Balda: Ein Großaktionär begehrt auf

Bei einem Elektroriesen gab es einmal eine ausgefallene Werbeaktion. Für 80 Euro konnte man einen Warengutschein im Wert von 100 Euro kaufen. Ein ähnlich verrücktes Schnäppchen können Anleger derzeit mit der Aktie des Spezialisten für Kunststofflösungen Balda machen. Mit rund 316 Millionen Euro verfügt das Unternehmen nämlich über ein Barvermögen, das deutlich höher ist als der gesamte Börsenwert, der nur etwa 250 Millionen Euro beträgt. Mühelos könnte Balda also eine Sonderdividende zahlen, die deutlich höher wäre als der aktuelle Preis der Aktie, der am Dienstag bei rund 4,30 Euro lag.

Doch die Sache hat aus Anlegersicht einen klitzekleinen Haken: Das Management denkt gar nicht daran, das ganze Geld einfach an die Aktionäre auszuschütten. Lediglich 1,50 Euro Sonderdividende sollen sie erhalten. Der Rest soll investiert werden. Das stößt bei einem Großaktionär auf erbitterten Widerstand: Der Berliner Rechtsanwalt Thomas van Aubel, der über seine Gesellschaft Elector knapp 30 Prozent der Balda-Anteile hält, hat für den heutigen Mittwoch eine außerordentliche Hauptversammlung in Berlin einberufen und will dort den gesamten Aufsichtsrat ablösen und durch Personen seines Vertrauens ablösen.

Das viele Geld, um das jetzt so erbarmungslos gestritten wird, stammt aus dem Verkauf einer Beteiligung. Früher stellte das Unternehmen Plastikgehäuse für Handys unter anderem von Nokia her, ein Geschäft, das wegen des Niedergangs des Marktes für einfache Mobiltelefone irgendwann nicht mehr profitabel war. Doch dafür gelang Balda im Jahr 2006 ein genialer Investment-Schachzug: Es beteiligte sich an der chinesischen TPK-Holding, einem Pionier der Touchscreen-Technologie, die bekanntlich mit der Markteinführung des iPhones von Apple ein Jahr später einen weltweiten Siegeszug antreten sollte. Baldas Anteile an TPK gewannen rasant an Wert. In den Folgejahren verkaufte das Unternehmen die Beteiligung für insgesamt fast 500 Millionen Euro.

Ein Teil des Geldes wurde bereits an die Aktionäre ausgeschüttet, doch den Großteil davon will das Management nun vor allem für Akquisitionen im Bereich der Medizintechnik verwenden. Denn auf diesen Markt will es sich jetzt fokussieren. Was Großaktionär van Aubel vorhat, ist indes noch unklar. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung wollte er dazu noch nichts verraten, attackierte dafür aber den Aufsichtsrat mit deutlichen Worten: „Wir wollen einen Dialog über die Strategie des Unternehmens in Gang bringen, doch mit dem gegenwärtigen Aufsichtsrat ist das nicht möglich“, sagte der Elector-Chef. Vieles deute darauf hin, dass das Unternehmen seine liquiden Mittel nicht sinnvoll einsetze. Die bisherigen Akquisitionen seien operativ schwach oder zu teuer gewesen. „Die Umsatzerwartungen wurden bereits nach einem Quartal gesenkt. Hier werden offensichtlich Mittel verbrannt“, so van Aubel.

Sinnvoller investieren

Anders als häufig kolportiert werde, gehe es Elector nicht darum, eine höhere Ausschüttung für die Aktionäre herauszuschlagen. „ Den Vorschlag, 1,50 Euro Dividende auszuschütten, unterstützen wir“, sagte van Aubel. Doch Balda müsse seine liquiden Mittel sinnvoller investieren. „Das Unternehmen muss so aufgestellt werden, dass es operativ wieder profitabel arbeitet.“ Van Aubel schloss indes aus, dass Elector den Anteil an Balda weiter aufstocken werde. „Sobald wir 30 Prozent halten würden, müssten wir den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten und daran sind wir nicht interessiert.“ Balda sei für Elector ein strategisches Investment, mit dem dauerhaft Wert geschaffen werden solle.

Van Aubel kämpft mit harten Bandagen. Nun erstattete er sogar Strafanzeige gegen Aufsichtsratschef Michael Naschke wegen angeblich versuchten Betruges in Höhe von vier Millionen Euro zulasten der Balda. Ob sich van Aubel auf der Hauptversammlung durchsetzt, hängt auch davon ab, wie viele der übrigen Aktionäre kommen werden: Ist weniger als 60 Prozent des Kapitals anwesend, brächte van Aubel allein mit seinen Anteilen eine Mehrheit zustande.

Aus Sicht von Analysten wäre das eine Katastrophe. „Die Wachstumsperspektiven für Balda sind glänzend. Das Management hat genau den richtigen Kurs eingeschlagen“, sagt Analyst Veysel Taze von der Investmentbank Close Brothers Seydler. Er hält kurzfristig einen Anstieg des Aktienkurses auf sechs Euro für möglich. „Sollte sich aber van Aubel durchsetzen, müsste das wieder in Frage gestellt werden“, sagt Taze.