Für fünf Euro von Berlin nach Cottbus, für sieben Euro nach Hamburg, für acht Euro nach Breslau: Wer seine Fahrt lange genug im Voraus bucht, kann mit dem Bus immer noch zu sensationell günstigen Tarifen verreisen. Davon profitieren vor allem Berliner Fahrgäste, denn keine andere deutsche Stadt hat so viele Verbindungen und so viel Konkurrenz zu bieten. Ein paradiesischer Zustand für die Kundschaft – doch mittelfristig müsse sie sich auf höhere Preise einstellen, erwartet Jörg Schaube, Geschäftsführer des Berliner Busunternehmens BEX. „Der Markt wird sich mittelfristig konsolidieren, die Fahrpreise werden steigen, das Linienangebot wird gestrafft“, sagt er. Kein Fernbusbetreiber schreibe schwarze Zahlen.

Mehr als 60 Fahrzeuge, rund 200 Beschäftigte: Das ist die Bayern Express & P. Kühn Berlin GmbH, kurz BEX.  Das Wilmersdorfer Unternehmen ist nicht der größte Fernbusbetreiber im Land. BEX fährt für Berlin Linien Bus, eine andere Tochterfirma der Deutschen Bahn, deren Fernbusgeschäft nur einen Marktanteil von neun Prozent hat – weit abgeschlagen hinter Flixbus und Postbus. Doch BEX kann sich rühmen, einer der traditionsreichsten Anbieter auf diesem Markt zu sein.

Paul Kühn, der Gründer, war ein Fernbuspionier. 1949 ging er mit einer Buslinie  von Charlottenburg nach Frankfurt am Main an den Start – ermuntert vom West-Berliner Senat, der eine Alternative zum DDR-Bahnunternehmen  Deutsche Reichsbahn aufbauen wollte.  Weitere Strecken ins Bundesgebiet folgten. Sie führten nicht nur in Großstädte, sondern auch  zu Urlaubszielen – von der Ostsee bis Bad Füssing. Es war ein sehr lukratives Geschäft.

Kein Anbieter macht Gewinn 

Das hat sich geändert, sagt Jörg Schaube, der seit 38 Jahren im Unternehmen arbeitet und seit 17 Jahren Geschäftsführer ist. Die Liberalisierung der Fernbusbranche  2013 hat einen Preiskampf entfacht, der bis heute andauert. „Dies ist ein extrem schwieriger Markt, auf dem derzeit kein Anbieter schwarze Zahlen schreibt. Mit Fernbussen verdient keiner Geld“, berichtet der 63-jährige Volkswirt.  Notwendig seien Fahrgeldeinnahmen von sechs Cent pro Fahrgast und Kilometer –  die meisten Tickets seien billiger. „Auch wir können uns von dem Preisdruck nicht abkoppeln.“ Die Bahn leistet sich nur einen Unterschied zu den  Konkurrenten:  Die Strategie, eine Buslinie nach der anderen zu eröffnen, macht sie nicht mit. Schaube: „Berlin Linien Bus hat die Zahl der angebotenen Linien mehr als vervierfacht. Doch wir haben nicht den Anspruch, Marktführer zu sein. Wir wollen ein seriöses Angebot.“

Wie lang  es noch so viele Billigtickets gibt, kann auch der BEX-Chef nicht sagen. Er weiß nur: In nicht allzu langer Zeit ist es vorbei. Er teilt die Einschätzung, wonach  Flixbus, heute mit 71 Prozent Marktanteil der größte Anbieter, an die Börse gebracht wird und dann intensiver als jetzt auf Profitabilität achten muss.

Der Fernbusmarkt ändert sich. „Die hohen Zuwachsraten gehören schon jetzt der Vergangenheit an“, sagt  Schaube. Das merken auch die Berliner Verkehrsbetriebe, deren Tochterfirma IOB den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB)  betreibt. Sie erwartet bei der Zahl der Ankünfte und Abfahrten für dieses Jahr nur noch einen Anstieg um sechs Prozent. 2014 betrug er 75 Prozent.

Neuer ZOB muss im Osten liegen

Trotzdem sei es richtig, dass der Senat rund 14 Millionen Euro in den Ausbau investiere, so Schaube: „An vielen Stellen hat der ZOB immer noch den Charme der 1960er-Jahre. Er ist ein wichtiges Tor nach Berlin. Und wir wissen, dass für die Gäste unserer Stadt der erste und der letzte Eindruck entscheidend ist.“ 

Auf der Anlage am Messedamm ist es eng  geworden. Darum begrüßt es der BEX-Chef auch, dass der Senat jetzt erneut prüfen lassen will, ob und wo Berlin einen zweiten Busbahnhof braucht.  „Aus unserer Sicht müsste der Standort im Osten Berlins liegen, damit weitere Fahrgastpotenziale erschlossen werden können. Der Ostbahnhof, den wir heute schon ansteuern, wäre die beste Option.“ Er ist mit dem Nahverkehr  gut erreichbar, bietet ausreichend große Flächen,  Toiletten, Gastronomie und ein Parkhaus.

Langfristig wäre der Bahnhof Ostkreuz allerdings noch besser, denn dort bieten die S-Bahn und in Zukunft auch der Regionalverkehr noch mehr Anschlüsse. „Die A 100 wird ihn unterqueren und wer weiß, vielleicht fährt ja künftig auch die U-Bahn dorthin“, sagt der BEX-Chef.

Wie sähe es mit der City Ost aus? „Vor Jahren haben wir versucht, eine Haltestelle am Alexanderplatz zu bekommen. Doch das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten lehnte das  ab“, erzählt Schaube. „Umso erstaunter waren wir, dass es unserem großen Mitbewerber eine Haltestelle genehmigte. Inzwischen halten wir diesen Standort aber nicht mehr für sinnvoll. Er liegt zu weit in der Innenstadt.“