Fast hätte der Sicherheitsdienst eingreifen müssen, so aufgebracht waren einige Aktionäre: Die außerordentliche Hauptversammlung des Kunststoffherstellers Balda in Berlin entwickelte sich zu einer beispiellosen Schlammschlacht.

Großaktionär Thomas van Aubel hatte die Versammlung einberufen, um den Aufsichtsrat zu stürzen und ihn durch eigene Leute zu ersetzen. Doch was van Aubel mit dem Unternehmen vor hat, wollte er nicht verraten. Stattdessen warf er der Konzernleitung Inkompetenz und Aufsichtsratschef Michael Naschke Betrug an den Aktionären vor. Vor wenigen Tagen hatte er sogar Strafanzeige gegen Naschke gestellt.

Dabei war Naschke zum Zeitpunkt der Rede van Aubels streng genommen gar nicht mehr Aufsichtsratschef. Denn wenige Minuten vorher hatte er sein Amt niedergelegt, um Schaden von der Firma abzuwenden und eine Lösung des Konflikts zu ermöglichen, wie er betonte. Einige der anwesenden Anteilseigner werteten Naschkes Rücktritt als Schuldeingeständnis. Doch die meisten Kleinaktionäre sehen es anders und misstrauen van Aubel. Wütend forderten manche von ihnen den Großinvestor auf, endlich zu verraten, was er mit der Firma vor hat. Doch der ignorierte diese Forderungen konsequent.

Dank des Verkaufs einer lukrativen Beteiligung sitzt Balda auf einem riesigen Vermögen. Das Management will den Großteil davon in neue Geschäftsfelder investieren.