Zahlen sind eigentlich langweilig. Erst wenn man sie miteinander in Beziehung setzt, sie vergleicht, werden sie, nun ja, lebendig. Plötzlich erzählen sie, ob es uns gut oder schlecht geht, was teuer und was billig ist. Kurz: Ob es eben „viel oder wenig“ bedeutet. Es geht um Fakten des Berliner Alltags. Diesmal: Autos.

National: Wenngleich das Automobil bei jungen Leuten vielleicht nicht mehr den Stellenwert hat, den es früher genoss, so ist die eigene Karosse keineswegs verschwunden. Zwar werden hierzulande Jahr für Jahr etwa eine Million Autos verschrottet oder ins Ausland verkauft. Dafür kommen aber jährlich etwa drei Millionen fabrikneue Autos dazu. 28.330 Euro gaben Deutsche im vergangenen Jahr im Schnitt für einen Neuwagen aus. Insgesamt gibt es in Deutschland 44,4 Millionen Autos.

Regional: Davon hat etwa jedes 40. Automobil ein Berliner Kennzeichen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren am 1.1.2015 genau 1.165.215 Autos in Berlin zugelassen. Das scheint wenig. Denn während deutschlandweit im Schnitt 550 Autos auf 1000 Einwohner kommen, sind es in Berlin nur 341. Damit rangiert Berlin auf dem Niveau von Katar, Kroatien oder Bulgarien. Und tatsächlich gibt es bundesweit keinen Regierungsbezirk, in dem je Einwohner weniger Autos zugelassen sind als in Berlin. Selbst in den als besonders umwelt- und fahrradfreundlich geltenden Städten Tübingen und Münster ist die Pkw-Dichte deutlich höher. Mal ganz abgesehen von der VW-Stadt Wolfsburg, die wahrlich als Autostadt bezeichnet werden darf. Es ist Deutschlands einzige Stadt, in der es mehr Autos (140.633) als Bürger (121.758) gibt.

Eng: Dafür hätte Berlin gar keinen Platz. Gesteht man jedem der 1,1 Millionen Berliner Autos sechs Meter Platz zu, ergibt sich eine Autoschlange von rund 7 000 Kilometern, was fast der Entfernung Berlin–Peking entspricht. Das Problem: Das öffentliche Straßennetz der Hauptstadt hat nur eine Gesamtlänge von 5419 Kilometern, und die Berliner Autos sind in der Stadt nicht allein. Man könnte also allein mit den Berliner Autos zwei Drittel aller öffentlichen Straßen beidseitig zuparken. Oder anders gesagt: Gibt es bundesweit 68 Autos je Straßenkilometer, so sind es in Berlin 212. Das ist viel.

Gewöhnlich: Was das Auto selbst betrifft, so unterscheidet sich der Hauptstädter nicht sonderlich vom Bundesdurchschnitt. Es gibt die große Masse (86 346 VW Golf) und die Visionäre (59 BMW i3), die Wichtigen (2 697 S-Klassen) und die Nostalgiker (959 Trabis), die Poser (310 Ferrari) und die Pragmatiker (10 189 Dacia), die Verwöhnten (217 Bentley) und die Gestählten (7 014 Smart). Insgesamt fährt man auch hier vor allem Volkswagen. Auf Rang zwei folgt Mercedes vor Opel, was zweifelsfrei den Fuhrparks von Regierung, Verbänden und anderen Lobbyisten zu verdanken ist.

Alternativ: Damit tut sich die Nation schwer, und das Elektroauto steckt noch immer in der Nische. Deutschlandweit gibt es 18.948 rein elektrisch betriebene Pkw. Das sind gerade 0,04 Prozent aller Autos. Berlin hat zwar auch nur 849 Elektroautos vorzuweisen, doch ist der E-Mobil-Anteil mit 0,07 Prozent fast doppelt so hoch und auch größer als in Bayern und Baden-Württemberg.

Abenteuerlustig: Auch wenn der höchste Berg Berlins nur 122 Meter misst und mannshohe Schneewehen eher unwahrscheinlich sind, so ist der hauptstädtische Autobesitzer dennoch gern auf alle Eventualitäten vorbereitet. Deshalb haben 6,3 Prozent aller in Berlin zugelassenen Autos einen Allradantrieb. Das sind fast 74.000 Fahrzeuge, von denen das Gros auch noch reichlich Bodenfreiheit bietet. 3 700 Exemplare der Mercedes M-Klasse, 1 433 BMW X5, 410 Audi Q7 und 1763 VW Touareg stehen exemplarisch für die ausgeprägte Abenteuerlust des gemeinen Hauptstädters, die er etwa beim Bezwingen einer granitenen Bordsteinkante auslebt.

Schnell: Zudem mag es der Berliner schnell, wenngleich die Avus längst nicht mehr als ein Autobahnabschnitt ist und immer mal wieder über eine stadtweite Tempo-30-Zone diskutiert wird. Jedes dritte Berliner Auto hat das Potenzial, die Tempo-200-Marke zu knacken. 6 195 schaffen sogar mehr als 250 km/h. Das sind 0,5 Prozent aller Berliner Autos. Gegenüber Brandenburg (0,16 Prozent) ist das viel, gegenüber Hamburg (0,9) eher wenig.

Weiblich: Dass Autos weibliche Namen tragen, ist zwar nach wie vor sehr selten (Alfa Giulia und Corvette gehören zu den Ausnahmen), eine Frau am Lenkrad ist indes Normalität. Aber sie fährt nicht nur, sie besitzt auch. Der Anteil weiblicher Autobesitzer nimmt seit Jahren stetig zu. Im Bundesdurchschnitt sind 33,6 Prozent aller zugelassenen Pkw im Besitz von Frauen. Das sind immerhin fast 15 Millionen Autos, 388 250 allein in Berlin, wo der Anteil mit 33,3 Prozent dem deutschlandweiten Schnitt entspricht und zugleich wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen dokumentiert: In München und Düsseldorf ist der Anteil geringer, in ostdeutschen Städten größer.

Offen: Und es gibt in Berlin 44.608 Cabrios. Ist das viel oder wenig? Bei jährlich 142 Regentagen im Jahr ist das vor allem optimistisch.