Solaranlage auf einem Dach eines Wohnhauses.
Foto: dpa/Daniel Reinhardt

BerlinEine Solaranlage auf dem Dach erzeugt umweltfreundliche Energie, die dem Verbraucher sogar günstiger zu stehen kommt als Strom vom Versorger. Dennoch schrecken die Anschaffungskosten von zumeist mehreren Tausend Euro und eventuelle Wartungskosten viele Hausbesitzer von einem solchen Wechsel ab. Das will Mario Kohle, Gründer des Berliner Start-ups Enpal ändern. Das Unternehmen vermietet Photovoltaikanlagen.

 Enpal ist nicht die einzige Firma, die auf ein Mietmodell setzt. Auch einige Energieversorger selbst bieten mittlerweile eine Art Leasing von Solaranlagen an. Unterscheiden wollen sich die Berliner durch eine reine Online-Strategie und damit einhergehend schlanken Kosten – keine Außenvertriebsmitarbeiter, die Abwicklung läuft rein digital. „In Deutschland gibt es 14 Millionen Einfamilienhausdächer, auf denen noch keine Solaranlage installiert ist“, sagt Kohle. Der Markt sei demnach groß genug, die Vision von Kohle noch größer: „Unser Traum ist es, der größte Energieversorger Europas zu werden.“

Weiter steigende Strompreise

Noch ist Enpal ein Start-up mit Vertriebsgebiet allein in Deutschland. 2017 sind sie gestartet, Ende diesen Jahres sollen in der Bilanz knapp 2000 vermietete Anlagen stehen. In den nächsten fünf Jahren will Enpal sein Angebot erweitern und auch Stromspeicher sowie Luftwärmepumpen an Hausbesitzer vermieten. Derzeit aber liegt der Fokus allein auf Solaranlagen.

Je nach Leistung der Anlage berechnet Enpal monatlich 50 bis 160 Euro. Im Mietpreis enthalten sind Versicherung, Wartung und mögliche Reparaturen. „Der Kunde muss kein Risiko mehr tragen“, sagt Kohle. Der Mietpreis sei außerdem über die Jahre hinweg fix, während die Strompreise in der Vergangenheit regelmäßig gestiegen sind. Ein einfaches Produkt zu schaffen, bei dem sich der Kunde um nichts kümmern müsse, stand bei der Überlegung zur Gründung im Vordergrund. „Wir wollen, dass niemand mehr eine Ausrede hat, nicht auf umweltfreundlichen Strom umzusteigen“, sagt Kohle.

Umlagen fallen bei der eigenen Solaranlage weg

Tatsächlich ist der eigens erzeugte Sonnenstrom in der Regel günstiger als der vom Versorger. Das liegt daran, dass Steuern, Umlagen und Netzentgelte, die normalerweise auf der Stromrechnung auftauchen, wegfallen. Andererseits kommen bei einer Miete die enthaltenen Pauschalkosten für Wartung und Reparatur wieder oben drauf. Fallen keine großen Reparaturen an, wäre eine Eigenfinanzierung einer Photovoltaikanlage unter Umständen durchaus günstiger als ein Mietmodell. Die hohe Anschaffungssumme muss dann allerdings aufgebracht werden können. Bei Enpal geht die Anlage nach 20 Jahren für einen symbolischen Euro in den Besitz des Kunden über.

Es ist bereits das zweite Start-up, das Kohle gegründet hat. Auch in seinem ehemaligen Unternehmen „Aroundhome“, vormals „Käuferportal“, war die Vermittlung von Solaranlagen am Rande ein Thema. 2016 verkaufte er es an ProSiebenSat.1 und General Atlantic.