Zahlen sind eigentlich langweilig. Erst wenn man sie miteinander in Beziehung setzt, sie vergleicht, werden sie, nun ja, lebendig. Plötzlich erzählen sie, ob es uns gut oder schlecht geht, was teuer und was billig ist. Kurz: Ob es eben „viel oder wenig“ ist. Es geht um Fakten des Berliner Alltags. Heute: Babys.

Geburten: „Ach ist die/der Kleine süß.“ – mit solchen oder ähnlichen begeisterten Ausrufen wird jedes Neugeborene in der Regel von Eltern, Verwandten und Bekannten begrüßt. Was gibt es auch Schöneres als ein neues Leben? Dieses freudige Ereignis passierte im Jahr 2013 – das sind die aktuell verfügbaren Daten – in Deutschland genau 682.069 Mal. Im Vergleich zum Vorjahr war das erneut ein Anstieg. Ob es eine Trendwende war, werden die kommenden Jahre zeigen. Im Jahr 2000 kamen hierzulande noch fast 85.000 Kinder mehr auf die Welt.

Berlin: Mia, Emilia, Emma, Charlotte und Hannah/Hanna zählten im Jahr 2013 in Berlin zu den am häufigsten vergebenen Vornamen für Mädchen. Auf der Jungsseite standen Felix, Ben, Noah, Luis/Louis und Maximilian ganz hoch in der Gunst der Eltern. In der Hauptstadt gaben Mütter und Väter 35.038 Babys einen Vornamen – oder auch zwei oder drei oder...

Jungs/Mädchen: Die Jungs waren dabei in der Überzahl: 18.045 blauen Stramplern standen 16.993 rosarote gegenüber. Diese Farbeinteilung ist natürlich längst kein Muss mehr. Mittlerweile stammt die Mehrzahl (51 Prozent) der neugeborenen Kinder von nicht miteinander verheirateten Paaren – der höchste Wert seit der Wende. Vor 15 Jahren lag er erst bei 40 Prozent.
Mehr als die Hälfte der Neugeborenen stammt von Müttern, die zwischen 30 und 40 Jahre alt sind. Minderjährige Mütter unter 15 Jahren bekamen sechs Kinder. 302 der Babys haben mindestens schon fünf Geschwister. Die meisten Kinder wurden im Juli geboren, die wenigsten im Februar.

Hotspots: Pankow, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg – wer Kinder und Kinderwagen sehen will, muss dorthin. Denn in diesen Bezirken sind die meisten Babys zu Hause. Pankow lag 2013 mit 4500 Neugeborenen vorn, Spandau mit 2000 hinten. Auf die schlechtestes Geburtenziffer – Lebendgeborene je 1000 Einwohner – kam Steglitz-Zehlendorf.

Überschuss: Dass Berlin in jeder Hinsicht wächst, ist hinlänglich bekannt. Und die Stadt hat – neben Hamburg – als einziges Bundesland einen Überschuss in der Bevölkerungsentwicklung erreicht, berücksichtigt man die Geborenen und die Gestorbenen des Jahres 2013. Danach kommt Berlin auf ein Plus von 2246 Menschen. Die Zuwanderung von außen ist hier nicht dabei. Fast alle anderen Bundesländer verlieren dagegen im fünfstelligen Bereich. Nordrhein-Westfalen verliert trotz der hohen Geburtenzahl mehr als 53.600 Menschen, Deutschland insgesamt fast 212.000 Personen.

Trend: Es gibt in Berlin einen kleinen Baby-Boom. Seit der Wende war die Zahl der Neugeborenen nie höher als im Jahr 2013. Bis 2006 bewegte sich ihre Zahl mit Schwankungen zwischen 28.500 und knapp über 30.000. Seit 2007 geht es nach oben. Diese Entwicklung korrespondiert mit der wirtschaftlichen Entwicklung in der Stadt. Auch dort ging es seitdem spürbar nach oben. Der Arbeitsmarkt entwickelte sich entsprechend, und zugleich kamen viele junge Leute in die Stadt, um in der kreativen Szene und in Start-ups ihre Ideen auszuprobieren. Dieser wirtschaftliche Aufschwung hat manchem Hipster möglicherweise auch Mut gemacht, sich im Windeln und Fläschchengeben zu versuchen.

Leistung: Mit den 35.038 Babys entfielen auf das Bundesland Berlin etwas mehr als fünf Prozent der neugeborenen Kinder des Jahres 2013. Das ist keine schlechte Leistung der Berliner und kein schlechter Wert, denn er ist höher als der Anteil der Berliner Bevölkerung an der Einwohnerzahl Deutschlands. Die Berliner sind beim Kindermachen offenbar mit mehr Freude bei der Sache. Die meisten Neugeborenen wurden in Nordrhein-Westfalen registriert: mehr als 146.400. Dahinter folgen die Bayern (fast 110.000). Das heißt: Mindestens jedes dritte Kind wurde in diesen beiden Ländern geboren. Und armer Osten: Ohne Berlin reichen die fünf neuen Bundesländer nicht einmal zusammen an Bayern heran. Sie bleiben in der Summe noch ein paar Dutzend unter der Marke von 100.000 Babys hängen.

Zukunft: Kinder sind die Zukunft – so gesehen sieht die Zukunft für Deutschland derzeit recht freudlos aus. Zu wenige Kinder werden geboren, die Bevölkerung nimmt ab. Deutschland zählt in Europa zu den Ländern mit den niedrigsten Geburtenraten (Geburten pro Frau) – und liegt sogar weltweit unter 209 Ländern ganz hinten, wenn es um die Geburten pro 1000 Einwohner geht. Dann schlägt zusätzlich negativ zu Buche, dass es relativ wenige Frauen im gebärfähigen Alter gibt.

Fazit: Die Frage nach dem "Viel oder wenig?" erübrigt sich wohl. Antwort: Viel. Definitiv viel.