Die Motorrad-Produktion bei BMW in Spandau läuft seit Anfang Mai wieder.
Foto: Markus Wächter

BerlinDie Berliner Industrie schien die Auswirkungen der Corona-Krise bislang vergleichsweise gut zu verkraften. Ging es um verlorene Umsätze, war vor allem von der Gastronomie, der Hotellerie oder dem Dienstleistungsbereich die Rede. Aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamtes belegen jedoch auch für das verarbeitenden Gewerbe in der Hauptstadt drastische Einbrüche. Allein in den 339 Berliner Industriebetrieben mit mehr als 50 Beschäftigten waren die Umsätze im Mai gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent zurückgegangen.

Damit setzte die Berliner Industrie in einem einzigen Monat 450 Millionen Euro weniger um als im gleichen Vorjahresmonat. Insgesamt waren die Umsätze im Mai auf weniger als 1,8 Milliarden Euro eingebrochen. Die Hersteller pharmazeutischer Erzeugnisse, Berlins umsatzstärkster Industriezweig, meldeten Umsatzeinbußen von 25,7 Prozent. Im Maschinenbau beziffern die Landesstatistiker das Minus mit 13,3 Prozent.

Aber dabei wird es nicht bleiben. Denn auch die Auftragseingänge waren im Mai teils drastisch zurückgegangen. Insgesamt hatten allein die 339 größeren Unternehmen ein Drittel weniger Aufträge in den Büchern als ein Jahr zuvor. Insbesondere im Maschinenbau und bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen sind die Aussichten wenig hoffnungsvoll. Denn während die Auftragseingänge bei der Berliner Pharmaindustrie um 19,6 Prozent schrumpften, lagen sie bei den Maschinenbauern und Ausrüstungsherstellern um mehr als 50 Prozent unter Vorjahresniveau. Eine Situation, die sich direkt auch in den Zahlen zur Kurzarbeit widerspiegelt. Denn nach Angaben der regionalen Arbeitsagentur hatten im Mai 1740 Berliner Industriebetriebe für zusammen etwa 35.500 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet.

Grafik: BLZ/Hecher, Quelle: AFS

Wie viele Jobs in der Branche damit gerettet werden können, wird sich zeigen. Tatsächlich waren in der Berliner Industrie aber bereits bis Mai Tausende Arbeitsstellen weggefallen. Denn während in den Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten im Mai 2019 noch fast 80.000 Mitarbeiter gezählt wurden, waren es im Mai dieses Jahres nur noch knapp 73.000.

Für Claus Pretzell, Volkswirt bei der Investitionsbank Berlin, ist die Berliner Industrie bislang dennoch „glimpflich durch die Krise gekommen“. Seine Begründung: Während die Industrieumsätze in Berlin von Januar bis Mai um 2,3 Prozent zurückgingen, verzeichnete die gesamte deutschen Industrie einen Rückgang um 14,9 Prozent.