Die IAA könnte von Frankfurt am Main nach Berlin umziehen. Die Stadt hat gute Chancen.
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BerlinIm Rennen um die nächste IAA hat Berlin die erste Hürde genommen. Gemeinsam mit Hamburg und München gehört Berlin zu den Finalisten. Eine endgültige Entscheidung will der Verband der Automobilindustrie in den nächsten Wochen treffen.

Damit sind Stuttgart, Köln, Hannover und auch Frankfurt am Main, wo die IAA seit 1951 stattfand, raus.  Die sieben Städte hatten sich für die Austragung der Internationalen Automobilausstellung 2021 beworben und dafür Ende vergangener Woche in der VDA-Zentrale am August-Bebel-Platz   ihre Konzepte präsentiert. Am Mittwochabend legte sich der 19-köpfige Vorstand des Verbandes dann auf die Finalisten fest.

Sehr großes Interesse

„Wir freuen uns über das sehr große Interesse an der neuen IAA“, heißt es in einer entsprechenden Erklärung. Der VDA-Vorstand habe die verschiedenen Konzepte und Ideen in seiner Sitzung intensiv behandelt und die Entscheidung getroffen, mit den Städten Berlin, Hamburg und München weitere Gespräche zu führen und zudem konkrete Vertragsverhandlungen aufzunehmen. Eine Entscheidung über die Stadt, in der die nächste IAA stattfinden wird, sei in den nächsten Wochen zu erwarten.

Aber nicht nur der Veranstaltungsort, auch das Konzept der neuen IAA ist derzeit unklar. Die neue IAA werde sich grundlegend wandeln, hatte VDA-Chef Marin Koers im Vorfeld angekündigt. Statt nur Messe solle die IAA eine Mobilitätsplattform werden, die auch außerhalb der Messehallen stattfindet und direkt zu den Menschen kommt. „Für die austragende Stadt soll sie Impulsgeber für ein neues Mobilitätskonzept sein. IAA-Besucher sollen bereits bei der Ankunft am Flughafen oder Bahnhof erleben können, wie Smart Mobility in einer Smart City funktioniert. Deshalb ist es entscheidend, dass das Konzept der neuen IAA mit dem der austragenden Stadt optimal ineinandergreift und kompatibel ist.“

Seitenhieb in Richtung Senat

Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK Berlin, war am vergangenen Donnerstag mit dabei, als sich Berlin beim VDA präsentierte. Nun freut sie sich über den Erfolg: „Berlin ist nun in der Endrunde um die IAA. Darauf können wir stolz sein“, sagte sie am Mittwochabend. „Wir wollen das Schaufenster der Deutschen Schlüsselindustrie bei uns in Berlin neu aufbauen.“ Jetzt komme es darauf an, dass im Endspurt alle an einem Strang ziehen, um die IAA in ihre Geburtsstadt zurück zu holen, sagte sie und platzierte damit einen Seitenhieb in Richtung Senatswirtschaftsverwaltung. Denn Senatorin Ramona Pop (Grüne) hatte sich im Dezember auf dem Parteitag der Berliner Grünen noch für eine IAA in Berlin stark gemacht, doch die Delegierten stimmten schließlich mit einer knappen Mehrheit gegen eine Bewerbung für die Automesse. Am Ende nahm die Wirtschaftssenatorin Berlins auch nicht am Casting zur IAA-Austragung am vorigen Donnerstag in der VDA-Residenz teil. Dafür gehörte der Fußballer Klinsmann zum Bewerberteam.

Tatsächlich fand die Internationale Automobilausstellung erstmals 1897 im Berliner Hotel Bristol statt. Die erste Schau mit dem Namen „Automobil-Ausstellung“ folgte dann fünf Jahre später in den S-Bahnbögen an der Friedrichstraße.  Erst 1951 wanderte sie nach Frankfurt am Main ab und erlebte dort zuletzt einen erdrutschartigen Besucherschwund.

Dass es in den nächsten Wochen der Entscheidung über die IAA 2021 nicht nur um Konzepte gehen wird, kann man sich denken, wenn der VDA von „Vertragsverhandlungen“. In der Tat geht es auch um Geld. Denn der Automobilverband finanziert sich zu einem großen Teil aus den Einnahmen der IAA. Bislang war der Verband Veranstalter, der das Messegelände buchte und an die Aussteller weiter vermietete. Das passt mit dem angestrebten neuen Konzept der Messe nicht mehr zusammen.