Kurzarbeiter auf einer Baustelle.
Foto: dpa/Julian Stratenschulte

BerlinDie Zahl der Arbeitslosen in Berlin ist weiter gestiegen. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte, waren im Juni insgesamt 209.360 Berliner als arbeitslos registriert. Das waren gut 8700 Arbeitslose mehr als noch im Vormonat und so viele wie zuletzt Anfang 2014. Seit März, als die Epidemie in der Stadt ankam, haben damit mehr als 50.000 Berliner ihren Job verloren. Was die aktuellen Zahlen auch zeigen: Ausländer und junge Menschen sind die größten Verlierer auf dem Berliner Arbeitsmarkt.

So hatte gut jeder dritte Berliner, der im Juni ohne Arbeit war, einen Migrationshintergrund. Allein im Juni wuchs die Arbeitslosigkeit unter Ausländern gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 49 Prozent. Ähnlich fällt die Bilanz für junge Menschen aus. Die Jugendarbeitslosigkeit in Berlin stieg binnen eines Jahres um 45 Prozent. Im Juni waren knapp 18.000 Berliner im Alter von 15 bis 25 Jahren von Arbeitslosigkeit betroffen. Im Klartext: Die Jugendarbeitslosigkeit ist in der Bundeshauptstadt etwa doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

„Für all diejenigen, die es auf dem Arbeitsmarkt bislang schon schwer hatten, hat sich die Lage noch einmal verschärft“, sagt Berlins Arbeitssenatorin Elke Breitenbach von der Linken. Beschäftigte ohne eine Berufsausbildung zählten dazu, sagt sie. Allerdings wird der Ausweg daraus durch die Krise nun noch erschwert. Denn die Zahl der Ausbildungsplätze nimmt dramatisch ab. Schon jetzt bieten die Unternehmen 2500 Plätze weniger als vor einem Jahr, und es ist mit einem weiteren Verlust zu rechnen. In einer Umfrage der hiesigen Industrie- und Handelskammer kündigten Unternehmen aus der Tourismusbranche und dem Gastgewerbe bereits an, ihr Ausbildungsangebot um 58 Prozent kürzen zu wollen.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: BA

Damit wird immer deutlicher, dass die Corona-Krise in der Berliner Wirtschaft tiefere Spuren hinterlässt als anderswo. Ging die Arbeitslosigkeit bundesweit seit Jahresbeginn um 18 Prozent nach oben, stieg sie in der Hauptstadt im gleichen Zeitraum um 31 Prozent. Es sind die kleinteilige Struktur und der starke Dienstleistungsbereich, welche die hiesige Wirtschaft anfällig machen. Jobs gingen daher auch im Juni vor allem in der Gastronomie, im Handel und im Dienstleistungsbereich verloren. Die Arbeitslosenquote, die im Mai erstmals seit vier Jahren in Berlin wieder zweistellig war, stieg im Juni weiter auf 10,5 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote noch bei 7,8 Prozent.

Ein noch schnellerer Anstieg der Arbeitslosigkeit wurde vor allem durch Kurzarbeit vermieden. „Die massive Kurzarbeit stabilisiert weiter den Arbeitsmarkt“, sagt Bernd Becking, Regionalchef der Bundesagentur für Arbeit. Allein im Juni meldeten noch etwa 1100 Betriebe für zusammen 11.000 Beschäftigte Kurzarbeit an. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März haben damit nahezu 39.000 Berliner Unternehmen Kurzarbeit für insgesamt 400.000 Beschäftigte angemeldet. Auch dabei rangieren die Gastronomie, der Handel sowie der Dienstleistungssektor ganz vorn.

Bundesweit stieg die Zahl der Arbeitslosen im Juni um etwa 40.000 auf 2.853.000. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent. In Brandenburg waren im Juni insgesamt 86.226 Arbeitslose gemeldet, 754 Personen weniger als im Mai 2020 und 11.870 mehr als im Juni 2019. Die Arbeitslosenquote betrug wie im Vormonat 6,5 Prozent. Sie lag damit um 0,9 Prozentpunkte über der vom Juni 2019.