre lang Manager in der Auto-, Luftfahrt- und Rüstungsindustrie. Ab Anfang 2015 steht der zweite Schritt an: Wer soll den Flughafen ab 2016 leiten – weiterhin Hartmut Mehdorn oder jemand anderes?

Weniger Politiker, mehr Fachleute: Das hatte der Landesrechnungshof empfohlen, jetzt handelte die Landesregierung mit Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) an der Spitze. Anstelle von Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) sitzt schon ab Freitag Axel J. Arendt im Flughafen-Aufsichtsrat.

Vergütung ist noch ungewiss

„Ein Mann, der in der Region große Reputation besitzt“, lobte Woidke am Dienstag. Als Deutschland-Chef des Triebwerksbauers Rolls Royce habe er dazu beigetragen, dass der Unternehmensstandort Dahlewitz ein Erfolgsmodell geworden ist.

Arendt entwickelte die Fabrik zu einem der Vorzeigebetriebe in Brandenburg und beförderte damit auch seine eigene Karriere: 2006 wechselte er in den Vorstand der Rolls-Royce-Rüstungssparte Defence Aerospace. Dem BER ist der mittlerweile 65-Jährige Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur seit langem verbunden. Vor der geplanten Eröffnung 2012 wurde Arendt zum „Botschafter“ der Flughafenregion berufen, um Investoren zu werben.

Auch für den Aufsichtsrat wollte ihn der frühere Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) schon einmal gewinnen. Arendt lehnte Anfang 2013 jedoch ab, angeblich, weil die Vergütung zu gering war. Dennoch pflegt er beste Kontakte in die Landespolitik. Es heißt über ihn, er sei unkompliziert und bodenständig, zielstrebig und diplomatisch.

Über Arendts Bezahlung als Aufsichtsratsmitglied wollte Woidke nichts mitteilen. „Über die Bezüge werden die Gesellschafter sprechen“, sagte er. Im Regelfall wird pro Sitzung ein dreistelliger Eurobetrag bezahlt – der reguläre Satz gelte zumindest am Freitag auch für Arendt. Doch Beobachter gehen davon aus, dass sich der Ex-Manager und Berater damit nicht abspeisen lässt. Auch die Frage, ob Arendt Vorsitzender des Aufsichtsrats wird, müsse mit Berlin und dem Bund besprochen werden, sagte Woidke. Es sei „nicht ganz leicht“ gewesen, geeignete Kandidaten für das Kontrollgremium zu finden. „Die Leute stehen nicht gerade Schlange.“

Warum beruft Brandenburg keinen Bauexperten? Schließlich krankt das Projekt vor allem an Bauproblemen. Auf dem Flughafen gehe es vor allem um Finanzen, Koordination, Organisation und Brandschutz, sagte Woidke. „Der Aufsichtsrat soll keine Baupläne lesen, er hat die Aufgabe, die Flughafengesellschaft zu kontrollieren.“ Und warum geht nicht auch der Ministerpräsident in den Aufsichtsrat? Natürlich sei der BER das wichtigste Infrastrukturprojekt in der Region, bekräftigte Woidke. „Im Rhythmus von weniger als einer Woche sitzen wir zusammen.“ Eine Mitarbeit im Gremium sei „nicht eine Frage des Wollens, sondern eine Frage der Zeit“. Es gebe auch noch „andere Dinge, die eine Rolle spielen“.

Kommt der Nachfolger aus Köln?

Es geht auch noch um eine zweite Personalie: die Zukunft des Flughafen-Vorstandschefs Hartmut Mehdorn, dessen Vertrag im März 2016 endet. Unter der Hand gibt es Kritik an ihm und seiner mageren Bilanz, doch öffentlich will niemand damit herausrücken. Für eine vorzeitige Vertragsbeendigung gibt es in Potsdam derzeit kein Votum, hieß es dort. Zumindest Brandenburg habe bisher auch noch keinen Headhunter beauftragt, um sich an der Suche nach einem Kandidaten für die Nachfolge zu beteiligen.

Trotzdem taucht ein Name immer wieder auf: Michael Garvens, Chef des Flughafens Köln/ Bonn. Offenbar will man sich Zeit lassen, denn es wird erwogen, Mehdorn vielleicht erst sechs Monate vor Vertragsende mitzuteilen, wie es weitergeht – üblich ist eine Jahresfrist. Von Woidke war nur das zu erfahren: „Anfang 2015 werden wir uns mit der Situation befassen.“ (mit fred.)