Benko zeigt Interesse: Berggruen will Karstadt loswerden

Nicolas Berggruen will bei Karstadt endgültig aussteigen. Offenbar verhandelt der Investor mit der österreichischen Signa-Gruppe über den Verkauf der Warenhaus-Gesellschaft mit 83 Filialen. Wie in solchen Fällen üblich, wollte keiner der Beteiligten dazu eine Stellungnahme abgeben.

Insider halten es aber für plausibel, dass der Deal schon bald über die Bühne gehen könnte. Denn Karstadt braucht dringend Geld, weil die Geschäfte immer zäher laufen und sich ein Investitionsstau gebildet hat.

Die Firma Signa, die dem Immobilien-Entwickler René Benko gehört, hat, wie bekannt, eine Option, 70 Prozent des Kaufhaus-Betreibers zu übernehmen. Wie die Bild-Zeitung berichtete, will Benko die Option ziehen und – wie schon damals Berggruen – nur einen Euro für den Kauf bezahlen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte vorsorglich: Sollte Benko zum Zuge kommen, müsse er einen Plan vorlegen, „wie die Zukunft von Karstadt und der Beschäftigten gesichert werden kann“. Schon Berggruen sei dieses Konzept schuldig geblieben.

Der überraschende Abgang der Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt zu Wochenbeginn soll auch im Zusammenhang mit der geplanten Transaktion stehen. Die Managerin hatte erst vor fünf Monaten ihren Job bei Deutschlands zweitgrößtem Kaufhausbetreiber angetreten.

Am Montag erklärte sie, dass „in genauer Kenntnis der wirtschaftlichen Rahmendaten“ die Voraussetzungen für die von ihr geplante Sanierung nicht gegeben seien. Womöglich wurde Sjöstedt klar, dass sie nur als eine Art Strohfrau fungierte – um vor allem die Belegschaft zu beruhigen.

Berggruen und Benko sind bereits Geschäftspartner. Die Firma des Österreichers erwarb gemeinsam mit dem Diamantenhändler Beny Steinmetz im September 2013 einen Anteil von jeweils 75 Prozent an den lukrativen 28 Karstadt-Sporthäusern und an der Nobelsparte des Konzerns, zu der das KaDeWe Berlin gehört. Knapp ein Viertel ist bei Berggruen geblieben. Als Gegenleistung stellte Signa 300 Millionen Euro bereit, die zur „Stärkung der Karstadt-Gruppe“ investiert werden sollten.

Unklar ist, wie viel von dem Geld bereits geflossen ist. Benko ist auch Eigentümer von 20 Kaufhaus-Immobilien, die an Karstadt vermietet sind. Es handelt sich um Häuser in besten Innenstadtlagen. Käme ein Verkauf zustande, wäre bei Karstadt wieder alles in einer Hand.

Knapp bei Kasse

Doch auch Signa dürfte für Karstadt nur eine Zwischenstation sein. Das Unternehmen hat im Einzelhandel keine Erfahrung. Es ist auf Immobilien spezialisiert. Deshalb dürfte Benkos Interesse an den Gebäuden liegen, mit deren Vermietung sich inzwischen bessere Geschäfte als mit dem Betreiben von Kaufhäusern machen lassen.

Eigentlich müssten jetzt Textilien für das Herbst- und Wintergeschäft eingekauft werden. Tatsächlich sollen aber Karstadt Bestellungen in größerem Stil storniert worden sein. Das deutet darauf hin, dass Karstadt knapp bei Kasse ist. Das könnte ein Grund dafür sein, dass Berggruen nun forciert einen Verkauf angeht.