Wer guten Gewissens am morgen in seine Kleidung schlüpfen möchte, der darf offenbar nicht bei den Discountern Kik, Aldi und Lidl shoppen gehen. Diesen Schluss legt eine Studie der Kampagne Saubere Kleidung nahe. Darin werden massive Menschenrechtsverletzungen in den Zulieferbetrieben der Discounter in Bangladesch angeprangert. „Das Sündenregister der Discounter ist skandalös“, kritisierte Sandra Dusch Silva von der Christlichen Initiative Romero, die Trägerorganisation der Kampagne Saubere Kleidung ist.

Für die Studie wurden Ende 2011 insgesamt 162 Mitarbeiter in zehn Fabriken befragt. Nur 41,4 Prozent der Befragten gaben an, einen Vertrag zu besitzen. Neun von zehn Befragten berichteten, dass sie mindestens 13 Stunden pro Tag arbeiten müssten. Genauso viele gaben an, dass sie auch Nachtschichten leisten, die in der Regel nur einen Tag im Voraus angekündigt würden.

Der Umgang in den Fabriken ist rau: „Wenn sich die ArbeiterInnen gegen die Nachtarbeit und das unfreiwillige Ableisten von Überstunden aussprechen, wird ihnen verboten, die Fabrik zu verlassen“, so die Studie. „Bitten die ArbeiterInnen um einige freie Tage, haben sie mit Beschimpfungen und Schikanen – selbst im Krankheitsfall – zu rechnen.“

Und das für Löhne, die nach Angaben der Arbeiter zwischen 24 und 92 Euro pro Monat liegen. Die meisten verdienten zwischen 32 und 41 Euro. Eine Arbeiterin berichtet, dass der Lohn von drei Familienmitgliedern nicht ausreiche, um die monatlichen Kosten der Familie zu decken. Die Studie prangert zudem schlechte Sicherheitsvorkehrungen und sexuelle Übergriffe auf Arbeiterinnen an.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kampagne Saubere Kleidung Arbeitsbedingungen bei den Textillieferanten von Aldi, Kik und Lidl ins Visier nimmt. Lidl und Kik haben darauf mit Trainings zu Sozialstandards reagiert. Doch die zeigen offenbar keine Wirkung. Statt die Arbeitsbedingungen tatsächlich zu verbessern, reagiert das lokale Management offenbar mit der Errichtung Potemkin’scher Dörfer.

Einstudierte Antworten und Klopapier

Wenn die Auftraggeber die Fabriken besuchten, gleiche dies einer Theatervorstellung, so die Studie. Auf Veranlassung des Managements würden die Fabriken im Vorfeld grundgereinigt und gelüftet. Die Sanitäranlagen würden saubergemacht und mit Seife und Klopapier ausgestattet. Die Mitarbeiter müssten Antworten einstudieren, um auf Nachfragen reagieren zu können. „Wir erhalten unseren Lohn am siebten Tag des Monats. (...) Wir arbeiten täglich nicht länger als bis 19 Uhr und machen keine Nachtschichten. Wir können uns jederzeit Urlaub nehmen“, heiße es etwa in einer der vorgegebenen Antworten.

„Vorwürfe unberechtigt“

Der Textildiscounter Kik räumte auf Anfrage ein, „dass wir bei der Sicherstellung sozialer Mindeststandards in der Produktion und bei der Herstellung angemessener Arbeitsbedingungen immer wieder auf verbesserungswürdige Bedingungen stoßen“. Er betonte zugleich, dass er seit 2006 umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung und Kontrolle der Arbeitsbedingungen bei Lieferanten ergriffen habe. Vorwürfe, Kik vernachlässige seine Sorgfaltspflichten, seien unberechtigt.

Lidl widersprach den Vorwürfen nicht. Der Händler verwies auf seine Bemühungen zur Anhebung der Sozialstandards in den Zulieferbetrieben in Bangladesch. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen sei „eine Herausforderung“. Aldi antwortete nicht.

Allerdings stellt sich die Frage, ob die Discounter nicht die Verursacher des Problems sind. Denn wer billig verkaufen will, muss billig einkaufen. Also müssen Hersteller billig produzieren und das geht zulasten der Beschäftigten.