Oply-Chefin Katharina Wagner: "Wir haben einen echten Bedarf geweckt."
Foto: Berliner Zeitung/ Markus Wächter

Berlin - Vor ziemlich genau einem Jahr war das Carsharing-Unternehmen Oply in Berlin an den Start gegangen. Nun gibt es seinen Rückzug bekannt. Ende des Monats wird der Anbieter sein Geschäft aufgeben, hieß es am Dienstag. Oply hat in München, Hamburg und Berlin gut 500 Fahrzeuge im Angebot. Allein die Berliner Flotte umfasst 200 Autos. Oply-Chefin Katharina Wagner bedauert das Aus. „Wir waren der schnellst wachsende Anbieter im zonenbasierten Carsharing“, sagt sie. „Unsere Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen.“

In Berlin hatte Oply zuletzt 17.000 registrierte Nutzer. Die Auslastung der Autos sei laut Wagner wöchentlich gewachsen. Für dieses Jahr war sogar die Verdreifachung der Flottengröße geplant. Auch die Expansion in andere europäische Länder war vorgesehen. 2022 sollte die Gewinnschwelle erreicht sein. Die Investoren versagten dem Unternehmen jedoch frisches Kapital.

Bereits im vorigen Jahr hatte der beteiligte chinesische Autokonzern SAIC Folge-Investments abgelehnt. Gespräche mit anderen Investoren  blieben ergebnislos. „Im letzten halben Jahr ist die Risikobereitschaft, in neue Mobilität zu investieren, stark gesunken“, lautet das Fazit von Mauro Mariani, dem Chef der luxemburgischen Muttergesellschaft Oply Mobility. Ingesamt 50 Mitarbeiter sind von der Firmenschließung betroffen, 30 davon in Berlin.

Für den Wocheneinkauf oder Ikea-Besuch

Oply hatte mit seinem Carsharing-Modell tatsächlich einen anderen Ansatz als etwa die nun unter der Marke ShareNow zusammengefassten Anbieter Car2go und DriveNow von Daimler und BMW. Während dort die Autos minutenweise vermietet werden, bot Oply seine Fahrzeuge für wenige Stunden oder mehrere Tage an. Zudem hatte Oply seine Autos dort, wo die potenziellen Privatauto-Verzichter wohnen: in den Kiezen. Die Firma hatte Teile Berlins in etwa 60 Zonen aufgeteilt und jeder Zone eine Kiez-Flotte mit vier bis fünf Fahrzeugen zugeteilt.

Wurde dort ein Auto gemietet, etwa ein Familienwagen für den Wocheneinkauf oder ein Transporter für die Fahrt zu Ikea, musste es in dieser Zone auch wieder abgestellt werden. Man sollte nie länger als zehn Minuten bis zu einem Auto laufen müssen. Die Zonen gab es im Lichtenberger Weitling-Kiez ebenso wie am Pankower Bürgerpark. Erst im Sommer kamen Zonen in Köpenick, Wilmersdorf und Spandau dazu. Auf die Innenstadt und Gebiete mit Parkraumbewirtschaftung verzichtete Oply, um sich teure Parkgebühren zu sparen. Pro Auto wären dafür bis zu 3600 Euro im Jahr fällig geworden.

"Extrem schwierige Realitäten"

Tatsächlich ordnet sich die Sharing  Economy im Mobilitätsgeschäft seit Ende vergangenen Jahres neu. Im Dezember hatte ShareNow die minutenweise Autovermietung in den USA und in Kanada sowie in London, Brüssel und Florenz eingestellt und begründete diesen Schritt mit „extrem schwierigen Realitäten“. Ebenfalls zum Jahresende hatte der Berliner Elektroroller-Verleiher Coup seinen Dienst eingestellt.

Für Oply-Gründer Mauro Mariani waren die Zeiten allerdings schon vor Jahren kaum glückvoller. Er hatte hier in Berlin bereits 2012 das Carsharing-Unternehmen Citeecar gegründet und schon damals auf das ursprüngliche  Carsharing-Prinzip mit festen Parkplätzen gesetzt. 110 Stationen gab es seinerzeit in der Stadt. Ende 2015 musste die Firma allerdings beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz anmelden und wurde am 10. Februar 2016 aufgelöst wurde.

Oply-Chefin Katharina Wagner, die das Unternehmen vom Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz aus führte, glaubt indes weiter an das Modell des Mietwagens in der Nachbarschaft. In vielleicht drei, vier Jahren werde ein neuer Anbieter in die Lücke stoßen, die Oply hinterlässt, sagt sie. „Wir haben einen echten Bedarf gedeckt.“