Frankfurt - Vielleicht wird man beim Besuch von Freunden in vier, fünf Jahren zunächst einmal in den Keller geführt. Um einen Kasten an der Wand zu bestaunen, auf dem womöglich der Namenszug nebst Logo von Tesla oder der Mercedes-Stern prangt. In dem Kasten wird Strom gespeichert, der von der Solaranlage auf dem Dach erzeugt wird. „Photovoltaik plus Keller-Batterie wird vom Bereich der Investitionsgüter in den Bereich der Konsumgüter wandern. Das wird nicht aufzuhalten sein“, sagt Felix Matthes, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik beim Öko-Institut. Der Batterie-Boom wird die deutsche Strombranche kräftig durcheinanderwirbeln.

Batterien für den Keller – das ist nichts Neues. Etwa seit Beginn des Jahrzehnts werden es jedes Jahr mehr. Nach einer gerade vorgelegten Studie der RWTH Aachen wurden im vorigen Jahr rund 31.000 neue dezentrale Akkus meistens in Eigenheimen installiert. Ihre Gesamtzahl sei damit auf etwa 85.000 gestiegen. Jeder Zweite, der sich eine neue Solaranlage kauft, nimmt die Batterie dazu, die aktuell eine Kapazität von acht Kilowattstunden im Schnitt hat.

Das macht es möglich, dass Eigenheimer-Besitzer in der Regel etwa die Hälfte des gesamten Strombedarfs mit der selbstgemachten Elektrizität abdecken können. Wobei die Autoren der RWTH-Studie betonen, dass diese Teil-Autonomie in einer großen Zahl von Idealisten praktiziert wird, die die Energiewende unterstützen wollen. Technikfans kämen hinzu.

Strom selbst nutzen oder einspeisen

„Renditeerwartungen“ spielten bei knapp der Hälfte der Investoren keine Rolle. Nur so lässt sich die steigende Nachfrage erklären. Denn: „Stromspeicher für Eigenheimbesitzer mit Photovoltaikanlagen sind noch kein Gewinnmodell“, sagt Peter Schossig vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Die stolzen Besitzer einer Solarstromanlage können den gerade erzeugten Strom zuallererst unmittelbar selbst nutzen. Doch wenn die Sonne so vom Himmel knallt wie in diesem Sommer, entstehen ständig große Überschüsse. Die können ins Netz eingespeist werden.

Wer eine der üblichen Solarstrom-Hausanlagen dieser Tage installiert, bekommt dafür 12,6 Cent pro Kilowattstunde – für die nächsten 20 Jahre. Wer den Strom in einer Batterie speichert, um ihn dann vor allem abends zu nutzen, spart dann zwar beim Strom vom örtlichen Versorger, der im Schnitt knapp 30 Cent pro Kilowattstunde verlangt. Dennoch lohnt das meisten nicht, weil die Menge des Speicherstroms zu gering und die Kosten für die Batterie zu hoch sind. Der Akku kostet im Durchschnitt 10.000 Euro. Wird die Investition per Kredit finanziert, fallen jedes Jahr mehrere hundert Euro an Zinszahlungen an.

Akku-Preise stark gesunken

Doch in der RWTH-Studie ist nachzulesen, dass sich die Akku-Preise seit 2013 halbiert haben. Sie liegen aktuell bei 1300 Euro pro Kilowattstunde, inklusive Mehrwertsteuer und der notwendigen Elektronik für die Steuerung. Weitere Preissenkungen seien zu erwarten. Daran hat auch Fraunhofer-Experte Schossig keinen Zweifel: „Wir kommen der Schwelle für einen lukrativen Betrieb immer näher.“ Sie könne schon innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre erreicht werden. Treiber dieser Entwicklung ist die Elektromobilität. Denn sowohl in den stationären Eigenheim-Speichern als auch in den Elektromobilen werden Lithium-Ionen-Akkus eingesetzt.

Um deren Produktion hochzufahren, sind Dutzende sogenannter Gigafactorys entweder schon in Bau oder in Planung, auch in Europa. So geht Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger davon aus, dass sich der globale Bedarf bis 2020 auf rund 200 Gigawattstunden steigern wird - etwa vier Millionen E-Pkw ließen sich dann mit Batterien ausstatten. Das wäre fast eine Verdreifachung im Vergleich zu 2017. Im Jahr 2025 würden weltweit sogar Akkus mit einer Gesamtkapazität von 800 Gigawattstunden produziert. Davon etwa 200 Gigawattstunden in Europa. Allein diese gigantische Ausweitung der Mengen, wird die Batterien erheblich billiger machen.

Daimler und Tesla entwickeln Speicher

Eine weitere Halbierung der Herstellungskosten wird in vielen Studien für spätestens 2025 erwartet. Das heizt die Nachfrage an, wodurch die Stückzahlen weiter steigen: ein Turbo-Effekt, der nicht nur E-Autos, sondern als positive Nebenwirkung auch die Keller-Speicher erheblich billiger und zu einem Produkt macht, dass womöglich eines Tages auch im Baumarkt erhältlich sein wird. Oder beim Autohändler. Daimler oder der E-Autobauer Tesla sind bereits im Geschäft mit stationären Speichern aktiv.

Treten diese Szenarien ein, wird eine teil-autonome Stromversorgung ein Massenphänomen. „Wir erwarten, dass wir in einem Extremszenario bis zu 15 Prozent des Stromverbrauchs durch dezentrale Eigenverbrauchslösungen abdecken können“, erläutert Matthes. Die Folgen wären weitreichend. Die Einnahmebasis von Stadtwerken und von Betreibern großer Kraftwerke würden erschüttert, weil sie erheblich weniger elektrische Energie verkaufen können.