Seit Dienstag bleiben die Schulmensen in Berlin leer – bis auf die wenigen Kinder in der Notbetreuung.
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BerlinDie Schulschließungen wegen des Coronavirus' bringen die Mensalieferanten in Not: In einem Brief hat der Verband der Deutschen Schul- und Kitacaterer Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag aufgefordert, die Caterer finanziell zu unterstützen und mindestens zwei Drittel der normalerweise gelieferten Portionen zu bezahlen – auch wenn derzeit nur ein Bruchteil anfällt.

Andernfalls drohten Insolvenzen und die Struktur der Schul- und Kitaverpflegung könne nicht mehr aufrechterhalten werden, so der Verband. „Die Preiskalkulationen und Rücklagen sind auf solche Notsituationen nicht ausgerichtet“, heißt es in dem Schreiben, das der Berliner Zeitung vorliegt. Der Verband vertritt derzeit 16 Unternehmen, alle aus Berlin und dem Umland.

„Es zeichnet sich eine gewisse Dramatik ab“, sagte Rolf Hoppe, Verbandssprecher und Geschäftsführer des Schulcaterers Luna. Einrichtungen, die normalerweise 400 Portionen bestellen, würde derzeit nur mit 10 oder 20 Portionen beliefert. „Meine Firma produziert im Augenblick fünf Prozent der normalen Mengen“, so Hoppe. Gleichzeitig müssten alle Betriebe aufrechterhalten, die Mitarbeiter alle weiter beschäftigt werden. „Der Aufwand, den wir betreiben, ist abgesehen vom Wareneinkauf der gleiche. Die Kosten sind laufend“, sagt Hoppe. „Wenn wir sofort dicht machen würden, wäre das noch günstiger.“

Vorübergehend schließen können die Schulcaterer aber nicht, denn die Kinder, die in den Schulen und Kitas notbetreut werden, haben weiter ein Anrecht auf Essen. In dem Schreiben verweist der Verband auch darauf, dass ein Bereitschaftsdienst aufrechterhalten werden müsse, „um im Notfall die Küchen für den Katastrophenschutz bereitstellen zu können.“ Und irgendwann öffnen auch die Schulen wieder – nach derzeitigem Stand am 20. April, nach dem Ende der Osterferien. Wegen der Corona-Maßnahmen müssen derzeit tausende Unternehmen um ihre Existenz fürchten. „Von uns wird aber erwartet, dass wir ans Netz gehen, sobald es wieder los geht“, sagte Hoppe.

Seit dem laufenden Schuljahr übernimmt das Land die Kosten für das Schulmittagessen für Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 6. Der Verband der deutschen Schul- und Kitacaterer fordert, dass Berlin weiterhin zwei Drittel des vereinbarten Preises bezahlt – als Gegenleistung dafür, dass sie ihre Betriebe auf Standby halten. „Das Geld, das dafür vorgesehen und im Haushalt eingestellt ist, muss fließen“, forderte Hoppe. Andernfalls liefen gerade kleinere Caterer spätestens in den Sommerferien Konkurs gehen.

Ein Sprecher der Senatsschulverwaltung erklärte am Donnerstag, die Caterer seien „unbestritten in einer schwierigen Situation.“ In Scheeres' Haus zieht man aber offenbar derzeit nicht in Betracht, den Caterern mehr zu zahlen als sie liefern: „Wir wollen im Senat erreichen, dass sie Hilfsmittel erhalten oder andere Hilfestellungen greifen. Zudem können diese Unternehmen Kurzarbeit beantragen“, sagte der Sprecher.