Die Bank of Japan gab am Donnerstag bekannt, künftig gigantische Summen in die Wirtschaft zu pumpen. Die Börsen rund um die Welt reagierten begeistert. Doch ist es ein gigantisches Experiment – mit ungewissem Ausgang.

Um das Wirtschaftswachstum anzutreiben, zielen die Zentralbanker auf den Zins. Er soll sinken. Dafür haben sie die Leitzinsen auf nahe Null Prozent gesetzt, damit die Banken sich billig Geld leihen können und dieses Geld zu niedrigen Zinsen weiterverleihen. Günstige Kredite sollen so Unternehmen zu Investitionen und Haushalte zum Konsum animieren. Daneben haben die Notenbanken die Geldschleusen geöffnet. Sie kaufen an den Finanzmärkten Anleihen und andere Wertpapiere auf, drücken so Milliarden in den Markt, was die Zinsen weiter senken soll.

Die Geld-Druckerpresse rotiert

Die Summen sind riesig. So erwirbt die US-Fed monatlich Papiere über 85 Milliarden Dollar, in den vergangenen Jahren hat sie ihren Wertpapierbestand auf 2,8 Billionen Euro erhöht. Diese Politik will die Fed so lange fortführen, bis die Wirtschaft anspringt und die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent fällt. Die Bank of England hat sich bislang Anleihen für knapp 600 Milliarden Dollar zugelegt. Einige britische Zentralbanker wollen das Kaufprogramm nun ausweiten. Schließlich steht Großbritannien vor der nächsten Rezession.

Einen radikalen Schritt tut nun die Bank of Japan. Sie lässt die Geld-Druckerpresse rotieren und will so die Inflationsrate in zwei Jahren auf zwei Prozent hieven. Denn die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt leidet unter Deflation, also unter einem sinkendem Preisniveau.
Seit einem Jahrzehnt ist das japanische Wirtschaftswachstum schwach. Das Lohnniveau sinkt, damit geht auch die Nachfrage nach Gütern zurück. In diesem Umfeld können die Unternehmen keine höheren Preise durchsetzen. Sie sparen daher, rationalisieren und verlegen Produktion ins billigere Ausland, was das Lohnniveau weiter drückt. Folge: In den vergangenen zehn Jahren sanken die Preise durchschnittlich jedes Jahr um 0,5 Prozent. Das ist die Deflation.

Die japanische Regierung hatte mehrfach versucht, durch staatliche Konjunkturprogramme die Flaute zu beenden - erfolglos. Zurück blieben nur riesige Staatsschulden. Noch ist der Schuldenberg zu finanzieren, denn die Zinsen sind niedrig. Doch das liegt nur an der großen Nachfrage der Japaner nach Staatsanleihen. „Auf Dauer ist dieses Modell nicht tragfähig“, urteilt die Commerzbank. Denn in spätestens zehn Jahren überstiegen die staatlichen Schulden die privaten Vermögen der Japaner. Dann muss sich Tokio im Ausland nach Geldgebern umsehen – und das bedeutet höhere Zinsen und möglicherweise eine Staatsschuldenkrise, warnen die Commerzbanker.

Bank of Japan will Export ankurbeln

Die Bank of Japan feuert daher aus allen Rohren. Sie kauft alles auf, was der Finanzmarkt zu bieten hat. Jedes Monat will sie japanische Staatsanleihen im Wert von sieben Billionen Yen (58 Milliarden Euro) erwerben. Daneben gibt sie jährlich eine Billion Yen mehr aus für den Kauf von börsengehandelten Fonds (ETF). Für zusätzliche 30 Billionen sollen Anteile von japanischen Immobilienfonds (J-REITS) erworben werden.

Mit diesen Maßnahmen will die Zentralbank die Geldbasis (Bargeld und Bankeinlagen) pro Jahr um 60 bis 40 Billionen Yen steigern und bis 2014 verdoppeln. Die Liquiditätsflut soll das Zinsniveau weiter drücken, die Wirtschaft ankurbeln und die Inflationsrate auf zwei Prozent anheben.
Japan geht bei der Krisenbekämpfung aufs Ganze. Der Erfolg ist jedoch nicht sicher. „Die Zinsen liegen in Japan schon extrem niedrig“ sagt Marco Wagner, Japan-Spezialist bei der Commerzbank. So zahlt Tokio derzeit auf zehnjährige Staatsanleihen nur enen Zins von 0,5 Prozent. „Schlechte Finanzierungsbedingungen sind nicht das Problem Japans.“

Wagner vermutet daher, dass es den Japanern nur um eins geht: eine Abwertung der Landeswährung, um den Export anzukurbeln. Zwar werde den anderen Staaten versichert, es ginge der Bank of Japan nur um ein Ende der Deflation. „Das eigentliche Ziel der Regierung“, so Wagner, „ist die Schwächung des Yen.“