Die Bank of England hat eine Konjunkturprognose veröffentlicht.
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LondonDie Bank of England hat eine zähe Erholung der britischen Wirtschaft vorhergesagt. Die Währungshüter gehen in einer am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturprognose davon aus, dass die Wirtschaftsleistung des Landes erst Ende 2021 wieder das Niveau von vor der Krise erreicht. Dabei dürfte die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas im kommenden Jahr um neun Prozent wachsen, nachdem sie laut Schätzungen im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum letzten Quartal des vergangenen Jahres um rund 20 Prozent eingebrochen war.

Die Corona-Krise hinterlässt auch Spuren auf dem britischen Arbeitsmarkt. Nach Einschätzung der Notenbank ist bis zum Jahresende mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent zu rechnen. Zuletzt lag die Quote für die drei Monate bis Juni bei 3,9 Prozent. Bislang wurden die Konsequenzen für Arbeitnehmer jedoch von kurzfristigen Maßnahmen der Regierung wie dem sogenannten Job Retention Scheme abgefedert. Berichten zufolge waren insgesamt mehr als neun Millionen britische Arbeitnehmer auf Staatskosten frei gestellt. Das Programm, bei dem der Staat 80 Prozent der Gehälter gezahlt hatte, soll aber bis Ende Oktober phasenweise auslaufen.

Nächsten Monate entscheiden über Zukunft der Johnson-Regierung 

Premierminister Boris Johnson und seine Regierung könnten ihren Aufgaben nicht gewachsen sein, meint der Londoner Independent am Freitag. Das Blatt schreibt: „Der Premierminister und seine Regierung haben, was die Meinungsumfragen betrifft, einen Vertrauensvorschuss erhalten. Jedoch sind die Zustimmungsraten von Boris Johnson stetig gesunken, und damit ist auch der Vorsprung der Konservativen vor Labour erodiert. Die nächsten Monate werden über die Zukunft der Johnson-Regierung entscheiden. Sie wird konfrontiert sein mit dem Coronavirus, der saisonalen Grippe, einer anhaltenden schweren Rezession, dem No-deal- Brexit und, was eher spekulativ ist, mit Überschwemmungen. Die Bilanz dieser leistungsschwachen und arroganten Regierung lässt vermuten, dass sie den Herausforderungen nicht gewachsen sein wird.“

Als Folge der Coronavirus-Pandemie müssen zahlreiche Unternehmen Konsequenzen ziehen. So plant die Restaurantkette Pizza Express die Schließung von etwa 70 Filialen. Dies könnte mit dem Verlust von bis zu 1100 Stellen einhergehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Pizza Express hat 449 Läden in Großbritannien und zahlreiche weitere Filialen in anderen Staaten. Mit der Schließung von Dutzenden Restaurants sollen unter anderem Mieten eingespart und 9000 weitere Arbeitsplätze gesichert werden. Die Entscheidung sei aber noch nicht endgültig getroffen, hieß es. Die Kette mit Sitz im englischen Uxbridge gehört dem chinesischen Unternehmen Honey Capital. Pizza Express wurde 1965 in London gegründet.