München - „Ich will mich selbst übertreffen“, hat Barbara Kux einmal über ihre beruflichen Ziele gesagt. Bei Siemens ist ihr das offenbar nicht gelungen: Ihr Vertrag wird wohl nicht verlängert.

Dabei fing es so alles gut Als sie 2008 als Chefeinkäuferin in den Vorstand einzog, wurde das als Sinnbild für eine Art Kulturrevolution gefeiert: Erstmals in der 164-jährigen Siemens-Geschichte arbeitete auch eine Frau in dem Spitzengremium. Das will der Aufsichtsrat des Münchner Technologiekonzerns am kommenden Mittwoch offenbar ändern. Der noch ein Jahr laufende Vertrag der 58-jährigen Schweizerin werde aller Voraussicht nach nicht verlängert, heißt es hinter den Kulissen. Siemens schweigt dazu: „Zu Gerüchten nehmen wir keine Stellung“, sagte ein Sprecher.

Im Zentrum des Sparprogramms

Der Abgang der Managerin wäre bemerkenswert. Das Kux-Ressort steht im Zentrum des neuen Sparprogramms. Allein im Einkauf sollen bis Ende 2014 drei von insgesamt sechs Milliarden Euro gespart werden. Wenn Kux also bis Ende 2013 und damit bis Ende ihrer Vertragslaufzeit im Vorstand bleibt, würde Siemens für dieses Schlüsselressort auf halber Strecke den Chefposten neu besetzen. Fraglich ist allerdings, ob der Konzern überhaupt einen neuen Einkaufsvorstand benennen wird. Die konzerninternen Widerstände gegen einen stark zentralisierten Einkauf sind groß.

Sich selbst übertroffen hat die gebürtige Züricherin beim sparsamen Einkaufen nicht, monieren Kritiker. Sonst wäre wenige Jahre nach ihren Bemühungen nicht eine neue Sparrunde in Milliardenhöhe fällig. Um 1,2 Milliarden Euro habe man das Einkaufsvolumen unter Kux per annum reduziert, hatte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser vor kurzem gesagt. Nun soll noch mehr gespart werden.

Siemens hatte das Amt des Einkaufschefs seinerzeit eigens für Kux geschaffen, um sie vom niederländischen Rivalen Philips nach München zu lotsen. „Siemens ist das einzige der im Dax 30 notierten Industrie-Unternehmen mit einem weiblichen Vorstandsmitglied“, brüsteten sich die Münchner seinerzeit. Im vergangenen Jahr hat sie mit knapp vier Millionen Euro Gesamtbezügen mehr verdient als jeder andere Vorstandskollege mit Ausnahme Löschers. Damit gilt Kux auch als bestbezahlte Chefin Deutschlands.