Es wird nichts weniger als das „ultimative Erlebnis für Passagiere“ versprochen – wenn man mit dem Innovia Monorail von Bombardier fährt. Die zweigliedrigen Züge sollen demnächst im Finanzdistrikt von Riad in Saudi-Arabien fahren, neben Sao Paulo in Brasilien das Referenzobjekt für den Monorail 300.

Die Strecke in Riad soll über 3,6 Kilometer mit sechs Stationen führen, die in Brasilien über 24 Kilometer mit 17 Stationen. Laut der Eigenwerbung des Herstellers sind die Züge vor allem wegen ihres geringen Gewichts und den breiten Wagenkästen ideal für die Personenbeförderung in Städten und Flughäfen, zumal der Fahrweg auf Stelzen über normalen Straßenniveau liegt. Zum ersten Mal präsentiert der weltweit führende Bahntechnik-Hersteller Bombardier den vollautomatischen Zug auf einer Messe.

Moderne Wagen für London

Insgesamt 140 solcher Weltpremieren werden auf der an diesem Dienstag beginnenden Messe Innotrans in Berlin vorgestellt. Zum zehnten Mal findet nun bereits die Schau statt, und sie hat sich klar als internationale Leitmesse für Bahn- und Verkehrstechnik etabliert. Mehr als 2 750 Aussteller werden vertreten sein, zehn Prozent mehr als auf der letzten Veranstaltung. Sechs von zehn Ausstellern kommen aus dem Ausland, wobei diesmal auch Firmen aus Argentinien, Marokko, Weißrussland sowie Litauen und Mazedonien neu dazu kamen.

Es sind alle Hersteller vertreten, die in dieser Branche Rang und Namen haben. Messedirektor Matthias Steckmann schwärmt davon, dass die Innotrans innerhalb der vier Ausstellungstage „die höchste Konzentration von Angebot und Nachfrage des weltweiten Bahnmarktes“ zusammenführt. Und es ist ein Fest für alle Fans der Bahntechnik, die von anderen schon mal den Spitznamen „Pufferküsser“ verpasst bekommen.

Siemens stellt ebenfalls eine Weltpremiere auf der Innotrans vor: Der deutsche Technologiekonzern zeigt drei Wagen des Desiro City, die für die neugebaute Thameslink-Strecke quer durch London konstruiert worden sind. Die Vorzüge der Züge: Der Energieverbrauch und der Streckenverschleiß werden um die Hälfte gegenüber dem Vorgängermodell reduziert, zugleich die Passagierzahl um ein Viertel erhöht. Siemens soll insgesamt 1 140 Wagen bauen, wobei die ersten im Jahr 2016 den Betrieb aufnehmen sollen. Hergestellt werden die Züge in Krefeld.

Siemens übernimmt auch die Wartung der Fahrzeuge. Übrigens ein Bereich, dem das Management der Bahnsparte von Siemens großes Gewicht einräumt. Rund 50 solcher Wartungsverträge hat der Konzern bereits eingesammelt, immerhin tragen sie mit etwa 18 Prozent zum Ergebnis der Bahnsparte bei, wie Jochen Eickholt, Chef der Sparte Rail Systems kürzlich bei einem Pressegespräch in Berlin sagte.

Wachstumsmarkt Lateinamerika

Die Bahntechnik ist global ein wachsender Markt. Immer mehr Menschen müssen in kurzer Zeit befördert werden, in vielen Megacitys ist der Individualverkehr längst an seine Grenzen gestoßen. Allerdings sind Bahn-Projekte kostspielig, die öffentlichen Gelder, die für die Realisierung meist benötigt werden, dagegen knapp. Philippe Citroën, Generaldirektor des Verbandes der Europäischen Eisenbahnindustrie, glaubt, dass der Weltmarkt bis 2019 jährlich um 2,7 Prozent zulegen könne. Die größten Wachstumsaussichten sieht er in Lateinamerika, Asien und Nordamerika. China beispielsweise baut sein Schnellzugnetz mit großem Aufwand aus.

Die wirtschaftliche Lage der Hersteller in Deutschland ist nach Angaben des Verbandes der Bahnindustrie stabil. Der Auftragsrekord von 14,9 Milliarden Euro aus dem Vorjahr werde 2014 voraussichtlich aber nicht ganz erreicht. Die Branche erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund zehn Milliarden Euro.