Zahlen sind emotionslos. Erst wenn man sie miteinander in Beziehung setzt, sie vergleicht, werden sie, nun ja, lebendig. Plötzlich erzählen sie, ob es uns gut oder schlecht geht, was teuer und was billig ist. Kurz: Ob es eben „viel oder wenig“ bedeutet. Es geht um Fakten des Berliner Alltags. Diesmal: Reichtum und Armut.

Reichtum: Vermögende sind meist verschwiegen, was die Menge ihrer Spargroschen angeht. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Bank of Scotland haben in Berlin neun Prozent der Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren mindestens 50.000 Euro (oder mehr) auf der hohen Kante. Das sind immerhin etwa 300.000 Personen, die über derartige Geldbeträge in Form von Bargeld oder Finanzanlagen verfügen. Selbst genutzte Immobilien sowie Lebens- und Rentenversicherungen sind dabei nicht einmal enthalten.

Vermögen: Aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2013 ergibt sich, dass die Berliner weit unter dem Durchschnitt der bundesdeutschen Vermögensverhältnisse liegen. Das durchschnittliche Nettogesamtvermögen eines Berliner Haushalts betrug laut Statistischem Landesamt Berlin-Brandenburg in jenem Jahr 52.600 Euro, wobei neben dem Geldvermögen auch Immobilien und Schulden berücksichtigt sind. Der Bundes-Wert ist mehr als doppelt so hoch.

Unzufriedenheit: In Rheinland-Pfalz, Bremen und Bayern liegt der Anteil der Besitzer von 50.000 Euro und mehr bei 15 Prozent, in Baden-Württemberg bei 14 Prozent. Die Baden-Württemberger sind nach eigener Einschätzung mit ihrer finanziellen Situation am meisten zufrieden. 53 Prozent der Befragten geben hier an, sich in einer „guten“ oder „sehr guten“ Lage zu befinden – der Spitzenplatz unter allen Bundesländern. Die meisten unzufriedenen Menschen gibt es laut Umfrage in Berlin: Hier gibt jeder Vierte an, seine finanzielle Situation sei „schlecht“ oder sogar „sehr schlecht“.

Befund: Diese Unzufriedenheit ist kein Wunder, schaut man auf die Einkommen und die Lebenshaltungskosten. Die Mieten haben in den vergangenen Jahren deutlich angezogen, die Gehälter nicht so stark. Das Berliner Gehaltsniveau für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer (ohne Sonderzahlungen) liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vier Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Und Berlin hat immer noch eine der höchsten Arbeitslosenquote n unter den Bundesländern – trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs in den vergangenen Jahren.

Unterstützung: Die hohe Arbeitslosigkeit ist ein Grund dafür, dass Berlin von allen Bundesländern den höchsten Anteil an Personen verzeichnet, die mit Hartz IV leben müssen und damit auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Die Quote der Hartz-IV-Empfänger lag im April dieses Jahres bei 16,5 Prozent aller Einwohner in der Hauptstadt. Nach Angaben des Deutschen Landkreistages waren also 566.305 Berliner Empfänger von unterstützenden Sozialleistungen, weil das eigene Einkommen nicht zum Leben reicht. Nur Bremen kommt auf eine ähnlich hohe Quote (14,6 Prozent).

Verteilung: Dort, wo die Wirtschaft brummt und die Firmen seit vielen Jahren prosperieren, sind viel weniger Menschen auf Hartz-IV-Geld und Sachleistungen angewiesen. In den westdeutschen Flächenländer n sind nur 6,5 Prozent der Einwohner Hartz-IV-Empfänger, in Ostdeutschland liegt die Quote schon ein Drittel höher bei 9,9 Prozent.

Hilfe: Hartz IV bekommt, wer erwerbsfähig ist und hilfebedürftig in der Form ist, dass er kein eigenes Einkommen hat oder ein so geringes, dass man davon nicht leben kann. Das kann bei Arbeitslosigkeit der Fall sein oder bei Teilzeitarbeit mit geringer Bezahlung – sogenannte Aufstocker.

Gründe: In Berlin sind so viele Menschen auf Hartz IV angewiesen, weil unter anderem fast jeder dritte der knapp 196.000 Erwerbslosen in der Stadt länger als ein Jahr ohne Job ist. Zudem ist der Anteil der Einwohner mit einem Migranten-Hintergrund besonders hoch, und deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind oft begrenzt. Möglicherweise gibt es auch noch Leute, die sich immer noch als Lebenskünstler mit Hartz IV in Berlin durchs Leben schlagen können.

Armut: Forscher verwenden eine komplizierte Definition, um zu beschreiben, wer von Armut bedroht ist. Demnach lag für einen Einpersonenhaushalt in Berlin 2014 die Armutsgefährdungsschwelle bei 842 Euro Nettoeinkommen pro Monat. Wer weniger zur Verfügung hat, gilt als arm beziehungsweise armutsgefährdet. Für einen Haushalt mit zwei Personen und zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Schwelle bei 1767 Euro.

Quote: Gemessen an den Einkommensverhältnissen in der Hauptstadt lag die Quote aller Berliner Einwohner, die von Armut bedroht sind, im vergangenen Jahr bei 14,1 Prozent. Damit ist sie seit 2011 stetig gefallen. In Hamburg lag der Anteil bei 18 Prozent, gemessen an den Bedingungen in der Hansestadt. Würde man die gesamten bundesdeutschen Einkommensverhältnisse zum Maßstab nehmen, wären in Berlin sogar 20 Prozent der Einwohner armutsgefährdet – weil eben die Löhne und Gehälter im Rest der Republik zum Teil deutlich höher sind. Schlechter schneiden nur Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ab.

Fazit: „Wie geht‘s?“ Eine Berliner Antwort darauf ist: „Muss ja“. Denn bei der Mehrheit ist kein großer Reichtum vorhanden. Und nirgendwo gibt es mehr Hartz-IV-Empfänger als in Berlin.