Berlins wichtigster Bahnknoten: das Ostkreuz.
Foto: Paul Zinken/dpa

Berlin-FriedrichshainEs ist einer der wichtigsten Bahnhöfe in Deutschland. In keiner anderen Station gibt es so viele Zughalte wie am Ostkreuz – mehr als eine halbe Million pro Jahr. Doch wer dort ein dringendes Bedürfnis verspürt, hat es derzeit schwer. Nun ist endlich Erleichterung in Sicht.

Die Bahn kann ihre Ankündigung, dass der Wiederaufbau des Empfangsgebäudes am Eingang Sonntagstraße 2019 endet, kurz vor knapp einlösen. Das Bauwerk soll zum 31. Dezember fertig werden, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Dann können die Mieter damit beginnen, ihre Räume auszubauen. Außer einem Biomarkt und einer Bäckereifiliale entsteht dort auch eine Toilettenanlage.

Damit ist absehbar, dass die Bahnhofstoilette erst Anfang 2020 eröffnet wird – etwas später als bisher angekündigt. „Wann die Toilette in Betrieb geht, können wir noch nicht sagen. Das hängt davon ab, wann uns die Räume übergeben werden“, hieß es bei Sanifair. Das Tochterunternehmen der Firma Tank und Rast, der die meisten Autobahn-Raststätten in Deutschland gehören, wird die Anlage betreiben.

Offen ist auch, wie groß die Kapazität sein wird, bisher war von sieben Plätzen die Rede. Klar ist dagegen, dass die Nutzer zahlen müssen: In den meisten Sanifair-Toiletten beträgt der Obulus einen Euro. Die Toilette am Ostkreuz wird allerdings nicht dauerhaft mit Personal besetzt.

Bahnhof Ostkreuz: Wildpinkler hinterlassen Spuren

„Ich freue mich, dass es am Ostkreuz endlich wieder öffentliche Toiletten geben wird“, sagte der Friedrichshainer SPD-Abgeordnete Sven Heinemann.

Viele Berliner werden sich noch an das Klohäuschen erinnern, das am Ostkreuz auf dem Bahnsteig D stand – nicht weit entfernt von dem Obststand, der rund um die Uhr geöffnet hatte. In jener Zeit wurde der Knotenpunkt im Osten Berlin oft noch „Rostkreuz“ genannt. Mit dem verwunschenen Bahnsteig A mit den großen Bäumen am Westende des Bahnhofs, den alten Holzbänken und dem Mosaikpflaster aus Grauwacke hätte er als Museumsbahnhof durchgehen können – wenn da nicht der dichte Verkehr und die vielen Fahrgäste gewesen wären.

Inzwischen wurde der Bahnhof modernisiert und umgebaut. Das Klohäuschen, in dem Personal den Wischmopp schwang und Kunststoffblumen für karge Gemütlichkeit sorgten, ist abgerissen worden – zusammen mit dem alten Bahnsteig D, der 2013 stillgelegt worden ist.

Ein Bahnhof mit weit mehr als 200.000 Fahrgästen und Besuchern pro Tag ohne Bahnhofstoilette – das haben Sven Heinemann und andere oft kritisiert. „Das geht inne Büx (Hose), da bleibt kein Pfeiler und keine Ecke trocken, das stinkt zum Himmel“ hieß es im Ostkreuzblog des Berliners Stefan Metze. Immer wieder stießen Fahrgäste auf Urinlachen von Wildpinklern. Politiker und Bürger setzten sich bei der Deutschen Bahn (DB) dafür ein, das Problem rasch zu beheben. Das Gästeklo bei McDonald’s auf dem Ringbahnsteig wäre kein Ersatz, sagten sie.

Bahnsteigdach am Bahnhof Ostkreuz soll nun 2023 fertig werden

Forderungen, rasch eine neue Toilette einzurichten, wies die Bahn jedoch zurück. Eine Interimslösung während der Bauphase sei „nicht praktikabel“, weil sich in dieser Zeit die Flächenaufteilung am Ostkreuz immer wieder verändert, hieß es. Planer sprachen von rund 50 unterschiedlichen Bauzuständen. Die Toilettenanlage hätte immer wieder verlagert werden müssten. Im sechseckigen Empfangsgebäude entstünde nun eine dauerhafte Lösung.

Sven Heinemann begrüßte es auch, dass der gesamte Bahnhof mit Kameras ausgestatet wird - was die Bahn am Donnerstag bestätigte. „Vandalismus und Verschmutzung sind leider trotz der vielen Anstrengungen der Bahn ein Problem.“

Bahnhof Ostkreuz: Knotenpunkt im Osten der Stadt

Fast fertig: Für rund 500 Millionen Euro ist das einstige „Rostkreuz“ saniert und umgebaut worden. Der Großteil der Arbeiten wurde 2018 abgeschlossen. Am Ostkreuz halten nicht nur S-Bahnen, auch Regional- und Fernverkehrszüge legen dort Stopps ein. Voraussichtlich ab Oktober 2020 hält dort auch der Airport Express zum BER. Die nächsten Projekte: Allerdings ist noch einiges zu tun. So soll der Regionalbahnsteig Ru, an dem unter anderem der Regionalexpress RE 1 hält, nachträglich ein Bahnsteigdach bekommen. Als Termin wird 2023 angepeilt. Die südlichen Vorplätze werden 2021 gebaut. Dort sind 350 überdachte Fahrradstellplätze geplant. Arbeiten im Umfeld: Ein Fahrradparkhaus ist ebenfalls geplant – auf dem nordwestlichen Platz. Bauzeit: 2022/23. Das Beamtenwohnhaus Markgrafendamm 24 ist verkauft worden. Es soll als Restaurant und Coworking-Space genutzt werden. Das Beamtenwohnhaus Sonntagstraße 37 wurde dem Land zum Kauf offeriert.

Die nächsten Projekte: Allerdings ist noch einiges zu tun. So soll der Regionalbahnsteig Ru, an dem unter anderem der Regionalexpress RE 1 hält, nachträglich ein Bahnsteigdach bekommen. Als Termin wird 2023 angepeilt. Die südlichen Vorplätze werden 2021 gebaut. Dort sind 350 überdachte Fahrradstellplätze geplant.

Arbeiten im Umfeld: Ein Fahrradparkhaus ist ebenfalls geplant – auf dem nordwestlichen Platz. Bauzeit: 2022/23. Das Beamtenwohnhaus Markgrafendamm 24 ist verkauft worden. Es soll als Restaurant und Coworking-Space genutzt werden. Das Beamtenwohnhaus Sonntagstraße 37 wurde dem Land zum Kauf offeriert

„Auch wenn das Ostkreuz seit einem Jahr bahntechnisch fertig ist, bleibt noch viel zu tun“, sagte der SPD-Abgeordnete. „Schade, dass bis zur Herstellung der nördlichen Vorplätze und der Tramverbindung sowie des Fahrradparkhaus noch Jahre vergehen sollen.“ Für das Radparkhaus stehen 2022 und 2023 insgesamt 1,5 Millionen Euro bereit.

Ein weiteres Teilprojekt am Ostkreuz wird sich von 2022 auf 2023 verschieben: die geplante Überdachung des Reigionalbahnsteigs Ru, an dem unter anderem der Regionalexpress RE1 hält. Das 80 Meter lange Dach soll zwischen dem Ringbahn-Bauwerk und der Fußgängerbrücke entstehen, sagte der Bahnsprecher. Es werde derzeit geplant. Der Bau ist nun für 2023 vorgesehen - vorausgesetzt, die Finanzierung steht.  

Straßenbahn fährt frühestens im Sommer 2022 zum Ostkreuz

Die Straßenbahnstrecke zum Ostkreuz lässt ebenfalls auf sich warten. Die BVG strebe nun eine Inbetriebnahme August 2022 an, teilte der Senat in einem Bericht an den Hauptausschuss mit.

Doch selbst das ist eine Angabe mit Fragezeichen. „Insbesondere bei diesem Projekt gibt es ein erhebliches Risiko, dass gegen das Vorhaben“, so der Senat. Von Seiten der Anwohner habe es eine erhebliche Zahl von Einwendungen gegeben: mehr als tausend.