Berggruen Karstadt: KaDeWe im Sonderangebot

Der deutsch-amerikanische Milliardär Nicolas Berggruen überträgt die Filetstücke des Karstadt-Warenhauskonzerns an das österreichische Immobilien-Unternehmen Signa. Damit fallen der Firma mit Sitz in Wien 75,1 Prozent der Anteile am Berliner KaDeWe, dem Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München sowie an 28 Häusern der Karstadt-Sport-Gruppe zu. Der Deal hat ein Volumen von 300 Millionen Euro. Die Kartellbehörden müssen ihn noch prüfen. Das Kerngeschäft mit 83 Warenhäusern bleibt hingegen komplett bei Berggruen.

Mit der Transaktion bewahrheiten sich aber Befürchtungen von Arbeitnehmervertretern. „Dieser Schritt bedeutet die Zerschlagung des Unternehmens“, erklärte Stefanie Nutzenberger vom Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Das Geschäft hat noch eine ganz besondere Dimension. Es fließt kein Geld direkt an Berggruen. Die 300 Millionen Euro würden von Signa „in die Standorte und die Modernisierung von Karstadt investiert“, teilte Berggruens Holding-Gesellschaft am Montag mit. Nach Angaben von Signa dienten die Mittel „der Modernisierung der einzelnen Standorte und zur Stärkung der Karstadt-Gruppe, um Karstadt langfristig abzusichern“. Am Montag waren viele Details des Geschäfts noch unklar. Dazu zählte auch, welche Häuser konkret von den Investitionen profitieren sollen.

Signa ist der größte Eigentümer von Karstadt-Immobilien. Der österreichischen Firma gehören nach eigenen Angaben „20 Warenhäuser in besten Innenstadtlagen“, die langfristig an Karstadt vermietet sind. Der Kaufhauskonzern betreibt dort noch das operative Geschäft. Zu diesen Standorten zählten auch das KaDeWe und Oberpollinger, sagte ein Signa-Sprecher dieser Zeitung. Ob Signa auch Sporthäuser besitzt, wollte er nicht sagen.

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Branchenkenner sprachen von einem „äußerst geschickten Deal“. Einerseits sehe das Geschäft auf den ersten Blick so aus, als gehe Berggruen nun die Sanierung von Karstadt forciert an. Betriebsräte, Gewerkschafter und Lieferanten hatten sich in der Vergangenheit mehrfach darüber beklagt, dass Berggruen die längst überfällige Renovierung vieler Standorte nicht entschieden genug betreibe. Zugleich schafft es der Milliardär, kein eigenes Geld für Modernisierungen aktivieren zu müssen.

Darüber hinaus halten es Insider für denkbar, dass ein Großteil der 300 Millionen in die Luxushäuser gehen könnte. Der Hintergrund: Mit dem Deal sind sowohl die Immobilie als auch das operative Geschäft zumindest im Falle von KaDeWe und Oberpollinger in einer Hand. Damit könnte es für Signa einfacher werden, nach einer Modernisierung die Häuser gewinnbringend weiter zu veräußern. Berggruen würde mitkassieren, denn ihm gehören noch immer fast 25 Prozent an den Nobel-Kaufhäusern.

Vom Karstadt-Management war zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten. Verdi forderte, die Belegschaft brauche nun Klarheit darüber, was der Verkauf für sie bedeute. Die Ankündigungen schürten Ängste bei den Beschäftigten. „Es wäre gut gewesen, wenn Berggruen auf eigene Mittel zurückgegriffen und das Unternehmen als Ganzes erhalten hätte, erklärte Nutzenberger. Sie forderte einen Tarifvertrag über eine Standort- und Beschäftigungssicherung, „um den Menschen bei Karstadt eine verlässliche Perspektive zu geben“.

Berggruen teilte indes mit: „Dies ist mein Beitrag zur weiteren Gesundung des Unternehmens und mein klares Bekenntnis zum Geschäftsmodell Warenhaus.“ Der Investor setzt mit seinem Verkaufscoup eine Strategie fort, die er seit der Übernahme von Karstadt im Juni 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro verfolgt: Der zunächst als Retter gefeierte Investor hat bisher so gut wie kein eigenes Geld in die Karstadt-Gruppe gesteckt. So stammten 160 Millionen an Investitionsmitteln im vergangenen Jahr aus dem operativen Geschäft. Ferner läuft ein Sanierungsplan mit der Streichung von mehreren Tausend Stellen. Karstadt ist auch aus der Tarifbindung ausgestiegen.

Hinter Signa steht der Investor René Benko, der einst die Kaufhof-Kaufhäuser übernehmen wollte. Die Übernahme scheiterte aber, weil die Metro-Gruppe die Verkaufspläne für ihre Warenhaus-Tochter zurücknahm.