BerlinKeine Tourismusregion Deutschlands leidet so sehr unter den Folgen der Corona-Pandemie wie Berlin. Zwischen Januar und September 2020 ist die Zahl der gewerblichen Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als 58 Prozent eingebrochen – das zeigt eine Untersuchung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr (DWIF) im Auftrag des Deutschen Tourismusverbandes (DTV). „Der Städte- und Kulturtourismus in Deutschland leidet generell besonders unter den Folgen der Corona-Krise“, sagte DTV-Präsident Reinhard Meyer bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag. „Berlin ist hier besonders betroffen.“

Besonders das Ausbleiben ausländischer Touristen fällt hier ins Gewicht: In den ersten acht Monaten des Jahres 2020 kamen 70 Prozent weniger Gäste aus dem Ausland nach Berlin als in einem normalen Jahr.

Allein in den Monaten von März bis Juni betrug der Umsatzverlust im Berliner Tourismusgeschäft 3,3 Milliarden Euro, wie das Reiseportal Visit Berlin mitteilte. Auch nach den Sommerferien zeichnete sich keine echte Erholung ab: Dem Datenportal STR-Global zufolge ging die Zahl der gebuchten Zimmer für September in Berlin um 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Grafik: BLZ/Sabine Hecher, Quelle: dwif 2020

Ähnlich betroffen sind auch andere Metropolregionen Deutschlands. München und Düsseldorf verzeichneten zwischen Januar und August 2020 einen Übernachtungsrückgang von je rund 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, vor dem Main- und Taunusgebiet (minus 53,5 Prozent) und der Städteregion Nürnberg (minus 51,9 Prozent). Etwas glimpflicher kamen vor allem die Küstenregionen davon; in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gab es von Januar bis August 21 Prozent weniger Übernachtungen.

Wie Berlin leiden auch die anderen großen Städte in Deutschland vor allem unter dem Wegfall des Veranstaltungsgeschäfts: Messen und Kongresse finden derzeit so gut wie gar nicht statt. Im November wird sich die Situation infolge des Lockdowns nochmal verschärfen. Der Privattourismus hat sich in der Corona-Pandemie wiederum von den Städten, die in den vergangenen Jahren immer zu den Gewinnern der Tourismus-Branche zählten, vor allem ins Outdoor-Segment verlagert: Während Wandern und Radreisen an Bedeutung gewannen, mieden Touristen Städte mit ihren Fußgängerzonen und kulturellen Angeboten – sofern diese überhaupt geöffnet waren.

Grafik: BLZ/Sabine Hecher, Quelle: dwif 2020

Insgesamt meldet die Tourismusbranche in Deutschland zwischen März und August 2020 Umsatzausfälle von 46,6 Milliarden Euro. Durch den Lockdown im November rechnet der DTV nochmals mit einem Minus von 10,2 Milliarden.

DTV-Präsident Meyer sprach von einer Existenzkrise. „Das Verständnis, dass die Tourismusbranche ein wichtiger Teil der Wirtschaft ist, ist in Teilen der Politik immer noch nicht ausgeprägt“, kritisierte Meyer. Auch kämen die bisher vom Bund bereitgestellten Hilfen nicht in ausreichendem Umfang bei den Betroffenen an.

Meyer warnte darüber hinaus die Bundespolitik vor einer gesetzlichen Verankerung des Beherbergungsverbots im Infektionsschutzgesetz. „Der Tourismus braucht spätestens 2021 eine Perspektive, wie Reisen und Urlaubsaktivitäten auch unter Corona-Bedingungen wieder möglich sein können“, so der DTV-Präsident.

Zwar würden auch im nächsten Jahr noch weniger ausländische Touristen nach Deutschland kommen, dafür werde der Inlandstourismus voraussichtlich wieder anziehen. Die Branche habe sich intensive Gedanken über Hygienekonzepte gemacht, damit sich die Gäste sicher fühlen können, sagte Meyer. Der DTV-Präsident brachte erneut ein Siegel ins Gespräch, mit dem Betriebe gekennzeichnet werden könnten, die Sicherheit in Corona-Zeiten gewährleisteten. Einzelne Verstöße gegen die Hygienevorschriften seien nicht hinnehmbar: „Diese Einzelfälle schaden der gesamten Branche.“