Bayer-Campus bekommt neues Forschungszentrum

Der Pharmakonzern Bayer gibt Teile seiner Berliner Forschung an den bayerischen Mittelständler Nuvisan ab. Dieser will allerdings in Berlin investieren. 400 Bayer-Jobs sollen dorthin verlagert werden.

Berlin-Dass der Leverkusener Chemiekonzern Bayer für seine in Berlin ansässige Pharmasparte tiefgreifende   Strukturveränderungen plant, ist seit eineinhalb Jahren bekannt. Seit dem herrscht große Unruhe im früheren Schering-Komplex an der Müllerstraße in Berlin-Wedding. Vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung drohten Stellenstreichungen, Forschungsaufträge sollten stärker als bisher nach außen vergeben werden.

An der Müllerstraße in Wedding hat die Pharma-Sparte der Bayer AG ihren Hauptsitz.
An der Müllerstraße in Wedding hat die Pharma-Sparte der Bayer AG ihren Hauptsitz.afp

Nun wird es konkret: Bayer hat mit dem bayerischen Unternehmen Nuvisan die Übernahme eines großen Teils seiner in Berlin ansässigen Forschung auf dem Gebiet kleinmolekularer Wirkstoffe vereinbart. Allerdings bleibt die Forschung in der Stadt. Denn Nuvisan wird auf dem Bayer-Campus in Wedding eigens ein Forschungszentrum errichten, in dem einmal rund 400 Mitarbeitern tätig sein sollen. Das gab die Bayer AG am Dienstag bekannt, eine Investitionssumme wurde nicht genannt.

Berlin bleibt Hauptsitz der Pharmasparte

„Mit Nuvisan haben wir einen exzellenten Partner gefunden, der in Berlin eine starke, alle Gewerke umfassende Forschungseinheit zusammen mit unseren engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufbauen wird“, sagte Jörg Möller, Forschungschef der Pharma-Division der Bayer AG. Die übrigen Forschungsaktivitäten von Bayer sollen in Berlin bleiben. Ebenso soll die Pharmasparte weiterhin hier ihren Hauptsitz haben.

Der neue Partner, das Unternehmen aus Neu-Ulm, ist ein internationaler Dienstleister im Bereich der klinischen Studien, Labordienstleistungen und der Auftragsfertigung für die pharmazeutische Industrie. Nuvisan betreibt mehrere Standorte und Kliniken in Deutschland und Frankreich. Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen mit 420 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 55 Millionen Euro. Nun hofft man in Bayern auf Wachstum. „Mit diesen neuen Kompetenzen und Kapazitäten auf dem Gebiet der Wirkstoffforschung können wir nicht nur ein leistungsstarkes Expertenteam begrüßen, sondern erhalten auch Zugang zu erstklassigem Fachwissen und Technologien“, so Nuvisan-Chef Dietrich Bruchmann.

"Möglichst viele Jobs in Berlin erhalten"

Im Senat wird die Entscheidung von Bayer freilich gefeiert. Diese zeige, dass Berlin ein Top-Standort der Gesundheitswirtschaft ist, ließ die grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop mitteilen. „Damit gibt Bayer ein klares Bekenntnis zum Standort Berlin“, sagte sie. Wie in der Senatswirtschaftsverwaltung zu erfahren war, hätten der Regierende Bürgermeister und die  Wirtschaftssenatorin im Vorfeld der Entscheidung enge Gespräche mit der Bayer-Führung zur Standortfrage geführt. „Es ging darum, möglichst viele Jobs in Berlin zu halten.“

Wie viele der 400 angekündigten Jobs im neuen Forschungszentrum letztlich von Bayer-Mitarbeitern besetzt werden, ist indes unklar. „Eine Reihe von Wissenschaftlern“ werde von Bayer in den Nuvisan-Bereich wechseln, sagte eine Bayer-Sprecherin am Dienstag. Genaue Zahlen könne man noch nicht nennen. In jedem Fall bleibe Berlin einer der weltweit wichtigsten Forschungsstandorte von Bayer.

Tatsächlich ist Bayer in dieser Stadt einer der 20 größten Arbeitgeber. Die von hier aus geführte Pharma-Division des Leverkusener Konzerns brachte es zuletzt auf einen Jahresumsatz von knapp 17 Milliarden Euro und verantwortete damit immerhin gut 40 Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Etwa 5000 Mitarbeiter hat das Unternehmen in Berlin, von denen etwa 2000 im Forschungs- und Entwicklungsbereich tätig sind. Noch im vorigen Frühjahr befürchtete man in der Belegschaft den Verlust von bis zu 600 Jobs in der Forschung.