Berlin - Elektromobilität ist für die Bahn ein alter Hut: Schon 1879 stellte Werner von Siemens die erste elektrische Lokomotive vor, ab der Jahrhundertwende wurde das deutsche Eisenbahnnetz schrittweise elektrifiziert. Ökologisch war das bisher aber nur begrenzt, schließlich stammte der Strom überwiegend aus Kohle- oder Atomkraftwerken.

Sauberer Strom für Fernzüge

Die Deutsche Bahn AG will das nun ändern: Mit Blick auf die UN-Klimakonferenz Anfang November in Bonn kündigte der Staatskonzern am Montag in Berlin an, dass ab Januar 2018 der gesamte Fernverkehr mit Ökostrom betrieben wird. Die Tickets sollen dadurch nicht teurer werden.

Konzern spricht von der „grünen Schiene“

Bislang hat die Bahn nur den Inhabern der Bahncard und anderer Streckenkarten zugesichert, dass sie mit Ökostrom fahren. Möglich war für Bahnkunden auch, für Strom aus erneuerbaren Energien pro Strecke freiwillig einen Euro mehr zu zahlen. Künftig sollen alle 140 Millionen Passiere im Fernverkehr klimaneutral, also ohne CO2-Ausstoss, unterwegs sein. Die Bahn hat dafür den Begriff „Vollvergrünung“ erfunden. Zugleich will sich die Bahn auch in der Außendarstellung stärker als klimafreundliches Unternehmen präsentieren. „Bahnfahren ist Klimaschutz“, so Bahnchef Richard Lutz, der neuerdings auch von der „grünen Schiene“ spricht.

Nach Angaben des Unternehmens werden derzeit im Fernverkehr noch 13 Gramm CO2 je Person und Kilometer ausgestoßen. Zum Vergleich: Beim Bus sind es 32 Gramm, beim privaten PKW etwa 142 und beim Flugzeug 211 Gramm.

Tickets sollen nicht teurer werden

Die Ticketpreise sollen im Zuge der Umstellung auf den teureren Ökostrom nicht steigen, versprach Lutz. „Das übernehmen wir“, sagte er auf die Frage, wer den Preis dafür zahlen werde. Nach seinen Angaben hat die Bahn seit der Einführung der grünen Bahncard im April 2013 für Ökostrom rund 100 Millionen Euro mehr ausgegeben. „Jetzt legen wir noch mal eine Schippe drauf“, so der Bahnchef. Konkrete Summen nannte er allerdings auch auf Nachfrage nicht.

Ziel ist 2050 klimaneutral zu fahren

Die komplette Umstellung beim Fernverkehr ist Teil einer neuen Klimastrategie des Staatskonzerns. Danach soll der Ausstoß von CO2 über alle Verkehrsmittel des Bahnkonzerns bis 2030 gegenüber 2006 halbiert werden. Der Anteil von Ökostrom am Bahnstrommix soll von jetzt 42 auf dann 70 Prozent steigen. 2050 will die Bahn komplett klimaneutral arbeiten.

Bahnchef Lutz fordert Unterstützung aus Berlin

Mit Blick auf die laufenden Sondierungsverhandlungen zwischen Union, FDP und Grünen zur Bildung einer Jamaika-Koalition forderte Lutz allerdings auch stärkere Unterstützung der Politik für die Bahn, um mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

„Lippenbekenntnisse reichen nicht“, betonte er. „Die Energiewende geht nur mit einer Verkehrswende“, sagte der Vorstandschef. Nur eine starke Schiene führe zu einem Verkehrssektor mit deutlich weniger Treibhausgasen. In Rede steht beispielsweise, künftig auch die Fernbusse mit der LKW-Maut zu belasten, um hier Wettbewerbsgleichheit zu schaffen. Auf der Schiene sind Trassenpreise fällig, wodurch der Fernbus begünstigt wird.