Der Wunsch der Bundesregierung klang so: Ab dem 1. Juni wird Benzin um rund 35 Cent pro Liter günstiger und der Dieselpreis wird um rund 17 Cent reduziert – wenn denn die Tankstellen den Tankrabatt eins zu eins weitergeben. Doch vor dem 1. Juni hatten viele Tankstellen die Spritpreise nachweislich erhöht, offenbar aus reinen Spekulationsgründen.

Wie wirkt sich der Tankrabatt auf die aktuellen Spritpreise in Berlin aus?

Die Grafiken des bundesweiten Vergleichsportals Mehr-Tanken.de ergeben folgendes Bild für Berlin.

Von 0 Uhr bis 11 Uhr Mittwochmorgen ist ein Liter Super E10 mit 1,86 Euro im Durchschnitt um 31 Cent günstiger geworden. Im Vergleich zur Lage am Vortag kostet Super E10 allerdings nur etwa 28 Cent weniger.

Bei Super E5 ist die Preisentwicklung offenbar noch besser ausgefallen. Ein Liter kostete am Mittwoch um 11 Uhr mit 1,92 Euro etwa 31 Cent weniger als noch um 0 Uhr und 33 Cent weniger als am Vortag. Ein Liter Diesel kostete nach den letzten Daten für Mittwoch um 11 Uhr mit 1,93 Euro entsprechend etwa 13 und 10 Cent weniger.

Und wie haben sich die Preise im Vergleich zum Samstag verändert? Nach Angaben des Bundes der Energieverbraucher hatten die Mineralölkonzerne ja gerade in den letzten zwei bis drei Maitagen die Spritpreise an ihren Tankstellen spekulativ erhöht, um von dem Tankrabatt zu profitieren. Die statistischen Daten des Vergleichsportals Mehr-Tanken.de – Überraschung! – weisen trotzdem eine gewisse Vergünstigung auf: Super E10 ist um 27 Cent, Super E5 etwa um 26 Cent und Diesel um rund 9 Cent günstiger geworden.

Auffälliger Preisunterschied an diversen Tankstellen

Hiermit gehört Berlin neben Brandenburg, Thüringen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu den Bundesländern mit den höchsten Spritpreisen. Und wie sieht es an Berliner Tankstellen aus?

Das Super E10 kostet derzeit nach Angaben des Vergleichsportals Mehr-Tanken.de bei Aral zwischen 1,79 Euro an Stadträndern und 2,10 Euro in Grunewald.

Bei Shell: zwischen 1,82 Euro etwa in Rummelsburg und 1,88 Euro in der Oranienburgerstr. in Mitte.

Bei TotalEnergies: zwischen 1,79 Euro in Buch an der Grenze zu Brandenburg und 1,86 Euro in Tempelhof.

Bei Star: zwischen 1,79 Euro in Steglitz und 1,85 Cent in Waidmannslust.

Der große Preisunterschied hängt nicht nur mit der Lage zusammen, sondern auch damit, dass nicht alle Tankstellen den Tankrabatt weitergegeben haben. Grund dafür ist, dass die gesenkte Steuer nicht beim Verkauf an der Zapfsäule, sondern ab Tanklager beziehungsweise Raffinerie anfällt. Also sind einige vor Mitternacht gelieferte Vorräte der Tankstellen noch mit dem normalen höheren Steuersatz belastet. Das gilt auch für die Beschaffungen innerhalb eines Mineralölkonzerns.

Bundesverband Freier Tankstellen: Existenzgefahr bei unabhängigen Tankstellen

Was für den Verbraucher gut ist, kann die konzernunabhängigen Tankstellen jedoch in die Pleite führen. Höhere Spritpreise sind für diese von Vorteil, denn sie haben relativ höhere Betriebskosten. Deswegen kann man davon ausgehen, dass kleinere Anbieter wie Sprint oder Westfalen den Tankrabatt nicht sofort weitergeben.

„Kleinere Spritanbieter können den Tankrabatt schlechter weitergeben, weil sie weniger Flexibilität haben“, sagt die Berlin-Sprecherin des Bundesverbandes Freier Tankstellen, Sarah Schmitt, der Berliner Zeitung. „Die haben ja natürlich noch die teure Ware im Tank, die hoch besteuert ist, und brauchen eventuell ein paar Tage, bis sie den Tankrabatt weitergeben können.“ So lag der E10-Preis an einer Sprint-Tankstelle in Berlin am Mittwochmorgen bei 1,90 Euro pro Liter und der Diesel-Preis bei 2 Euro.

„Es geht für die kleinen Tankstellen wirklich um die Liquidität, sodass Preisreduzierungen für sie eine Insolvenzgefahr bergen, wenn sie gezwungen sind, den Tankrabatt weiterzugeben“, so Sarah Schmitt.